Urban Trail Duisburg: Zwischen Kaiserberg, Hafen und moderner Kunst

Der Urban Trail Duisburg ist mit 11,8 Kilometern wieder einmal ein klassischer Rundweg. Damit könnte man theoretisch an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Für mich war der Duisburger Hauptbahnhof als Startpunkt aber die naheliegende Wahl – genauer gesagt der Ostausgang. So lässt sich die Tour bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Auch diesmal habe ich vorsichtshalber den GPS-Track von der RuhrTourismus Webseite auf mein Wander-GPS geladen. Die gelben Markierungen waren zwar auf dem überwiegenden Teil der Strecke vorhanden, allerdings hatte ich den Eindruck, dass dies Mitte August 2025 nicht durchgängig der Fall war. Besonders am Kaiserberg und später in der Innenstadt habe ich mich deshalb am Track orientiert.

Vom Hauptbahnhof direkt ins Grüne

Kaum hat man den Bahnhof verlassen, geht es durch eine Unterführung unter der Mülheimer Straße. Und dann passiert etwas, das man bei einer Wanderung, die direkt am Duisburger Hauptbahnhof beginnt, vielleicht nicht unbedingt erwartet: Plötzlich steht man im Goerdeler Park und hat das Gefühl, im Grünen angekommen zu sein. Das geschäftige Bahnhofsumfeld ist innerhalb weniger Minuten verschwunden.

Foto Goerdeler Park
Direkt im Goerdeler Park wird ruhiger

Besonders angenehm finde ich die anschließende Wegführung durch schmale Grünstreifen zwischen den Wohnhäusern. Gerade an heißen Sommertagen entsteht hier ein überraschend angenehmes Mikroklima. Danach geht es noch einmal kurz entlang der Mülheimer Straße. Hier fällt neben einem großen Tauben-Mural auch ein ungewöhnlicher Glasbau auf, der 1993 nach einem Entwurf des renommierten Londoner Architekten Norman Foster fertiggestellt wurde.

Forster Bau
Das Glashaus von Sir Norman Forster

Über die Moltkestraße mit kleinen Geschäften und sogar einem Vinylplatten-Laden erreichen wir anschließend wieder die parkähnliche Königsberger Allee, die uns in Richtung Kaiserberg führt. Unterwegs können wir bei der Überquerung der Zieglerstrasse noch rechterhand die ungewöhnlich sicher Bunkerbude (=Kiosk) erspähen.

Bunkerbude
Die gut getarnte Bunkerbude

Auf den Kaiserberg

Die Bebauung wird zunehmend großzügiger, schöne Villen und größere Grundstücke säumen den Weg. Und tatsächlich: Duisburg kann auch bergig! Dann verschwindet die Straße und der Trail führt in das Waldgebiet. Besonders spannend ist hier eine etwas verwittert wirkende künstliche Grotte. Sie war einst Teil eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit künstlichem Wasserfall und wirkt heute wie ein kleines, vergessenes Relikt aus einer anderen Zeit.

Grotte
Die geheimnisvolle Grotte

Weiter geht es vorbei an einem kleinen Teich und anschließend weiter zum Ehrenfriedhof und der Kriegsgräberstätte Kaiserberg des ersten Weltkrieges. Danach führt der Weg am Rand des Duisburger Zoos entlang zu einer weiten Wiese und dann wieder in den Wald.

Foto Ehrenfriedhof
Blick auf den Ehrenfriedhof

Ganz verschwunden ist die Stadt allerdings nicht: Aus der Entfernung ist ständig das Rauschen der Autobahnen A3 und A40 zu hören. Schließlich liegt der Kaiserberg genau am berühmten Autobahnkreuz, dessen früherer „Spaghetti-Knoten“ derzeit umgebaut wird. Natur und die „Lebensadern“ des Ruhrgebietes liegen hier buchstäblich direkt nebeneinander.

Kartenausschnitt Autobahnkreuz Kaiserberg
Der Spaghetti-Knoten – Quelle: openstreetmap.org

Ein schöner Höhepunkt ist der Aussichtspunkt Schnabelhuck. Der Name soll daher kommen, dass der nördliche Ausläufer des Kaiserbergs an einen Entenschnabel erinnert. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Landschaftspark Duisburg-Nord und zu den dahinter liegenden Hochöfen von Thyssenkrupp. Ein guter Platz für eine kleine Verschnaufpause!

Ausblick vom Schnabelhuck
Ausblick vom Schnabelhuck

Schrebergärten und ein überraschender Weg zum Innenhafen

Nach dem Abstieg wird es wieder deutlich urbaner. Vorbei an der Duisburger Hauptfeuerwache – offenbar ein wiederkehrendes Motiv bei den Urban Trails – geht es durch ein Wohngebiet. Hier lohnt es sich, die Augen offen zu halten: kleine Kunstwerke, ein Windspiel und sogar ein öffentlicher Bücherschrank tauchen am Wegesrand auf.

Anschließend wechseln wir erneut ins Grüne und laufen durch eine lange Verbindung zwischen Kleingartenanlagen und Sportplätzen. Das eigentliche Schrebergartenleben bekommt man hier zwar nur am Rande mit, dafür gibt es eine kleine Kuriosität zu entdecken: eine Wanderhütte des Sauerländischen Gebirgsvereins mitten in Duisburg.

Dann geht es durch ein kleines Brachland – und plötzlich liegt der Duisburger Innenhafen vor uns.

Industriekultur am Wasser

Schon von weitem fällt die große Autobahnbrücke ins Auge, dahinter die markante Küppersmühle. Die Brücke überspannt den Hafen auf einer Länge von 1.824 Metern und gehört damit zu den längsten Straßenbrücken Deutschlands. Gleichzeitig befindet sie sich inzwischen im Neubau.

Unter der Brücke gibt es noch eine kleine Überraschung: Auf ihren Pfeilern befinden sich zahlreiche Graffiti, die im Rahmen eines Projekts der Bürgerstiftung Duisburg zum Thema „Heimat“ entstanden sind. Die dazugehörigen QR-Codes funktionieren inzwischen allerdings offenbar nicht mehr.

Heimat = Currywurst, by @foxy_lair76

Und dann sind wir endgültig am Innenhafen angekommen. Die Küppersmühle ist dabei kaum zu übersehen. Aus einem ehemaligen Mühlen- und Speichergebäude entstand nach den Plänen der Baseler Architekten Herzog & de Meuron ein beeindruckendes Museum für moderne Kunst. Schon allein die Architektur ist einen genaueren Blick wert.

Blick auf den Innenhafen
Blick auf den Innenhafen

Entlang des Hafenbeckens treffen historische Kräne auf Restaurants, moderne Architektur und die sorgfältig restaurierten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit. Besonders interessant ist der Garten der Erinnerung, in dem Relikte der früheren Hafennutzung in eine begehbare Park- und Kunstlandschaft integriert wurden.

Ausblick Innenhafen
A room with a view – im Innenhafen

Durch die Duisburger Innenstadt

Vom Innenhafen führt der Trail anschließend mitten hinein in die Stadtgeschichte. Wir passieren Teile der alten Stadtmauer, das Kultur- und Stadthistorische Museum mit seinen auffälligen weißen Kokillen und schließlich die imposante Salvatorkirche.

Steinmann am Rathaus Duisburg
Steinmann am Rathaus Duisburg

Auch das Rathaus und die archäologischen Überreste des Alten Marktes liegen direkt am Weg. Bei meiner Wanderung war allerdings der Durchgang durch den reich verzierten Rathausbogen gesperrt. Also ging es außen herum und dann wieder nach links zum Burgplatz.

Danach wird es richtig städtisch. Durch die Fußgängerzone führt der Trail vorbei an zahlreichen Cafés und Restaurants. Hier verlor ich allerdings zeitweise die gelben Markierungen und orientierte mich wieder am GPS-Track.

Kögalerie - Duisburg
Shopping-Zone

Für eine Pause bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten an – darunter das vegetarisch-vegane Zora oder das Traditionscafé Dobbelstein. Letzteres hat für mich sogar eine persönliche Geschichte: Schon meine Großmutter machte bei ihren Stadtbesuchen hier früher gerne eine kleine Pause.

