Der Radschnellweg RS1 zwischen Mülheim und Essen

Foto RS1 Radschnellweg Wegweiser

Im Jahr 2017 wurde der erste Teil des Radschnellweges RS1 zwischen Mülheim an der Ruhr und Essen eröffnet. Dabei handelt es sich um sehr gut ausgebauten Radweg, der schon heute die beiden Städte so gut wie kreuzungsfrei miteinander verbindet. Das erklärte Ziel des Projektes ist es, einen ingesamt gut 101 km langen Radschnellweg zu schaffen, der ausgehend von Duisburg die Städte des Ruhrgebiets bis nach Hamm verbindet.

Die Fahrbahn auf dem schon erstellten Teilstück zwischen Mülheim und Essen hat eine komfortable Breite von etwa 4m sowie teilweise einen separaten neben dem Radweg befindlichen Fußgängerweg. Neben Radfahrer nutzen daher auch viele Läufer und Spaziergänger den Weg für ihre Erholung.

Im Mai 2019 ist in Mülheim eine kleine Erweiterung über die Ruhr bis zur Hochschule Ruhr-West eröffnet worden. Hierfür war eine aufwendige und wahrscheinlich überteuerte Sanierung einer ehemaligen Eisenbrücke erforderlich.

Im Folgenden gibt es eine kurze Beschreibung der aktuell ausgebauten Strecke ausgehend von der Hochschule Ruhr West in Mülheim bis zur Essener Stadtmitte in Höhe der Universtät Essen-Duisburg. Wer aus Essen kommt, muss sich die Tourbeschreibung in umgekehrter Reihenfolge vorstellen/lesen.

Direkt auf den ersten beiden Kilometern gibt es sehr interessante Dinge zu entdecken. Die Strecke startet an der noch sehr jungen Hochschule Ruhr West, die im Jahre 2009 von der Landesregierung NRW gegründet wurde. Anfänglich fand der universitäre Betrieb zunächst provisorisch in Containern im Mülheimer Stadtteil-Styrum statt, erst im 2016 wurde dann der jetzt am Radweg gelegene Campus in Mülheim-Broich offiziell eröffnet.

        

Direkt nach den Gebäuden der Hochschule passiert man auf der rechten Seite dann die auch noch relativ neue Feuer- und Rettungswache der Stadt Mülheim inkl. einer separaten über den Radweg führenden Ausfahrtmöglichkeit. Also aufgepasst, dass hier kein Rettungseinsatz blockiert wird, was aber wirklich nur in seltenen Ausnahmefällen geschehen sollte.

Und auch das nächste Gebäude ist schon wieder ein kleines Highlight auf dem Radschnellweg. Hierbei handelt sich um die Alte Dreherei Mülheim, ein historisches Bauwerk aus dem Eisenbahnbestand, welches aktuell mit viel Eigeninitiative vor dem Verfall gerettet und zu einem Haus der Vereine umgebaut werden soll. Schon heute finden hier regelmäßige Veranstaltungen wie Oldtimertreffs, Trödelmärkte und Vereinstreffs statt.

Nur wenige hundert Meter wartet schon eine weitere wirklich sehenswerte Landmarke am rechten Wegesrand die Camera Obscura. Hierbei handelt sich eigenen Aussagen der Betreiber um die größte begehbare Camera Obscura der Welt. In dem einstmaligen Wasserturm befindet sich heute neben der Camera Obscura auch ein sehr interessantes Museum zur Vorgeschichte des Films.

Foto Camera Obscura vom Radschnellweg RS1 Mülheim
Für einen weiteren kleinen Abstecher lädt auch der Müga-Park ein, vom Radweg aus bildet der Weg zur Camera Obscura praktisch den Eingang. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Ringlokschuppen sowie das altertümliche Schloß Broich. Wer sich noch stärken möchte, kann sich in der Gastronomie des Ringlokschuppens vor der Tour noch etwas stärken.
Wer noch etwas weiter radeln möchte, kann durch den Müga-Park auch auf den Ruhrtalradweg flussaufwärts abbiegen. Als Ziel böte sich zum Beispiel Kettwig an, oder eine Rundtour (mehr evtl. dazu später auf dieser Webseite).

