Der UrbnTrl. Oberhausen unterscheidet sich von vielen klassischen Rundwanderungen: Es handelt sich um eine Punkt-zu-Punkt-Tour. Der Start liegt am Oberhausener Hauptbahnhof, das Ziel in der historischen Arbeitersiedlung Eisenheim. Das ist jedoch überhaupt kein Nachteil – im Gegenteil. Beide Punkte sind hervorragend mit Bus und Bahn verbunden (Haltestellen Oberhausen Hauptbahnhof und Oberhausen Eisenheim), sodass man nach der Wanderung bequem wieder zum Ausgangspunkt oder zum eigenen Fahrzeug zurückkehren kann.
Ein ungewöhnlicher Start am Hauptbahnhof
Schon der Beginn der Tour hält eine kleine Überraschung bereit. Bevor es überhaupt richtig losgeht, lohnt sich ein Abstecher zu den Gleisen 4 und 5. Hier befand sich einst der Postbahnanschluss des Hauptbahnhofs. Nach dem Rückbau entstand an dieser Stelle ein frei zugänglicher Museumsbahnsteig des LVR-Industriemuseums. Zwischen alten Schienenfahrzeugen und Relikten der Schwerindustrie bekommt man bereits einen ersten Eindruck von der industriellen Vergangenheit Oberhausens.
Durch den Haupteingang des Bahnhofs führt der Weg zunächst vorbei am Berliner Park in den blütenreichen Grillopark. Von hier eröffnet sich einer der schönsten Blicke auf das Oberhausener Rathaus. Das markante Gebäude verbindet Elemente des Backsteinexpressionismus mit dem Stil des Neuen Bauens. Gemeinsam mit den großzügigen Freitreppen, Terrassen und dem Park bildet es eines der eindrucksvollsten städtebaulichen Ensembles der Stadt.
Vom Stadtzentrum ins Grüne
Vorbei am denkmalgeschützten Ebertbad und dem Theater Oberhausen nähert sich die Route zunächst der vielbefahrenen Mülheimer Straße (B223). Kaum ist diese überquert, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Der urbane Charakter weicht immer mehr grünen Wegen, kleinen Parks und Kleingartenanlagen.
Unterwegs passiert man die Oberhausener Feuerwache und erreicht den Brücktorpark. Dort stößt man auf ein Stück fast vergessener Industriegeschichte: die Henkelmannbrücke. Zur Mittagszeit ließen hier früher die Frauen der Stahlarbeiter das Essen in sogenannten Henkelmännern – typischen Blechbehältern – an Seilen zu ihren Männern hinab. Eine einfache, aber eindrucksvolle Geschichte aus der Zeit der Hochindustrie.
Monte Schlacko – der höchste Punkt Oberhausens
Durch eine typisch ruhrgebietliche Kleingartenanlage erreicht man schließlich die Knappenhalde. Im Volksmund trägt sie den treffenden Spitznamen „Monte Schlacko“. Mit 102 Metern über NHN und rund 55 Metern über dem umliegenden Gelände ist sie die höchste Erhebung Oberhausens.
Der ausgeschilderte Urban Trail führt nicht bis ganz auf den Gipfel. Ich würde den kleinen Umweg jedoch unbedingt empfehlen. Auf der Spitze steht ein 15 Meter hoher Aussichtsturm, von dem sich ein großartiger Rundumblick über das westliche Ruhrgebiet eröffnet. Bei klarer Sicht erkennt man unter anderem den Gasometer, das CentrO und zahlreiche weitere Halden.
Auch die Entstehung der Halde erzählt Ruhrgebietsgeschichte: Sie besteht aus Abraum der ehemaligen Zeche Oberhausen, Hochofenschlacke der Gutehoffnungshütte und Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Fuß der Halde lohnt außerdem ein Blick auf einige ungewöhnliche Kunstwerke, die unter Namen wie Industrietempel oder Eisenschaffende Industrie bekannt sind.
Auf den Spuren der Zeche Oberhausen
Von der Halde führt der Weg über das Gelände der ehemaligen Zeche Oberhausen. Das heutige Resonanzwerk war einst eine Werkstatt der Zeche, während das Hostel Veritas im früheren Pförtnerhaus untergebracht ist.
Anschließend folgt die Route der ehemaligen HOAG-Bahntrasse. Wo früher Güterzüge unterwegs waren, verläuft heute ein ruhiger Rad- und Wanderweg durch überraschend viel Grün. Entlang des renaturierten Läppkes Mühlenbachs erreicht man schließlich das Besucherzentrum Haus Ripshorst.