Kunst zum Abschluss

Über den Dellplatz, einen wichtigen kulturellen Treffpunkt Duisburgs, geht es weiter zum Lehmbruck Museum. Das renommierte Museum für moderne und internationale Skulptur liegt mitten im Immanuel-Kant-Park. Auch außerhalb des Museumsgebäudes gibt es zahlreiche Skulpturen frei zugänglich im Park zu entdecken – ein kleiner zusätzlicher Rundgang lohnt sich daher unbedingt.

Dellplatz
Dellplatz

Direkt gegenüber beziehungsweise am Weg liegt außerdem die Cubus Kunsthalle, die zeitgenössische und häufig auch lokale Kunst zeigt. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten informieren.

Kurz vor dem Ziel wartet noch ein weiteres Museum, das ich bei dieser Wanderung selbst zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe: das Museum DKM mit seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst. Vielleicht ein guter Grund, noch einmal nach Duisburg zurückzukehren.

Und dann ist der Hauptbahnhof schon wieder erreicht. Gegenüber steht mit dem Goldenen Anker noch ein passender Abschluss: Der 9,5 Meter hohe Brunnen von Zoltan Szekessy symbolisiert die Verbindung Duisburgs zur Schifffahrt und zum Hafen.

Mein Fazit

Der Duisburger Urban Trail hat mich positiv überrascht. Auf der Karte hatte ich zunächst eine ziemlich städtische Wanderung erwartet. Tatsächlich führt die Route aber erstaunlich geschickt durch Parks, Grünstreifen und den Wald des Kaiserbergs, bevor sie wieder mitten in die Stadt und anschließend zum Innenhafen führt.

Gerade dieser Wechsel macht für mich den Reiz aus: Natur, Stadt, Industriekultur, Hafen und Kunst liegen hier teilweise nur wenige Minuten voneinander entfernt. Besonders der Innenhafen macht Spaß – am Wasser entlangzulaufen und dabei die erhaltenen und restaurierten Spuren der industriellen Vergangenheit zu entdecken, ist immer wieder reizvoll.

Für die angegebenen 11,8 Kilometer habe ich ohne längere Pausen ziemlich genau drei Stunden benötigt. Wer die Tour mit einem kleinen Duisburg-Städtetrip verbinden möchte, kann problemlos zwei oder drei längere Besichtigungsstopps einplanen.

Mein Fazit: eine sehr abwechslungsreiche Urban-Trail-Runde und aus meiner Sicht definitiv eine Empfehlung für alle, die das Ruhrgebiet einmal abseits der klassischen Industriemotive entdecken möchten.

Link: Urban.Trail – Duisburgs Kunst.Weg bei der RuhrTourismus GmbH

Speed-Streetart Hunting in Düsseldorf

Ich hatte nur eine Stunde Zeit, aber eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ich sehen wollte: Einige Street-Art-Werke, die mir bei meinen Zugfahrten rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof immer wieder aufgefallen waren.

Also bin ich vom Hauptbahnhof einfach zu Fuß auf den Gehwegen möglichst nah an den Gleisen entlang in Richtung Flughafen gelaufen. Und tatsächlich: Ich stieß auf eine beeindruckende Sammlung großformatiger Street-Art-Werke. Die meisten entstanden bereits vor rund sieben Jahren im Rahmen des 40 Grad Urban Art Festivals 2019.

Einige meiner Entdeckungen möchte ich hier zeigen:

Mural by BONA Berlin
by BONA Berlin
Eisbär Mural von Coky One
by Coky One
Mural by by PIKO626
by PIKO626

Urban Trail Dortmund – Street Art, Industriekultur und die vielen Gesichter der Ruhrmetropole

Für den Urban Trail Dortmund habe ich mich wieder auf den GPS-Track von der offiziellen Webseite verlassen. Nach meinen Erfahrungen mit den teilweise noch fehlenden Markierungen bei den Trails in Gelsenkirchen und Hagen erschien mir das sinnvoll. Und tatsächlich: Auch in Dortmund waren die gelben Markierungszeichen nicht durchgehend vorhanden. Auf einigen Abschnitten waren sie gut zu erkennen, auf anderen fehlten sie jedoch. Ob die Markierung noch nicht komplett angebracht war oder der GPS-Track teilweise leicht von der ausgeschilderten Route abweicht, konnte ich nicht feststellen. Mit dem GPS-Track war die Orientierung jedenfalls problemlos.

Ich bin am Dortmunder Hauptbahnhof gestartet und die Runde im Uhrzeigersinn gelaufen. Höhenmeter spielen bei dieser Tour praktisch keine Rolle. Dafür bekommt man einen ziemlich intensiven Eindruck von der Stadt – und insbesondere von den Veränderungen, die der Strukturwandel in Dortmund hinterlassen hat.

Auftakt am Dortmunder U

Vom Hauptbahnhof führt der Trail zunächst in Richtung des Dortmunder U, das sich längst zu einer der bekanntesten Landmarken der Stadt entwickelt hat.

Direkt an der Rückseite des markanten Gebäudes wartet bereits ein erstes Highlight für Street-Art-Fans: eine große Hall of Fame, an der Graffiti- und Street-Art-Künstler legal ihre Werke anbringen können. Der große Vorteil gegenüber illegalem Sprühen: Hier haben die Künstler Zeit, ihre Motive sorgfältig und aufwendig umzusetzen. Entsprechend beeindruckend sind viele der entstandenen Werke.

Ein kleiner Tipp am Rande: Wer am Ende der Hall of Fame kurz nach links schaut, entdeckt auch an den gegenüberliegenden Häusern einige große Murals. Sie liegen allerdings nicht direkt auf der offiziellen Trailroute.

Durch das Unionviertel

Nach dem Überqueren der Unionstraße geht es zunächst entlang eines längeren Wohnblocks, durch einige Höfe und einen kleinen Grünstreifen mitten im Stadtgebiet.

Dann erreichen wir das Unionviertel.

Das Quartier war lange Zeit stark vom Strukturwandel und damit verbundenem Leerstand geprägt. Inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt. Wo früher Leerstände dominierten, findet man heute ein lebendiges und kreatives Stadtviertel.

Mural by Alice von 2016
Mural by Alice von 2016

Auch Street Art gehört inzwischen ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt immer wieder interessante Wandbilder und kleinere künstlerische Interventionen.

Der Westpark – grüne Oase mitten in der Stadt

Nach dem ersten urbanen Abschnitt geht es plötzlich ins Grüne.

Der Westpark ist trotz seiner Lage mitten in Dortmund eine erstaunlich ruhige Oase. Große Rasenflächen, alte Bäume und viel Platz machen ihn zu einem beliebten Erholungs- und Freizeitort.

Im Sommer finden hier regelmäßig Veranstaltungen statt. Besonders bekannt sind die Flohmärkte, die noch angenehm „old school“ daherkommen: wenig Neuwaren, dafür jede Menge Gebrauchtes, Kurioses und Überraschungen. Auch die Zahl der klassischen Imbissstände hält sich erfreulich in Grenzen.

Mein Tipp: Vor der Wanderung lohnt sich ein Blick in den Veranstaltungskalender des Westparks. Vielleicht lässt sich die Tour ja mit einer Veranstaltung verbinden.

Nach einem kurzen Abstecher in das angrenzende Stadtgebiet mit seinen Cafés und Restaurants führt der Trail noch einmal durch den Westpark und anschließend wieder mitten hinein ins Unionviertel.

Hier wartet auch eine kleine Überraschung: Der Weg führt durch einen unscheinbaren Hinterhof, in dem sich zahlreiche gesprühte Bilder entdecken lassen. Ein schönes Beispiel dafür, dass man bei einem Urban Trail immer wieder den Blick in Nebenstraßen und Hinterhöfe richten sollte.

Wenn Dortmund plötzlich rau wird

Nach der Überquerung der vielbefahrenen Rheinischen Straße verändert sich die Atmosphäre erneut.

Jetzt geht es in Richtung der industriellen Relikte Dortmunds – oder, etwas moderner ausgedrückt: Lost Places.