RS1 Brücke Mülheim an der Ruhr

Im weiteren Verlauf der Strecke geht es auf dem Hochweg in Richtung der alten Eisenbahnbrücke, die uns über die Ruhr führt. Direkt hinter der Brücke befindet sich rechter Hand ein Aufzug, der meiner Meinung nach leider die städtische Planungskompetenz im Mülheimer Rathaus symbolisiert. Schilda lässt grüßen! Wenn man Glück hat, kann man den Aufzug für eine Abfahrt auf die relativ neu erbaute Ruhrpromenade nutzen. Sehr häufig ist der Aufzug allerdings defekt und da es sich um eine Sonderanfertigung handelt, werden die erforderlichen Reparaturen immer nur mit erheblicher Verzögerung durchgeführt. Eine wartungsarme Rampe wäre an dieser Stelle wesentlich sinnvoller gewesen. Auch der Promenade selbst lässt sich aus meiner Sicht   großes Negativbeispiel der Stadtplanung sehen. Alte, schattenspendende Bäume mussten einer Steinwüste und Betonklötzen Platz machen. Zudem wurden hier städtische Grundstücke in die Hände von Investoren gegeben, die nun mit direkten Wohnen am Wasser die Profite einstreichen können. Na ja, wer dennoch möchte hat hier die Möglichkeit sich in einem der modernen Gastronomiebetriebe zu stärken.

Aufzug RS1 Radschnellweg Mülheim Ruhrpromenade

Leider hat die Mülheimer Politik sich entschieden, den Radwegschnellweg in dem folgenden Bereich als Gefahrenzone zu gestalten und hier einen Mischnutzung für Rad- und Fußgänger zu realisieren. Daher sollte sich daraus einstellen, sich bis zum Mülheimer Hauptbahnhof den Radweg mit Fußgängern teilen zu müssen. Auch die aufgestellten Bänke, Blumenkübel und Schilder sollten beachtet werden. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich an diesen Stellen mal ein Unfall passieren wird. Politik ist halt selten an guten Lösungen interessiert und auf Kompromisse gepolt.

Kurz vor dem Mülheimer Hauptbahnhof befindet, sich auch eine Abfahrt vom Radweg, fast bis zum Bahnhofseingang. Das ist eventuell interessant für Radwanderer, die ihre Heimfahrt oder auch ihre Anfahrt zum Radschnellweg mit der Bahn beginnen oder fortsetzen möchten.

RS1 Radschnellweg Bahnhof Mülheim an der Ruhr

Auf den nächsten Kilometern des Radschnellwegs gilt es Strecke zu machen. Der Weg führt parallel zur Bahnstrecke kreuzungsfrei in Richtung Essen, zunächst mit leichter Steigung wird die Strecke mit der Zeit jedoch flacher. Markant ist die Hardenbergbrücke und wenige hundert Meter weiter die Durchfahrt unter der A-40 Brücke, die sich auch durch das monotone Rauschen der kontinuierlich durchrauschenden Kraftfahrzeuge schon aus etwas Entfernung zu erkennen gibt. In Höhe der Autobahnbrücke gibt es übrigens auch eine Zufahrt zum RS1. Hin und wieder kann man auf der linken Seite auch einmal einen Zug vorbeiziehen sehen, je nach Zugtyp immer wieder mit unterschiedlich starken Rattern.

Foto RS1 Radschnellweg A40 Brücke

Auf dem weiteren Weg befindet sich nach einigen hundert Metern auf der rechten Seite eine Zu- und Abfahrt auf den RS1 auf die Geitlingstrasse. Hier könnte man gut parken, wenn man mit Auto und Radträger zur Erkundung des Radwegs anreist.

Wieder einige hundert Meter weiter gibt es eine Zu- und Abfahrt auf der linken Seite. Hier kann man gut abfahren, wenn durch das grüne Winkhausener Tal in Richtung Mülheim- oder Oberhausen-Dümpten möchte.

Foto RS1 Radschnellweg Ausfahrt Hansbergstrasse

Nochmals ein paar hundert Meter weiter, befindet sich dann eine wirklich empfehlenswerte und weiterführende Fahrrad-Abfahrt. Diese führt nämlich auf eine weitere zum Radweg ausgebaute ehemalige Bahntrasse. Dort würde es dann vorbei am  Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ), dem Essener Uniklinikum, der Gruga um dem schönen Essener Stadtteil Rüttenscheid kreuzungsfrei bis zum Ruhrtalradweg in Essen-Steele gehen.

Foto RS1 Radschnellweg Grugaabzweig

Aber zurück zum RS1, in Kürze durchqueren wir einen etwas dunkleren Eisenbahntunnel, um die noch aktiven Bahnverbindung zwischen Essen und Mülheim zu unterqueren. Kurz dahinter am Terrassenfriedhof (links) und einer Kleingartensiedlung (rechts) befinden sich schon wieder Zu- und Abfahrten auf den Radschnellweg.

Wir fahren weiter und unterqueren nach kurzer Strecke schon wieder eine Eisenbrücke, auch hier gibt es rechter Hand wieder eine Abfahrt und meistens steht hier auch ein kleiner Aufsteller, der für einen griechischen Biergarten wirbt. Habe ich aber noch nicht ausprobiert, so dass ich über keine Erfahrung berichten kann.