Hier bietet sich eine ideale Gelegenheit für eine Pause. Im Café kann man einen Kaffee oder kleinen Snack genießen. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte auch einen Blick in die Ausstellung werfen oder den Bauerngarten und den Lehrbienenstand im Außenbereich besuchen.
Zauberlehrling, Marina und Rhein-Herne-Kanal
Nur wenige Minuten später wartet eines der bekanntesten Fotomotive der Region: der tanzende Strommast „Zauberlehrling“ der Berliner Künstlergruppe inges idee. Der scheinbar zum Leben erwachte Hochspannungsstrommast gehört zu den ungewöhnlichsten Kunstwerken des Ruhrgebiets.
Von dort folgt der Urban Trail dem Rhein-Herne-Kanal bis zur Marina Oberhausen. Vorbei am Sea Life führt die markante Tausendfüßlerbrücke auf die andere Kanal- und Autobahnseite. Mit Blick auf den Gasometer gehört dieser Abschnitt zweifellos zu den schönsten der gesamten Wanderung.
Durch das ehemalige Klärbecken in den OLGA-Park
Anschließend gelangt man über das ehemalige Klärbecken der Zeche Osterfeld in den OLGA-Park. Der Weg mitten durch das riesige Becken bietet eine außergewöhnliche Perspektive und ist ein beliebtes Fotomotiv.
Der Park selbst entstand auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Osterfeld und verbindet Industriekultur mit großzügigen Grünflächen. Am gegenüberliegenden Eingang ist noch das Fördergerüst erhalten geblieben. Ein kurzer Abstecher lohnt sich ebenfalls, denn von dort ergibt sich eine beeindruckende Sichtachse auf die ehemalige Kohlenmischhalle mit ihrem markanten achteckigen Pyramidendach.
Auch der 16 Meter hohe Aussichtsturm des Parks bietet noch einmal einen weiten Blick über Oberhausen.
Ziel: Die historische Siedlung Eisenheim
Nach dem Verlassen des OLGA-Parks führt der Weg zurück in bewohntes Stadtgebiet. Vorbei am Katholischen Jugendwerk und einer benachbarten Moschee erreicht man schließlich die Siedlung Eisenheim.
Sie gilt als älteste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets und war zugleich die erste Arbeitersiedlung Deutschlands, die vollständig unter Denkmalschutz gestellt wurde. Zahlreiche Informationstafeln erzählen ihre Geschichte. Zwischen den liebevoll restaurierten Häusern fühlt man sich fast wie auf einer kleinen Zeitreise in die Anfänge der Industrialisierung.
Ein besonderer Abschluss
Bevor die Wanderung an der Haltestelle Eisenheim endet, lohnt sich noch ein letzter kurzer Abstecher zur Ecke Eisenheimer Straße/Wesselkampstraße. Dort befindet sich der Blaue Turm der vielen Bücher mit dem Garten der Dichter, auch Tonino-Guerra-Park genannt.
Das außergewöhnliche Gebäude beherbergt die Bibliothek und Arbeitsräume des Autorenehepaars Roland und Janne Günter. Der Garten wurde vom Künstler Herman Prigann gestaltet und bildet einen ebenso ungewöhnlichen wie stimmungsvollen Abschluss dieser abwechslungsreichen Wanderung.
Fazit
Der Urban Trail Oberhausen zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das Ruhrgebiet sein kann. Auf kaum einer anderen Wanderung wechseln sich Industriekultur, Halden, historische Arbeitersiedlungen, Parks, Bahntrassen, Kanäle und moderne Freizeitlandschaften so harmonisch ab. Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz der Tour aus. Im Vergleich zu den anderen Trails führt der Weg an wenigen Einkehrmöglichkeiten vorbei, es sei denn man baut noch einen kleinen Umweg zum Oberhausener CentrO ein, wo es wirklich alles gibt, was man sich wünschen könnte. Die gut 11 km haben wir sehr gut, inklusiver kleiner Umwege und einer Pause, in etwa 3 Stunden absolviert.
Wer Oberhausen einmal abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten entdecken möchte, findet hier eine Wanderung, die Geschichte, Natur und Strukturwandel auf besonders abwechslungsreiche Weise miteinander verbindet.