Direkt hinter den Bahngleisen führt der Weg rechts hinunter auf die Alte Radstraße. Alte, verwitterte Industriegebäude, rostige Unterführungen und überwucherte Flächen bestimmen nun das Bild.

Lost place
Lost place – überwucherte Industriehallen

Ich bin die Strecke an einem Samstagnachmittag gelaufen – und auf den nächsten Kilometern ist mir tatsächlich kein einziger anderer Mensch begegnet.

Inmitten dieser Kulisse kann dadurch durchaus ein etwas beklemmendes Gefühl entstehen. Obwohl überall Grün wächst, ist deutlich zu spüren, dass man sich hier in einem sich transformierenden Industrie- und Gewerbegebiet bewegt.

Licht am Ende des Tunnels
Licht am Ende des Tunnels

Lange Geraden führen uns schließlich in Richtung Hafen.

Dortmunds Hafen – Industrie trifft Moderne

Nach der Unterquerung der Mallinckrodtstraße fällt zunächst eine ungewöhnlich schwungvoll gestaltete Fahrradrampe ins Auge. Wir müssen sie allerdings nicht hinaufgehen, sondern bleiben auf dem unteren Weg.

Gewundene Rampe
Gewundene Rampe

Nach einer weiteren langen Gerade erreichen wir bald die Speicherstraße. Zunächst geht es jedoch noch über eine Brücke geht über die Bahngleise. Dabei bietet sich ein besonders schöner Blick auf das Alte Hafenamt.

Das alte Hafenamt
Das alte Hafenamt

Anschließend geht es über eine Treppe hinunter zur kleinen Promenade am Stadthafen.

Hier zeigt sich Dortmund wieder von einer ganz anderen Seite: Wasser, alte Speichergebäude, moderne Nutzungen und industrielle Relikte bilden ein ziemlich interessantes Stadtbild.

Entlang der Speicherstraße wechseln sich historische Gebäude mit neueren Nutzungen ab. Auch die hier ansässigen Unternehmen sind entsprechend vielfältig. Am Ende der Straße wartet erneut ein kleines Street-Art-Highlight.

Ein kleiner Umweg für Street-Art-Fans

Nach dem ehemaligen Kranbahngelände würde die offizielle Route über die Bülowstraße in eine Kleingartenanlage führen.

Ich bin an dieser Stelle allerdings von der offiziellen Wegführung abgewichen und stattdessen über das damals offenbar problemlos zugängliche, verlassene Gelände weitergelaufen.

Graffiti Wall auf dem verlassenen Hafengelände
Graffiti Wall auf dem verlassenen Hafengelände

Wichtig: Das war mein persönlicher Eindruck zum Zeitpunkt meiner Wanderung und ist keine Empfehlung, ggf. abgesperrte oder nicht öffentlich zugängliche Flächen zu betreten.

Der Grund für meinen kleinen Umweg war eine weitere lange legale Graffiti-Wand entlang der östlichen Seite des Geländes. Hier finden sich zahlreiche aufwendig gestaltete Werke von Sprayern aus der regionalen Street-Art-Szene.

Für mich hat sich der kleine Umweg definitiv gelohnt. Wer sich für Graffiti interessiert, sollte diesen Bereich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

Endlich wieder Natur: der Fredenbaumpark

Nach dem industriell geprägten Abschnitt tut das Grün des Fredenbaumparks richtig gut.

Durch den dichten Baumbestand fühlt es sich stellenweise fast so an, als würde man durch einen Wald laufen. Der Trail führt auf verschlungenen Wegen rund um den Fredenbaumteich, an dem unter anderem Tret- und Ruderboote ausgeliehen werden können.

Blick auf den Teich im Fredenbergpark
Blick auf den Teich im Fredenbergpark

Anschließend geht es in Richtung Naturmuseum Dortmund.

Ein praktischer Hinweis für Kulturinteressierte: Der Eintritt in die Dauerausstellung war bei meiner Wanderung im Juni 2026 kostenlos. Das kann sich natürlich ändern, daher lohnt sich vor einem geplanten Besuch ein kurzer Blick auf die aktuellen Informationen.

Nach dem Museum führt der Trail noch ein Stück durch den Park, bevor wir am Fredenbaumplatz wieder auf stärker bebautes Gebiet treffen. Der Platz wird regelmäßig für Veranstaltungen genutzt und gelegentlich macht auch ein Zirkus hier Station.

Durch die Nordstadt zurück zum Hauptbahnhof

Ab jetzt wird die Umgebung wieder deutlich urbaner.

Der Trail führt geschickt durch verschiedene Grünbereiche und über quirlige Straßen mit Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften zurück in Richtung Innenstadt.

Gerade dieser letzte Abschnitt macht noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Dortmunder Stadtteile sind. Von der Industriebrache über kreative Quartiere und den Hafen bis hin zu dicht besiedelten Straßen liegen auf dieser Wanderung teilweise nur wenige Kilometer.

Schließlich schließt sich die Runde wieder am Dortmunder Hauptbahnhof.

Fazit: Dortmund im Schnelldurchlauf

Der Urban Trail Dortmund hat für mich unter den bisherigen Ruhrgebiets-Trails eindeutig einen der höchsten Stadtanteile.

Wer eine Wanderung durch möglichst viel Natur sucht, ist hier eher falsch. Wer dagegen erleben möchte, wie vielfältig eine Ruhrgebietsstadt sein kann, bekommt eine ausgesprochen interessante Tour.

Man bekommt einen guten Eindruck von unterschiedlichen Dortmunder Vierteln und erlebt den Strukturwandel direkt vor Ort: aufwendig sanierte und neu genutzte Industriegebäude stehen neben verfallenen Brachen, kreative Quartiere neben traditionellen Wohnvierteln und moderne Entwicklungen neben den Relikten der industriellen Vergangenheit.

Mit dem Dortmunder U, dem Alten Hafenamt, dem Unionviertel, dem Westpark, Teilen der Nordstadt und dem Fredenbaumpark liegen außerdem einige Orte auf der Route, die für die unterschiedlichen Facetten Dortmunds geradezu exemplarisch sind.

Dazu kommen jede Menge Street Art und Graffiti. Wer aufmerksam unterwegs ist, kann dabei noch deutlich mehr entdecken, als die eigentliche Trailroute verspricht.

Höhenmeter? Praktisch keine. Abwechslung? Dafür jede Menge.

Für mich ist der Dortmunder Urban Trail deshalb vor allem eine gute Möglichkeit, Dortmund einmal nicht nur als Ausgangspunkt für eine Wanderung, sondern selbst als Wanderziel zu entdecken.

Link: Beschreibung der Tour mit GPS-Track und komoot-Link der RuhrTourismus GmbH.

Rhein – Bildvergleich Pegelstände auf Höhe Duisburg

Der Niedrigwasserstand im Rhein bei Duisburg bzw. im Duisburger Hafen hat mich gestern stark beeindruckt. Als regelmäßiger Besucher dieses Areals habe im Lauf der Zeit auch einige Fotos an ziemlich den gleichen Orten mit ähnlichen Perspektiven aufgenommen. Um die verschiedenen Wasserstände zu vergleichen, möchte ich an dieser Stelle zwei Positionen vergleichen. Zur Einordnung, laut dem dem Informationssystem ELWIS liegt der Mittelwert der Wasserstände am Pegel Ruhrort in einer Zeitspanne vom 01.11.2010 bis 31.10.2020 bei 394 cm.

Zunächst einmal drei Fotos vom Pontwert mit Blick auf den Pegel Ruhrort/Echo des Poseidon, zunächst Niedrigwasser, dann annähernd Durchschnitt gefolgt von Hochwasser :

Niedrigwasser - Rekordtief am 16.8.26 bei Pegelstand 129 cm
Niedrigwasser – Rekordtief am 16.8.26 bei Pegelstand 129 cm
30.4.23 Pegel Ruhrort bei 426 cm
30.4.23 Pegel Ruhrort bei 426 cm
Blick am Pegel Ruhrort vom 28.1.24 bei einem Pegelstand von 690 cm
Blick am Pegel Ruhrort vom 28.1.24 bei einem Pegelstand von 690 cm

Als zweiten Bildvergleich die Situation am Rheinorange, ebenfalls von der Pontwert Insel aufgenommen. Auch hier wieder zuerst der Niedrigwasserstand am 16.8.2026 im Vergleich zu annähernd Durschnitt und Hochwasserstand.