Etwas weiter gibt es auf der rechten Seite noch einmal eine Zu-/Abführung zum RS1. An dieser Stelle trifft der Radweg „Wasserroute“ auf den Schnellweg. Diese Wasserroute ist ein weiterer Radwanderweg in Essen, der von der Ruhr zwischen Werden und Kettwig meistens entlang kleinerer Bäche zum Rhein-Herne-Kanal führt. Die Beschilderung dieses könnte meiner Meinung nach jedoch einmal aktualisiert werden, da sie z.T. Lücken aufweist.

Aber wieder zurück zum RS1. An der vor uns liegenden Unterquerung der Altendorfer Straße gibt es wieder eine Auf-/Abfahrt (die Wasserroute müsste hier schon wieder links herunter). Hinter der Brücke gibt es nach kurzer Zeit auf der linken Seite im spitzen Winkel einen  schönen Radabzweig in Richtung Essen Borbeck. Auch hier komplett kreuzungsfrei bis zum Stadtteilzentrum Essen-Borbeck mit seiner Dampfbierbrauerei.

Foto RS1 Radschnellweg Abzweig Borbeck

Weiter geht’s auf dem Radweg RS, nach gerade Strecke geht es gleich einmal eine kleine Rampe abwärts (Vorsicht am Ende kreuzen Fußgänger und andere Radfahrer) und wir landen in einem schönen neu erbauten Quartier um den künstlich angelegten Niederfeldsee. Wie man sieht wurde der ehemalige Bahndamm hier abgetragen und dafür eine idyllische Parklandschaft um das neue Wohnquartier geschaffen, die auch zum Verweilen einlädt. In Fahrtrichtung am rechten hinteren Ende befindet sich übrigens ein gemütliches Cafe.

Foto RS1 Radschnellweg Niederfeldsee

Wir überqueren den Niederfeldsee über die Stahlbrücke und folgen dem Weg wieder hoch auf den ehemaligen Bahndamm. Nach der Brücke, die uns über den Straßenverkehr führt befindet auf der rechten Seite schon wieder ein komplett neues kleines Naherholungsgebiet, der Krupp-Park. Wenn wir dem Radweg folgen, geht es abwärts zum See und dann direkt links durch die kleine Unterführung zum Berthold-Beitz Boulevard. Hier gibt es leider noch eine unschöne Unterbrechung des Radschnellwegs, denn wir müssen über die Fuß-/Radfahrerüberwege die Straße kreuzen. Das hätte sicherlich mit einer Brücke eleganter lösen können, zumal das gesamte Gebiet gerade ersten in den letzten Jahren komplett neu über das ehemalige Kruppgelände gestaltet worden ist.

Foto RS1 Radschnellweg Signalanlage

Wie dem auch sei, nach der Überquerung der Straße geht es auf der anderen Seite wieder etwas bergan auf die ehemalige Eisenbahntrasse. Der Wegesrand auf der rechten Seite ist mittelerweile schon ziemlich grün geworden und dahinter befindet sich das würfelartige neue und moderne Headquarter von Thyssenkrupp.

Foto RS1 Radschnellweg

Kurz vor der Überquerung der vielbefahrenen Hans-Böckler-Strasse gibt es linker Hand noch einmal einen Abzweig zu einem Fahrradweg. Geradeaus führt uns der RS am einem Essener Möbelhaus vorbei und anschließend gibt es rechts noch einmal eine Ein- und Ausfahrt, diese sollte man nehmen, wenn man in Richtung IKEA, Kröger oder Conrad möchte. In der Nähe befindet sich übrigens auch eine größeres Fahrradgeschäft.

Weiter auf dem RS1 führt die Brücke über die Segerothstrasse und rechts sehen wir die ebensfalls sehr neue Zentrale der Funke Mediengruppe (z.B. WAZ, NRZ). Auf der linken Seite befindet sich der Essener Campus Universität Essen-Duisburg (hier eher Essen ;-).

Wenige hundert Meter weiter endet das momentan vorhandene Teilstück des Radschnellweges leider nach 12,4 km. Rechts gibt es noch kleines Eiscafe, in dem man gemütlich verweilen bevor es auf den Rückweg geht. Alternativ kann man jedoch auch noch einen kleinen Spaziergang oder eine Shoppingtour durch die Essener Innenstadt machen. Das große Einkaufscenter Limbecker ist nämlich in Sichtweite und das Fahrrad hat den Vorteil, dass man in der Menge seiner Einkäufe begrenzt ist.

Den GPS-Track der Strecke habe ich mit meinem Garmin Navigationsgerät aufgezeichnet und er kann hier unten kostenlos heruntergeladen werden (Rechte Maustaste – Speichern unter…), um ihn auf das eigene Navigationsgerät für die Tour zu speichern.

Download GPS-Track – Radschnellweg RS1 von Mülheim nach Essen