Niedrigwasser - Blick auf Rheinorange von Pontwert Insel
Niedrigwasser – Blick auf Rheinorange von Pontwert Insel
Etwas über Durchschnitt - Blick auf Rheinorange von Pontwert Insel
Etwas über Durchschnitt – Blick auf Rheinorange von Pontwert Insel
Hochwasser - Blick auf Rheinorange von Pontwert Insel
Hochwasser – Blick auf Rheinorange von Pontwert Insel

Für mehr Eindrücke des Niedrigwasser im Duisburger Hafen habe ich am 16.8.2026 diese Video auf YouTube hochgeladen.

Neuer Niedrigwasserstand in Duisburg Ruhrort

Da der Pegel des Rhein weiter kontinuierlich gefallen ist wurde jetzt mit 130 cm am Pegel Duisburg Ruhrort ein neuer Niedrigwert erreicht. Im dem ELWIS System wird für Duisburg Ruhrort zwar immer noch 153 cm als niedrigster bekannter Wasserstand mit Datum vom 23.10.2018 angegeben, doch wahrscheinlich werden diese statistischen Daten nur unregelmäßig in aktualisiert. An verschiedenen Orten im Hafen Duisburg Ruhrort habe am 16.8.2026 einige Videoaufnahmen zur Dokumentation des niedrigen Rheinpegels erstellt und in diesem Video zusammengeschnitten. Am Ende gibt es auch noch ein paar Aufnahmen vom 14.8.26 aus dem Innenhafen Duisburg, an diesem Tag lag der Pegel Ruhrort auch schon bei 130 cm.

Street Art Bochum – August 2026

Während der Wanderung auf dem Urban Trail in Bochum in der letzten Woche habe ich auch noch rechts und links nach Street Art und Graffiti in der Bochumer Innenstadt Ausschau gehalten. Nach der Tour ging es dann auch noch einmal kurz zur Ruhruniversität Bochum, um sehen welche Werke dort aktuell an den einschlägigen Stellen zu bestaunen sind. Die Sichtungen habe ich zur Dokumentation und ohne Kommentar in dem Video unten festgehalten, viele Pieces sind von Denis Klatt und Norbert 3000.

Der Wasserturm Wesel – Aussicht, Architektur und ein besonderer Dritter Ort

Manchmal entdeckt man Sehenswürdigkeiten genau dort, wo man sie überhaupt nicht erwartet.

Wasserturm – von unten nach oben

Der Wasserturm in der Weseler Innenstadt ist zwar ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt, mir war er bis vor Kurzem allerdings völlig unbekannt. Zum ersten Mal gehört habe ich von ihm beim diesjährigen Guten Morgen Festival der GLS Bank in Bochum. Dort wurde der Wasserturm an einem Stand als Beispiel für das Förderprogramm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen vorgestellt.

Dritter Ort – Kultur. Begegnung. Mitmachen.

Das machte mich neugierig. Also nahm ich mir vor: Wenn ich das nächste Mal in Wesel bin, schaue ich mir diesen ungewöhnlichen Ort einmal selbst an.

Ein etwas ungewöhnlicher erster Besuch

Gesagt, getan.

Allerdings hätte mein erster Besuch fast mit einem Rundgang um den Wasserturm geendet.

Ich fand den Eingang zunächst nicht und lief deshalb erst einmal durch die engen Straßen rund um das Gebäude. Irgendwie kam mir die Stelle des Zugangs sehr verdächtig bekannt vor – und ich stellte fest, dass ich den Turm ziemlich genau einmal umrundet hatte.

Wasserturm Wesel – von außen zylindrisch – innen konisch

Nun gut. So hatte ich zumindest schon einmal einen guten ersten Eindruck von dem markanten Bauwerk gewonnen.

Beim zweiten Anlauf entdeckte ich dann auch den Eingang. Und der war ausgesprochen einladend.

Ich wurde freundlich begrüßt und direkt eingeladen, mir die aktuelle Fotoausstellung anzusehen und anschließend auf eigene Faust bis zur Aussichtsplattform auf der Turmspitze hinaufzusteigen. Außerdem bekam ich vom freundlichen „Turmwächter“ 😉 noch eine kurze Einführung in die Geschichte des Gebäudes.

Der Wasserturm als Ausstellungsraum

Mehr als nur ein Wasserturm

Was den Weseler Wasserturm heute besonders interessant macht, ist allerdings nicht allein seine Architektur oder die Aussicht.

Seit April 2024 ist er ein „Dritter Ort“.

Der Begriff klingt zunächst etwas abstrakt. Gemeint sind damit Räume, die neben den klassischen Lebensorten Zuhause und Arbeitsplatz entstehen. Sie sollen offen sein für Begegnung, Kultur, Bildung und Austausch.

Ein wichtiger Gedanke dabei: In einem solchen Dritten Ort soll es keinen Konsumzwang geben. Man muss also nicht erst etwas kaufen, um sich dort aufhalten zu dürfen – anders als beispielsweise im Café oder Restaurant.

Im Wasserturm wird dieses Konzept ziemlich vielfältig mit Leben gefüllt. Angeboten werden unter anderem Kreativtreffs, Smartphone-Kurse, Vorträge zu Gesundheitsthemen, Mitbring-Frühstücke, Lesungen und Musikveranstaltungen.

Ich finde das Konzept tatsächlich ziemlich spannend. Gerade in einer Zeit, in der viele Begegnungen zunehmend digital stattfinden, braucht es Orte, an denen Menschen einfach zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam etwas erleben können.

Und ein ehemaliger Wasserturm ist dafür natürlich eine ziemlich ungewöhnliche Kulisse.

Zwei Türme in einem

Auch architektonisch lohnt sich der Besuch.

Denn genau genommen besteht der Weseler Wasserturm aus zwei Türmen.

Der ursprüngliche, konisch zulaufende Turm wurde bereits 1886 errichtet. Rund 50 Jahre später erhielt er eine zusätzliche Außenummantelung. Aus dem ursprünglichen konischen Bau wurde dadurch äußerlich der heute prägende zylindrische Turm.

links zylindrischer Turm – rechts konischer Turm

Warum man diesen ungewöhnlichen Umbau vorgenommen hat, ist nicht endgültig geklärt. Eine interessante Theorie sieht einen Zusammenhang mit dem zunehmenden Einfluss des Bauhaus und der modernen Architektur in den 1920er Jahren. Möglicherweise erschien der ursprüngliche Turm inzwischen zu altmodisch und sollte optisch an die neue Zeit angepasst werden.

So entstand ein durchaus ungewöhnliches Ergebnis: Ein historischer Wasserturm steckt gewissermaßen in einem jüngeren Wasserturm.

1.000 Kubikmeter Wasser im Turm

Auch im Inneren verbirgt sich eine interessante technische Geschichte.

Der ursprüngliche Turm besaß zunächst einen Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 600 Kubikmetern. Im Jahr 1923 wurde zusätzlich ein weiterer Behälter mit 400 Kubikmetern Fassungsvermögen eingebaut.

Innenleben

Damit konnte der Wasserturm schließlich insgesamt 1.000 Kubikmeter Wasser speichern.

Füllstandsanzeige

Die eigentliche technische Funktion hat er allerdings längst verloren. 1979 wurde der Wasserturm außer Betrieb genommen. Seit 1987 steht er als technisches Denkmal unter Schutz.

Statt Wasser wird heute also vor allem Kultur nach oben transportiert.

42 Meter über Wesel

Der eigentliche Höhepunkt des Besuchs liegt natürlich ganz oben.

Bis zur Aussichtsplattform sind es rund 42 Meter. Der Aufstieg lohnt sich, denn oben wartet eine hervorragende Panoramaaussicht über Wesel.

Von hier bekommt man einen ganz anderen Eindruck von der Stadt. Die Perspektive reicht weit über die unmittelbare Umgebung hinaus und macht deutlich, wie stark Wesel von den weiten Landschaften des Niederrheins geprägt ist.

Ausblick von der Plattform

Nach dem Rundgang durch die Ausstellung und dem Aufstieg zur Aussichtsplattform war für mich jedenfalls klar: Der kleine Umweg zum Wasserturm hat sich gelohnt.

Vom technischen Denkmal zum Dritten Ort

Die Geschichte des Wasserturms ist damit auch ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung eines Gebäudes im Laufe der Zeit verändern kann.

1886 als Teil der Wasserversorgung errichtet, 1979 außer Betrieb genommen, 1987 zum technischen Denkmal erklärt und seit den 1990er Jahren immer wieder für Kunstausstellungen genutzt, hat der Turm inzwischen eine ganz neue Funktion bekommen.

Seit April 2024 ist er ein Dritter Ort.

Und vielleicht ist genau das die interessanteste Geschichte dieses Wasserturms: Er wurde nicht einfach zu einem Museum gemacht, das man sich einmal anschaut und anschließend wieder verlässt. Stattdessen ist hier ein lebendiger Ort entstanden, an dem Kultur, Bildung und Begegnung stattfinden.

Mein Fazit

Ich wäre wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, den Wasserturm Wesel gezielt zu besuchen, wenn ich nicht zufällig beim Guten Morgen Festival in Bochum von ihm erfahren hätte.

Umso schöner, dass aus diesem kleinen Hinweis tatsächlich ein Besuch geworden ist.

Wer in Wesel unterwegs ist, sollte sich den Wasserturm deshalb ruhig einmal anschauen. Die Kombination aus ungewöhnlicher Architektur, technischer Geschichte, Kunstausstellungen, dem Konzept des Dritten Ortes und vor allem der Aussicht macht den Besuch zu einem lohnenswerten kleinen Ausflug.

Und falls ihr den Eingang nicht sofort findet: Macht euch nichts daraus. Einmal um den Turm herumzugehen, ist ohnehin eine gute Möglichkeit, ihn zunächst von außen kennenzulernen. 😉

Link: Wasserturm Wesel – Dritter Ort Wesel

Urban Trail Bochum – Bergbau, Street Art und echtes Ruhrgebiet

Der Urban Trail Bochum ist diesmal keine Punkt-zu-Punkt-Wanderung, sondern ein klassischer Rundweg. Im Prinzip kann man an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Da die Route auch den Bochumer Hauptbahnhof berührt, ist sie zudem hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Ich bin den Trail Anfang August 2026 vom Hauptbahnhof aus gegen den Uhrzeigersinn gelaufen. Den GPS-Track hatte ich auf mein Wander-GPS geladen und bin der vorgegebenen Strecke ziemlich genau gefolgt.

Die gelben Markierungszeichen waren bei meiner Wanderung bereits an vielen Stellen vorhanden, allerdings offenbar noch nicht vollständig. Ich würde deshalb auch hier empfehlen, zur Sicherheit mit GPS-Gerät oder einer Navigations-App wie komoot unterwegs zu sein. Den Track und die Route kann man über die unten verlinkte Seite von Ruhr Tourismus herunterladen.

Was mir auf dieser Tour besonders gefallen hat: Bochum zeigt sich hier nicht als perfekt herausgeputzte Sehenswürdigkeitenstadt, sondern als ziemlich authentische Mischung aus Bergbau- undd Stahlgeschichte, Stadtleben, Street Art, Parks, Arbeitersiedlungen und ganz normalem Ruhrpott-Alltag.

Vom Hauptbahnhof mitten hinein ins Stadtleben

Direkt nach dem Verlassen des Hauptbahnhofs geht es zunächst mitten hinein in die Bochumer Innenstadt. Die Fußgängerzone bietet dabei gleich eine große Auswahl an Cafés und Bäckereien. Wer vor der Wanderung noch ein Frühstück oder einen Kaffee benötigt, hat hier also die Qual der Wahl.

Am Dr.-Ruer-Platz biegt die Route ab und führt vorbei an der Pauluskirche zum Platz am Kuhhirten. Schon hier begegnet einem ein Thema, das mich auf der gesamten Tour immer wieder begleitet: Street Art.

Am Treppenabgang befindet sich ein Mural der Kölner Künstlerin metraeder, deren charakteristische Gitterstruktur man hier sehr gut erkennen kann.

Weiter geht es vorbei an St. Peter und Paul und am Gerberviertel in Richtung Nordring. Nach der Unterquerung der Bahnstrecke geht es über einige Stufen hinauf – und plötzlich steht man vor einem der markantesten Gebäude Bochums.

Planetarium: Eine Reise zu den Sternen

Das Bochumer Planetarium ist schon von außen beeindruckend. Der markante Kuppelbau wurde als Big Beautiful Building ausgezeichnet und beherbergt eines der meistbesuchten Sternentheater Europas.

Wer Zeit mitbringt, sollte die Gelegenheit nutzen und eine Vorstellung besuchen. Während einer Wanderung lässt sich zwar nur ein kurzer Blick auf das Gebäude werfen, aber der Gedanke, mitten in Bochum in fremde Galaxien reisen zu können, passt irgendwie perfekt zu diesem ungewöhnlichen Bau.

Die Route führt anschließend an der Bochumer Synagoge vorbei in den großen Stadtpark.

Stadtpark und Bismarckturm

Der Bochumer Stadtpark ist eine angenehme Überraschung. Die weitläufige Anlage mit alten Bäumen, Teich, Fontäne und kleinem Wasserfall vermittelt fast den Eindruck, die Großstadt sei plötzlich weit entfernt.

Bei meiner Wanderung im August 2026 wurde allerdings an mehreren Stellen gerade kräftig renoviert. Teilweise war nicht ganz klar, ob man die neu angelegten Wege bereits betreten durfte. Absperrungen oder ausdrückliche Verbotsschilder waren allerdings nicht zu sehen.

Ein markanter Punkt im Park ist der alte Bismarckturm. Mit seinen 33 Metern ist er der höchste Bismarckturm in Nordrhein-Westfalen.

Von dort führt der Weg am idyllischen Teich entlang und anschließend wieder hinaus in Richtung Freiligrathstraße.

Durch Schrebergärten zum Bergbau-Museum

Nach einigen sehenswerten alten Stadthäusern biegt die Route in eine typische Ruhrgebiets-Kleingartenanlage ab.

Ich mag solche Passagen bei Urban Trails besonders. Die Kleingärten sind eben nicht nur ordentlich angelegte Beete, sondern häufig kleine persönliche Welten. Zwischen Blumen, Gemüsebeeten und Gartenlauben entdeckt man immer wieder skurrile Dekorationen und witzig kreative Ideen der Besitzer.

Am anderen Ende der Anlage zeichnet sich bereits das nächste große Ziel ab: das markante Fördergerüst des Deutschen Bergbau-Museums.

Das Museum gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bochums und ist das größte Bergbaumuseum der Welt. Besonders das Anschauungsbergwerk ist ein Erlebnis. Nach wenigen Minuten unter Tage entsteht tatsächlich das Gefühl, sich in einem echten Bergwerkstollen zu befinden.

Wer den Urban Trail mit einem Museumsbesuch verbinden möchte, sollte dafür allerdings entsprechend Zeit einplanen.

Bochum wird alternativ

Hinter dem Bergbau-Museum verändert sich die Umgebung erneut. Die Route führt in ein städtisches Viertel mit deutlich alternativem Einschlag.

Wir passieren unter anderem die Quartiershalle in der KoFabrik, die als offener Ort für die Nachbarschaft gedacht ist. An der Ecke zur Windmühlenstraße fällt ein gut besuchtes Café auf. Für eine Pause scheint mir das eine interessante Möglichkeit zu sein.

Anschließend geht es durch den Apollonia-Pfaus-Park und über kleinere Stadtwege vorbei am Gesundheitsamt und der Christuskirche zum Platz des Europäischen Versprechens.

Und wieder lohnt es sich, aufmerksam zu sein.

An der Fassade des Restaurants DeFermo befindet sich eine inzwischen etwas verwitterte Erinnerungstafel, die an eine frühe Braustätte Bochums erinnert.

Ein Manta-Rochen an der Schlegel-Brauerei

Nur wenige Meter weiter wartet ein besonders ungewöhnliches Bochumer Motiv: ein riesiger Manta-Rochen von Denis Klatt.

Das Gebäude gehörte einst zur Schlegelbrauerei. Der Manta ist dabei mehr als nur ein schönes Wandbild. Er spielt auch auf den legendären Opel Manta an – jenes Kultauto, das im Bochumer Opelwerk produziert wurde und durch den Film Manta, Manta! endgültig zum Ruhrgebiets-Klischee avancierte.

Hier treffen auf wenigen Quadratmetern gleich mehrere Bochumer Geschichten aufeinander: Bier, Autos, Industrie und Popkultur.

Street Art auf dem Weg zum Westpark

Die Route verlässt nun langsam das unmittelbare Stadtzentrum. An der Ecke Diekampstraße/Schmidtstraße befindet sich ein weiteres sehenswertes Mural von Martin Bender.

An der Alleestraße gibt es noch einmal Gelegenheit, Getränke oder Proviant einzukaufen. Außerdem finden sich entlang dieses Abschnitts einige Cafés.

Nach der Überquerung der Straße geht es leicht bergauf in den Westpark.

Industriekultur im Westpark

Der Westpark liegt auf dem Gelände des ehemaligen Bochumer Vereins, und hier ist nicht der Vfl gemeint, sondern ein ehemals bedeutender Montankonzern. Heute ist daraus ein großzügiger Landschafts- und Erholungspark geworden.

Im Mittelpunkt steht die Jahrhunderthalle Bochum.

Der Kontrast ist beeindruckend: Wo früher schwere Industriearbeit stattfand, finden heute Konzerte, Festivals und andere Kulturveranstaltungen statt. Der Urban Trail führt praktisch einmal um den Gebäudekomplex herum.

Man muss allerdings gar nicht viel Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, wie anders dieser Ort früher ausgesehen und angefühlt haben muss. Die erhaltenen Industriegebäude sind die sichtbaren Überreste einer Zeit, in der Bochum noch wesentlich stärker von Stahl und Schwerindustrie geprägt war.

Am Josef-Anton-Gera-Platz wartet dann schon wieder ein völlig anderes Motiv: ein riesiges Mural an einer Hauswand.

Arbeitersiedlung Stahlhausen

Nach einer weiteren Überquerung der Alleestraße führt der Weg in die ehemalige Arbeitersiedlung Stahlhausen.

Die roten Backsteinhäuser mit ihren teilweise auffälligen Fliesenverzierungen vermitteln einen guten Eindruck davon, wie die Wohnwelt der Arbeiter früher aussah.

Durch die Siedlung geht es über einen ungewöhnlich gestalteten Spielplatz weiter in Richtung Springerplatz. Besonders die Spielgeräte sind hier einen genaueren Blick wert.

Wer an einem Freitagnachmittag unterwegs ist, hat am Springerplatz zudem eine weitere attraktive Pausenmöglichkeit: Dann findet dort der Moltkemarkt statt, auf dem neben klassischen Marktangeboten auch zahlreiche Streetfood-Stände zu finden sind.

Ein Haus voller Street Art

An der Ecke Annastraße/Springerplatz wartet ein weiteres meiner persönlichen Highlights der Tour.

Ein komplettes Haus ist mit unterschiedlichen Murals gestaltet, die von verschiedenen Street-Art-Künstlern stammen. Ich würde hier nicht einfach vorbeilaufen, sondern das Gebäude einmal umrunden. Die unterschiedlichen Stilrichtungen und Techniken kommen erst richtig zur Geltung, wenn man die verschiedenen Seiten betrachtet.

Überhaupt entwickelt sich Street Art auf diesem Urban Trail zu einer Art rotem Faden. Fast hinter jeder nächsten Ecke scheint wieder ein neues Wandbild aufzutauchen.

Bermudadreieck: Bochums berühmtes Nachtleben

Im weiteren Verlauf geht es wieder Richtung Innenstadt. Vor uns taucht die ehemalige St.-Marien-Kirche auf, deren ungewöhnliche Form auf Fotos fast ein wenig an eine Rakete erinnert.

Direkt daneben liegt das Anneliese Brost Musikforum Ruhr.

Die Route führt anschließend über den Kerkweg direkt ins Bermuda3Eck.

Das berühmte Bochumer Ausgehviertel ist ein ziemlicher Kontrast zu den vorherigen Abschnitten. Statt Schrebergärten, Arbeitersiedlungen und Industrieanlagen gibt es hier Kneipen, Restaurants, Bars und jede Menge Menschen.

Wer eine Pause braucht, findet hier natürlich unzählige Möglichkeiten.

Und selbstverständlich darf auch ein Stück Ruhrgebietskultur nicht fehlen: die Currywurst – nicht zuletzt durch Herbert Grönemeyers musikalisch verewigt.

Mein Street-Art-Profi-Tipp

Wer etwas Zeit hat, sollte das Bermuda3Eck nicht einfach nur oberirdisch durchqueren. Ein Abstecher in die U-Bahn-Station Bermuda3Eck/Musikforum lohnt sich.

Die Station ist fast eine unterirdische Street-Art-Galerie. Die Arbeiten von Denis Klatt verwandeln den Bahnhof in eine bizarre Unterwasserwelt der Bermuda Islands. Für mich ist das eine der ungewöhnlichsten Stellen der gesamten Tour.

Ehrenfeld: authentisches Bochum

Nach dem Bermudadreieck geht es wieder unter der Bahnüberführung hindurch. Dahinter liegt die Königsallee, die spätestens seit Herbert Grönemeyers Bochum ebenfalls einen festen Platz in der Stadtkultur besitzt.

Die Route biegt allerdings in die Alte Hattinger Straße ab und führt in das lebendige Viertel Ehrenfeld.

Hier zeigt sich Bochum noch einmal von seiner sehr eigenen Seite. Große Wandbilder, kleine Läden, Gastronomie und eine teilweise etwas schräge Nachbarschaftskultur sorgen für eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist.

Manchmal grüßt sogar ein Skelett mit Frosch als Fensterstopper die vorbeilaufenden Passanten.

Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine Pause oder einen spontanen Abstecher.

Noch einmal Street Art – wieder unter Tage

In Richtung Schauspielhaus kann man sich wieder entscheiden: oberirdisch weitergehen oder einen Teil des Weges durch die U-Bahn-Station nehmen.

Ich würde die zweite Variante zumindest einmal ausprobieren.

An den zur Königsallee gelegenen Abgängen zur U-Bahnstation Schauspielhaus befinden sich weitere große Sprühkunstwerke von Denis Klatt, diesmal thematisch passend zum Schauspielhaus.

Das Schauspielhaus Bochum selbst war während meiner Wanderung im August 2026 eingerüstet. Die Sanierung soll bald abgeschlossen sein. Momentan erinnerte das Gebäude deshalb eher an eine temporäre Christo-Installation – die ursprüngliche Architektur lässt sich aber erahnen.

Ein Pottwal zum Abschluss

Über die Taubenstraße geht es weiter durch Wohngebiet. Unterwegs wartet noch ein riesiges Rotkehlchen auf einer Hauswand.

Danach führt die Route durch einen neu angelegten Pocket-Park mit einigen Sitzgelegenheiten.

Und dann kommt das große Finale.

An einer Hauswand erscheint ein riesiger (Ruhr)Pottwal, unter dem eine Landschaft mit untergehenden Zechen dargestellt ist.

Ein riesiger Pottwal ziert die Hauswand

Das Mural greift damit noch einmal eines der zentralen Themen dieser Wanderung auf: die Verbindung von Natur, Stadt und industrieller Vergangenheit.

Von hier sind es nur noch wenige Schritte und eine letzte Unterquerung der Bahnstrecke – und schon steht man wieder am Bochumer Hauptbahnhof.

Fazit: Bochum einmal quer durch die Stadt

Der Bochumer Urban Trail hat mir ausgesprochen gut gefallen – allerdings aus einem etwas anderen Grund als beispielsweise die Tour von Herten nach Herne.

Hier steht weniger die große Landschaft im Vordergrund. Stattdessen entdeckt man die Stadt selbst.

Bergbau-Museum und Jahrhunderthalle erzählen von der industriellen Vergangenheit. Arbeitersiedlungen erinnern an das Leben der Menschen, die diese Industrie getragen haben. Das Bermuda3Eck und Ehrenfeld zeigen das heutige Bochum. Und dazwischen tauchen immer wieder überraschende Parks, Kleingärten, Cafés und vor allem jede Menge Street Art auf.

Gerade diese vielen kleinen Entdeckungen machen den Reiz der Strecke aus. Man sollte deshalb nicht versuchen, die gut 12 Kilometer möglichst schnell abzuwandern. Es lohnt sich, langsam zu gehen, nach links und rechts zu schauen und auch einmal einen kleinen Umweg zu machen.

Wer Bochum nicht nur über die großen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, sondern Lust auf ein authentisches, buntes und manchmal durchaus etwas schräges Ruhrgebiet hat, für den ist dieser Urban Trail eine sehr gute Gelegenheit.

Bergbau, Bier, Bermuda3Eck, Street Art, Arbeitersiedlungen, Industriekultur und ganz normaler Ruhrpott-Alltag – Bochum kann man auf dieser Runde tatsächlich ziemlich gut „erlaufen“.

Praktische Informationen

  • Streckenart: Rundwanderung
  • Start/Ziel: Bochum Hauptbahnhof
  • Streckenlänge: entsprechend der offiziellen Route, GPS-Track empfohlen
  • Anreise: sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Navigation: Markierungen waren bei meiner Wanderung weitgehend vorhanden, aber noch nicht vollständig
  • Empfehlung: GPS-Gerät oder Navigations-App mit geladenem Track
  • Besondere Highlights: Planetarium, Stadtpark, Deutsches Bergbau-Museum, Jahrhunderthalle, Westpark, Bermudadreieck, Ehrenfeld und zahlreiche Street-Art-Werke
  • Pausen: zahlreiche Cafés, Gastronomie und am Springerplatz freitags der Moltkemarkt

Link: Offizielle Routenbeschreibung bei RuhrTourismus

In diesem Video habe ich einige Eindrücke dieses Urban Trails im Bewegtbild festgehalten, ohne Kommentierung/Erläuterung:

Urban Trail Herten – Herne: Von Wasserschlössern, Zechen und der Halde Hoheward

Der Urban Trail von Herten nach Herne ist – wie schon die Wanderung in durch Oberhausen – eine Punkt-zu-Punkt-Wanderung. Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Dafür sind beide Endpunkte gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Bei meiner Wanderung in der ersten Augustwoche 2026 gab es allerdings noch eine Besonderheit: Der Trail war vor Ort noch nicht markiert. Wer die Tour derzeit nachwandern möchte, sollte sich deshalb unbedingt den GPS-Track herunterladen oder beispielsweise eine Navigations-App wie komoot verwenden (Links gibt auf der RVR-Seite)

Die offizielle Streckenlänge beträgt 13,7 Kilometer. Auf meiner Aufzeichnung standen am Ende rund 14,5 Kilometer auf dem GPS – vermutlich eine Mischung aus GPS-Ungenauigkeit und meinen diversen kleinen Abstechern zu interessanten Orten entlang der Strecke.

Überraschender Auftakt in Herten

Obwohl ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin, war ich tatsächlich zum ersten Mal in Herten. Die Anreise mit der S-Bahn-Linie 9 aus Richtung Essen verlief problemlos. Vom Bahnhof Herten (Westfalen) sind es nur wenige Schritte bis zum Busbahnhof in der Hertener Innenstadt, wo die Tour beginnt.

Mein erster Eindruck von Herten war überraschend positiv. Obwohl die Stadt nur etwa ein Drittel der Einwohnerzahl Mülheims hat, wirkte die Innenstadt auf mich erstaunlich lebendig. Auch die Auswahl und Qualität der Geschäfte machte einen guten Eindruck.

Ich dachte zunächst: Das wird wohl erst einmal eine Wanderung durch dicht bebautes Stadtgebiet.

Doch damit sollte ich mich gründlich täuschen.

Vom Rathaus direkt ins Grüne

Von der Einkaufsstraße sind es nur wenige Meter bis zum Hertener Rathaus. Eine Verbindungsbrücke zwischen den Rathausgebäuden bildet gleichzeitig eine Art Tor zum Schlosspark.

Und plötzlich ist die Stadt weitgehend verschwunden.

Ich fühlte mich unmittelbar wie in einem Wald und folgte den Wegen durch den überraschend weitläufigen Schlosspark. Schon bald erreicht man die Orangerie, ein kleines denkmalgeschütztes Gebäude, das heute für Veranstaltungen genutzt wird.

Schloss Herten

Auf der anderen Seite des Parks fällt bereits das Wasserschloss Herten ins Auge. Es wurde erstmals 1376 urkundlich erwähnt; die heute erhaltenen Gebäude entstanden im 16. und 17. Jahrhundert nach Entwürfen des Coesfelder Baumeisters Henric de Suer.

Der Weg führt am Schlossteich entlang, vorbei an der LWL-Klinik Herten und zur Festwiese. Hier lohnt sich unbedingt ein kurzer Abstecher zur eigentlichen Schlossanlage.

Eine ungewöhnliche Kunstachse

Anschließend geht es auf eine lange Gerade durch den Schlosspark und -wald. Hier befindet sich die Kunstachse „Burgenland“.

Mini-Zeche auf Hügel

Auf einer Strecke von rund zwei Kilometern wurden am Wegesrand 15 künstliche Erdhügel aufgeschüttet. Auf acht davon sollenkleine, erstaunlich detailgetreue Miniatur-Zechengebäude stehen, ich habe bei meiner Wanderung nur zwei entdeckt.

Grüne Achse

Das Konzept verbindet auf ungewöhnliche Weise die beiden Welten, die diese Wanderung prägen werden: Schloss und Bergbau, Adel und Industriegeschichte. Die erhöht auf den Hügeln platzierten Zechenmodelle sollen dabei die einstige Machtposition der Industriellen symbolisieren.

Noch etwas Waldluft genießen – und schon ist es mit der Ruhe wieder vorbei.

Von der Straße zur Zeche Ewald

Der Weg trifft auf eine Landesstraße und führt zunächst ein kurzes Stück entlang stärker befahrener Straßen. Praktisch: Unterwegs kommt man jetzt auch an einem Discounter vorbei. Wer Getränke oder Proviant nachfüllen möchte, hat hier noch einmal Gelegenheit dazu.

Denn bald wird die Wanderung körperlich anspruchsvoller.

Nach der Autobahnunterführung taucht vor uns die ehemalige Zeche Ewald auf. Die ersten Gebäude und Fördergerüste kündigen das weitläufige Zechengelände schon von weitem an.

Fördergerüste Zeche Ewald

Die Zeche Ewald entstand ab den 1870er Jahren und wurde im April 2000 endgültig stillgelegt. Heute ist das Gelände ein gelungenes Beispiel für den Strukturwandel: In den historischen Gebäuden haben sich Unternehmen und Gastronomiebetriebe angesiedelt, außerdem wird das Areal als Veranstaltungsort genutzt.

Ich würde hier nicht einfach nur dem Trail folgen, sondern ein wenig kreuz und quer über das Gelände laufen. Es gibt viel zu entdecken.

Besonders markant sind der gemauerte Malakowturm über Schacht 1 sowie die Stahlfördergerüste über den Schächten 2 und 7. Hier lässt sich noch einmal sehr unmittelbar nachvollziehen, welche Dimensionen der Bergbau im Ruhrgebiet einst hatte.

Jetzt wird es anstrengend: Aufstieg zur Halde Hoheward

Hinter der Zeche beginnt der anspruchsvollste Abschnitt der Wanderung: Treppensteigen.

Vor uns liegt die Halde Hoheward. Mit 152,5 Metern über Normalhöhennull gehört sie zu den markantesten Landmarken des Ruhrgebiets. Aufgeschüttet wurde sie aus Material der Zechen Recklinghausen II, Ewald und General Blumenthal/Haard.

Die Treppe zur Halde Hoheward

Der erste Treppenabschnitt hat es durchaus in sich: 132 Stufen führen hinauf zu einem ersten Aussichtsbalkon. Der Blick zurück auf das Zechengelände mit seinen Fördergerüsten ist bereits beeindruckend.

Aber wir sind noch lange nicht oben.

Weitere 77 Stufen und ein serpentinenartig verlaufender Weg bringen uns zur Ewald-Empore. Auch von hier bietet sich noch einmal ein leicht erhöhter Blick über die Umgebung.

Und spätestens jetzt verändert sich das Wandergefühl vollkommen.

Ruhrgebiet wie aus dem Gebirge

Oben auf der Halde habe ich tatsächlich fast das Gefühl, in einer Mittelgebirgslandschaft unterwegs zu sein. Die Baumgrenze wird durchbrochen, die Vegetation niedriger, die Wege verlaufen durch offene Landschaft und die Hitze der Augustsonne hat die Wiesen bereits goldgelb verfärbt.

Blick auf Halde Hoheward

Und dann dieser Blick.

Bei klarer Sicht reicht er über weite Teile des Ruhrgebiets – von Duisburg bis Dortmund und mit etwas Glück kann man sogar den Düsseldorfer Rheinturm erkennen. Unter einem liegt eine der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands, und trotzdem wirkt die Landschaft von hier oben erstaunlich grün, weit und offen.

Das ist für mich einer der schönsten Momente dieser Tour: Man vergisst für einen Augenblick, dass man sich mitten im Ballungsraum Ruhrgebiet befindet.

Über die teilweise recht steile Haldenstraße geht es weiter zum höchsten Punkt.

Horizontobservatorium und Sonnenuhr

Auf dem Haldengipfel steht das weithin sichtbare Horizontobservatorium. Leider ist die Anlage noch immer abgesperrt.

Das hat einen guten Grund: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurden Risse im Äquatorbogen festgestellt. In der Folge wurden schon zusätzliche Stützpfeiler installiert. Bis heute ist das Observatorium deshalb nicht regulär zugänglich.

Obelisk und Himmelsobservatorium Halde Hoheward

Etwas unterhalb befindet sich ein weiteres beeindruckendes Bauwerk: die Sonnenuhr mit Obelisk. Die Anlage liegt auf rund 140 Metern Höhe und umfasst etwa 3.000 Quadratmeter. Der Edelstahl-Obelisk ist 8,5 Meter hoch.

Hier oben lohnt sich eine Verschnaufpause. Und dann beginnt der Abstieg.

Auf schmalen Pfaden zur nächsten Zeche

Der Abstieg ist fast das Gegenstück zum vorherigen Aufstieg. Statt breiter Wege und Treppen geht es nun über verschlungene, teilweise leicht bewachsene Singletrails wieder hinunter.

Fast am Fuß der Halde taucht plötzlich ein weiteres ungewöhnliches Objekt auf: ein stilisierter, asiatisch anmutender Drachenkopf.

Über die Drachenbrücke geht es anschließend zur ehemaligen Zeche Recklinghausen II. Hier sind noch das Fördergerüst und die Maschinenhalle erhalten.

Nach der langen Naturpassage bietet sich noch einmal die Gelegenheit, Industriekultur aus nächster Nähe zu erleben.

Vom Zechengelände an die Emscher

Anschließend führt der Urban Trail zunächst durch die Dreieck-Siedlung Hochlarmark. Hier stehen noch zahlreiche typische alte Zechenhäuser – Ruhrgebiet wie aus dem Bilderbuch.

Danach wird die Umgebung wieder deutlich städtischer. Besonders ins Auge fällt die Reformationskirche, eine asymmetrisch gestaltete, zweischiffige Backsteinkirche mit einem seitlichen, pyramidenbekrönten Turm.

Schließlich erreichen wir die Emscher.

Kaum ein anderer Fluss steht so exemplarisch für den Wandel des Ruhrgebiets. Einst als stark belastete „Köttelbecke“ bekannt, wurde die Emscher in einem jahrzehntelangen Großprojekt renaturiert und entwickelt sich heute wieder zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Landschaft.

Emscher - gradlinieg

Zeitreise Strom – ein echter Geheimtipp

Nach einem kurzen Stück entlang der Emscher geht es über eine Brücke in Richtung Stadthafen Recklinghausen. Zuvor muss allerdings noch die Bochumer Straße überquert werden.

Direkt auf der anderen Seite steht das imposante ehemalige VEW-Umspannwerk Recklinghausen.

Mein Tipp: Hier unbedingt einen Abstecher in das Museum „Zeitreise Strom“ einplanen.

Das denkmalgeschützte Umspannwerk beherbergt eine beeindruckende Sammlung zur Geschichte der Elektrizität und Energieversorgung. Besonders die Ausstellung in der ersten Etage fand ich sehenswert.

Umspannwerk Recklinghausen

Und das Schöne daran: Man muss dafür gar kein Technikfan sein. Beim Anblick vieler ausgestellter Geräte fühlt man sich unweigerlich in die eigene Kindheit oder Jugend zurückversetzt. Für mich war das einer der überraschendsten Stopps der gesamten Tour.

Stadthafen und Rhein-Herne-Kanal

Nach dem kurzen Abschnitt entlang der Emscher führt der Weg über eine Brücke zum Stadthafen Recklinghausen. Das Wasser sorgt für einen erneuten atmosphärischen Wechsel.

Von hier geht es weiter am Rhein-Herne-Kanal entlang. Der Urban Trail nutzt dabei geschickt einen grünen Korridor zwischen verschiedenen Kleingartenanlagen oder Schrebergärten, wie man hier im Pott dazu sagt.

Wieder einmal zeigt sich die besondere Qualität dieser Tour: Man bewegt sich durch eine dicht besiedelte Region und hat trotzdem immer wieder das Gefühl, durch überraschend grüne Landschaften zu laufen.

Schloss Strünkede – ein herrschaftliches Finale

Nach dem Kanalabschnitt geht es noch einmal durch bebautes Gebiet, bevor das nächste Highlight auftaucht: der Schlosspark Strünkede.

Der Weg führt direkt in die Parkanlage und macht anschließend einen Schlenker entlang des Burggrabens.

Das kastellartige Wasserschloss Strünkede bildet einen geradezu herrschaftlichen Kontrast zu den Zechenanlagen und Halden, die uns zuvor begleitet haben. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Schloss Sitz der freiherrlichen Familie von Strünkede. Seit 1938 beherbergt es die kultur- und stadtgeschichtlichen Sammlungen des Emschertal-Museums.

Und genau hier endet der Urban Trail.

Fazit: Ruhrgebiet in einer einzigen Wanderung

Die rund 14,5 Kilometer haben mir wieder ausgesprochen gut gefallen.

Was diese Tour für mich besonders macht, ist der ständige Wechsel der Landschaften und Themen. Sie beginnt an einem Wasserschloss, führt durch einen überraschend grünen Schlosspark, vorbei an Miniaturzechen und mitten durch die beeindruckende Industriekulisse der Zeche Ewald. Danach geht es hinauf auf eine riesige Halde, über deren Gipfel man einen fantastischen Blick über das gesamte Ruhrgebiet genießt.

Dann folgt der Abstieg durch naturnahe Wege, vorbei an einer ehemaligen Zeche, durch eine typische Bergarbeitersiedlung und entlang der renaturierten Emscher. Mit dem Umspannwerk und dem Stadthafen kommen weitere völlig unterschiedliche Facetten hinzu, bevor mit Schloss Strünkede noch einmal eine ganz andere Epoche der regionalen Geschichte auf dem Programm steht.

Industriekultur, Natur, Bergbau, Stadt, Wasser und Schlösser – diese Wanderung hat eigentlich alles, was das Ruhrgebiet ausmacht. Zudem ging es auf der relativ kurzen Strecke durch drei Städte, wo sonst ist das möglich?

Und genau deshalb kann ich den Urban Trail von Herten nach Herne uneingeschränkt empfehlen!

Neben den Fotos oben habe ich eine Eindrücke (ohne Kommentierung) auch als Video festgehalten:

Links:
Ruhr-Tourismus – Urban.Trail – Überraschender Drei.Städtetrip

Einige Eindrücke der Wanderung habe ich auch ohne Kommentare in diesem Video festgehalten: