Der Wasserturm Wesel – Aussicht, Architektur und ein besonderer Dritter Ort

Manchmal entdeckt man Sehenswürdigkeiten genau dort, wo man sie überhaupt nicht erwartet.

Wasserturm – von unten nach oben

Der Wasserturm in der Weseler Innenstadt ist zwar ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt, mir war er bis vor Kurzem allerdings völlig unbekannt. Zum ersten Mal gehört habe ich von ihm beim diesjährigen Guten Morgen Festival der GLS Bank in Bochum. Dort wurde der Wasserturm an einem Stand als Beispiel für das Förderprogramm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen vorgestellt.

Dritter Ort – Kultur. Begegnung. Mitmachen.

Das machte mich neugierig. Also nahm ich mir vor: Wenn ich das nächste Mal in Wesel bin, schaue ich mir diesen ungewöhnlichen Ort einmal selbst an.

Ein etwas ungewöhnlicher erster Besuch

Gesagt, getan.

Allerdings hätte mein erster Besuch fast mit einem Rundgang um den Wasserturm geendet.

Ich fand den Eingang zunächst nicht und lief deshalb erst einmal durch die engen Straßen rund um das Gebäude. Irgendwie kam mir die Stelle des Zugangs sehr verdächtig bekannt vor – und ich stellte fest, dass ich den Turm ziemlich genau einmal umrundet hatte.

Wasserturm Wesel – von außen zylindrisch – innen konisch

Nun gut. So hatte ich zumindest schon einmal einen guten ersten Eindruck von dem markanten Bauwerk gewonnen.

Beim zweiten Anlauf entdeckte ich dann auch den Eingang. Und der war ausgesprochen einladend.

Ich wurde freundlich begrüßt und direkt eingeladen, mir die aktuelle Fotoausstellung anzusehen und anschließend auf eigene Faust bis zur Aussichtsplattform auf der Turmspitze hinaufzusteigen. Außerdem bekam ich vom freundlichen „Turmwächter“ 😉 noch eine kurze Einführung in die Geschichte des Gebäudes.

Der Wasserturm als Ausstellungsraum

Mehr als nur ein Wasserturm

Was den Weseler Wasserturm heute besonders interessant macht, ist allerdings nicht allein seine Architektur oder die Aussicht.

Seit April 2024 ist er ein „Dritter Ort“.

Der Begriff klingt zunächst etwas abstrakt. Gemeint sind damit Räume, die neben den klassischen Lebensorten Zuhause und Arbeitsplatz entstehen. Sie sollen offen sein für Begegnung, Kultur, Bildung und Austausch.

Ein wichtiger Gedanke dabei: In einem solchen Dritten Ort soll es keinen Konsumzwang geben. Man muss also nicht erst etwas kaufen, um sich dort aufhalten zu dürfen – anders als beispielsweise im Café oder Restaurant.

Im Wasserturm wird dieses Konzept ziemlich vielfältig mit Leben gefüllt. Angeboten werden unter anderem Kreativtreffs, Smartphone-Kurse, Vorträge zu Gesundheitsthemen, Mitbring-Frühstücke, Lesungen und Musikveranstaltungen.

Ich finde das Konzept tatsächlich ziemlich spannend. Gerade in einer Zeit, in der viele Begegnungen zunehmend digital stattfinden, braucht es Orte, an denen Menschen einfach zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam etwas erleben können.

Und ein ehemaliger Wasserturm ist dafür natürlich eine ziemlich ungewöhnliche Kulisse.

Zwei Türme in einem

Auch architektonisch lohnt sich der Besuch.

Denn genau genommen besteht der Weseler Wasserturm aus zwei Türmen.

Der ursprüngliche, konisch zulaufende Turm wurde bereits 1886 errichtet. Rund 50 Jahre später erhielt er eine zusätzliche Außenummantelung. Aus dem ursprünglichen konischen Bau wurde dadurch äußerlich der heute prägende zylindrische Turm.

links zylindrischer Turm – rechts konischer Turm

Warum man diesen ungewöhnlichen Umbau vorgenommen hat, ist nicht endgültig geklärt. Eine interessante Theorie sieht einen Zusammenhang mit dem zunehmenden Einfluss des Bauhaus und der modernen Architektur in den 1920er Jahren. Möglicherweise erschien der ursprüngliche Turm inzwischen zu altmodisch und sollte optisch an die neue Zeit angepasst werden.

So entstand ein durchaus ungewöhnliches Ergebnis: Ein historischer Wasserturm steckt gewissermaßen in einem jüngeren Wasserturm.

1.000 Kubikmeter Wasser im Turm

Auch im Inneren verbirgt sich eine interessante technische Geschichte.

Der ursprüngliche Turm besaß zunächst einen Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 600 Kubikmetern. Im Jahr 1923 wurde zusätzlich ein weiterer Behälter mit 400 Kubikmetern Fassungsvermögen eingebaut.

Innenleben

Damit konnte der Wasserturm schließlich insgesamt 1.000 Kubikmeter Wasser speichern.

Füllstandsanzeige

Die eigentliche technische Funktion hat er allerdings längst verloren. 1979 wurde der Wasserturm außer Betrieb genommen. Seit 1987 steht er als technisches Denkmal unter Schutz.

Statt Wasser wird heute also vor allem Kultur nach oben transportiert.

42 Meter über Wesel

Der eigentliche Höhepunkt des Besuchs liegt natürlich ganz oben.

Bis zur Aussichtsplattform sind es rund 42 Meter. Der Aufstieg lohnt sich, denn oben wartet eine hervorragende Panoramaaussicht über Wesel.

Von hier bekommt man einen ganz anderen Eindruck von der Stadt. Die Perspektive reicht weit über die unmittelbare Umgebung hinaus und macht deutlich, wie stark Wesel von den weiten Landschaften des Niederrheins geprägt ist.

Ausblick von der Plattform

Nach dem Rundgang durch die Ausstellung und dem Aufstieg zur Aussichtsplattform war für mich jedenfalls klar: Der kleine Umweg zum Wasserturm hat sich gelohnt.

Vom technischen Denkmal zum Dritten Ort

Die Geschichte des Wasserturms ist damit auch ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung eines Gebäudes im Laufe der Zeit verändern kann.

1886 als Teil der Wasserversorgung errichtet, 1979 außer Betrieb genommen, 1987 zum technischen Denkmal erklärt und seit den 1990er Jahren immer wieder für Kunstausstellungen genutzt, hat der Turm inzwischen eine ganz neue Funktion bekommen.

Seit April 2024 ist er ein Dritter Ort.

Und vielleicht ist genau das die interessanteste Geschichte dieses Wasserturms: Er wurde nicht einfach zu einem Museum gemacht, das man sich einmal anschaut und anschließend wieder verlässt. Stattdessen ist hier ein lebendiger Ort entstanden, an dem Kultur, Bildung und Begegnung stattfinden.

Mein Fazit

Ich wäre wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, den Wasserturm Wesel gezielt zu besuchen, wenn ich nicht zufällig beim Guten Morgen Festival in Bochum von ihm erfahren hätte.

Umso schöner, dass aus diesem kleinen Hinweis tatsächlich ein Besuch geworden ist.

Wer in Wesel unterwegs ist, sollte sich den Wasserturm deshalb ruhig einmal anschauen. Die Kombination aus ungewöhnlicher Architektur, technischer Geschichte, Kunstausstellungen, dem Konzept des Dritten Ortes und vor allem der Aussicht macht den Besuch zu einem lohnenswerten kleinen Ausflug.

Und falls ihr den Eingang nicht sofort findet: Macht euch nichts daraus. Einmal um den Turm herumzugehen, ist ohnehin eine gute Möglichkeit, ihn zunächst von außen kennenzulernen. 😉

Link: Wasserturm Wesel – Dritter Ort Wesel

Rhein trocknet weiter aus – Pegel Ruhrort bei 141cm

Da der Wasserstand des Rheins weiter abnimmt, habe ich noch einmal eine kleine Tour an verschiedene Stellen des Duisburger Hafen unternommen. Es ist schon ein bißchen schockierend, wenn man die Stellen bei Normalwasserstand kennt und jetzt sieht, wie weit das Wasser schon zurückgegangen ist. Zu Dokumentation habe ich einige Perspektiven kommentarlos in diesem Video zusammengestellt.

Urban Trail Oberhausen – Industriekultur, Halden und grüne Oasen

Der Urban Trail Oberhausen erzählt auf gut elf Kilometern, was das Ruhrgebiet ausmacht – Schwerindustrie und urbane Oasen, Trümmer und Blütenpracht, Geschichte und Gegenwart.

Der UrbnTrl. Oberhausen unterscheidet sich von vielen klassischen Rundwanderungen: Es handelt sich um eine Punkt-zu-Punkt-Tour. Der Start liegt am Oberhausener Hauptbahnhof, das Ziel in der historischen Arbeitersiedlung Eisenheim. Das ist jedoch überhaupt kein Nachteil – im Gegenteil. Beide Punkte sind hervorragend mit Bus und Bahn verbunden (Haltestellen Oberhausen Hauptbahnhof und Oberhausen Eisenheim), sodass man nach der Wanderung bequem wieder zum Ausgangspunkt oder zum eigenen Fahrzeug zurückkehren kann.

Markierung UrbnTrls. als Beilspiel

Ein ungewöhnlicher Start am Hauptbahnhof

Schon der Beginn der Tour hält eine kleine Überraschung bereit. Bevor es überhaupt richtig losgeht, lohnt sich ein Abstecher zu den Gleisen 4 und 5. Hier befand sich einst der Postbahnanschluss des Hauptbahnhofs. Nach dem Rückbau entstand an dieser Stelle ein frei zugänglicher Museumsbahnsteig des LVR-Industriemuseums. Zwischen alten Schienenfahrzeugen und Relikten der Schwerindustrie bekommt man bereits einen ersten Eindruck von der industriellen Vergangenheit Oberhausens.

Durch den Haupteingang des Bahnhofs führt der Weg zunächst vorbei am Berliner Park in den blütenreichen Grillo Park. Von hier eröffnet sich einer der schönsten Blicke auf das Oberhausener Rathaus. Das markante Gebäude verbindet Elemente des Backsteinexpressionismus mit dem Stil des Neuen Bauens. Gemeinsam mit den großzügigen Freitreppen, Terrassen und dem Park bildet es eines der eindrucksvollsten städtebaulichen Ensembles der Stadt.

Vom Stadtzentrum ins Grüne

Vorbei am denkmalgeschützten Ebertbad und dem Theater Oberhausen nähert sich die Route zunächst der vielbefahrenen Mülheimer Straße (B223). Kaum ist diese überquert, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Der urbane Charakter weicht immer mehr grünen Wegen, kleinen Parks und Kleingartenanlagen.

Unterwegs passiert man die Oberhausener Feuerwache und erreicht den Brücktorpark. Dort stößt man auf ein Stück fast vergessener Industriegeschichte: die Henkelmannbrücke. Zur Mittagszeit ließen hier früher die Frauen der Stahlarbeiter das Essen in sogenannten Henkelmännern – typischen Blechbehältern – an Seilen zu ihren Männern hinab. Eine einfache, aber eindrucksvolle Geschichte aus der Zeit der Hochindustrie.

Monte Schlacko – der höchste Punkt Oberhausens

Durch eine typisch ruhrgebietliche Schrebergarten erreicht man schließlich die Knappenhalde. Im Volksmund trägt sie den treffenden Spitznamen „Monte Schlacko“. Mit 102 Metern über NHN und rund 55 Metern über dem umliegenden Gelände ist sie die höchste Erhebung Oberhausens.

Profi-Tipp: Der ausgeschilderte Urban Trail führt nicht bis ganz auf den Gipfel. Ich würde den kleinen Umweg jedoch unbedingt empfehlen. Die Halde wird von ein 15 Meter hohen Aussichtsturm gekrönt, von dem sich ein großartiger Rundumblick über das westliche Ruhrgebiet eröffnet. Bei klarer Sicht erkennt man unter anderem den Gasometer, das CentrO und zahlreiche weitere Halden. Man weiß ja, wie man später wieder auf den Trail zurückfindet.

Blick von Knappenhalde zum Gasometer Oberhausen

Auch die Entstehung der Halde erzählt Ruhrgebietsgeschichte: Sie besteht aus Abraum der ehemaligen Zeche Oberhausen, Hochofenschlacke der Gutehoffnungshütte und Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Fuß der Halde lohnt außerdem ein Blick auf einige ungewöhnliche Kunstwerke, die unter Namen wie Industrietempel oder Eisenschaffende Industrie bekannt sind.

Auf den Spuren der Zeche Oberhausen

Von der Halde führt der Weg über das Gelände der ehemaligen Zeche Oberhausen. Das heutige Resonanzwerk war einst eine Werkstatt der Zeche, während das Hostel Veritas im früheren Pförtnerhaus untergebracht ist.

Anschließend folgt die Route der ehemaligen HOAG-Bahntrasse. Wo früher Güterzüge unterwegs waren, verläuft heute ein ruhiger Rad- und Wanderweg durch überraschend viel Grün. Entlang des renaturierten Läppkes Mühlenbachs erreicht man schließlich das Besucherzentrum Haus Ripshorst.

Das RVR-Besucherzentrum Haus Ripshorst ist der ideale Ort für eine Pause. Im historischen Gutshof, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, gibt es nicht nur Kaffee und Snacks, sondern auch eine Ausstellung zum Emscher Landschaftspark. Im Außenbereich locken Bauerngarten und ein Lehrbienenstand – perfekt um durchzuatmen, bevor die Tour weitergeht.

Zauberlehrling, Marina und Rhein-Herne-Kanal

Nur wenige Minuten später wartet eines der bekanntesten Fotomotive der Region: der tanzende Strommast „Zauberlehrling“ der Berliner Künstlergruppe inges idee. Der scheinbar zum Leben erwachte Hochspannungsstrommast gehört zu den ungewöhnlichsten Kunstwerken des Ruhrgebiets.

Der tanzende Strommast - Zauberlehrling von inges idee.

Von dort folgt der Urban Trail dem Rhein-Herne-Kanal bis zur Marina Oberhausen, dem gut frequentierten Yachthafen direkt am CentrO. Vorbei am Sea Life führt die markante Tausendfüßlerbrücke auf die andere Kanal- und Autobahnseite. Mit Blick auf den Gasometer gehört dieser Abschnitt zweifellos zu den schönsten der gesamten Wanderung.

OLGA-Park – Wo Klärbecken zu Fotomotiven werden

Anschließend gelangt man über das ehemalige Klärbecken der Zeche Osterfeld in den OLGA-Park. Der Weg mitten durch das riesige Becken bietet eine außergewöhnliche Perspektive und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Ein schmaler Pfad mitten durch das ehemalige Klärbecken, Oberhausen

Der Park selbst entstand auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Osterfeld und verbindet Industriekultur mit großzügigen Grünflächen. Am gegenüberliegenden Eingang ist noch das Fördergerüst erhalten geblieben.

Profi-Tipp: Wer einen kleinen Umweg zum Fördergerüst investiert, wird mit einer einzigartigen Sichtachse auf den Gasometer belohnt. Zudem kann man die ehemalige Kohlenmischhalle mit ihrem markanten achteckigen Pyramidendach aus der Nähe betrachten.

Auch der 16 Meter hohe Aussichtsturm des Parks bietet noch einmal einen weiten Blick über Oberhausen.

Ziel: Die historische Siedlung Eisenheim

Nach dem Verlassen des OLGA-Parks führt der Weg zurück in bewohntes Stadtgebiet. Vorbei am Katholischen Jugendwerk und einer benachbarten Moschee erreicht man schließlich die Siedlung Eisenheim.

Sie gilt als älteste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets und war zugleich die erste Arbeitersiedlung Deutschlands, die vollständig unter Denkmalschutz gestellt wurde. Zahlreiche Informationstafeln erzählen ihre Geschichte. Zwischen den liebevoll restaurierten Häusern fühlt man sich fast wie auf einer kleinen Zeitreise in die Anfänge der Industrialisierung.

Ein besonderer Abschluss

Bevor die Wanderung an der Haltestelle Eisenheim endet, lohnt sich noch ein letzter kurzer Abstecher zur Ecke Eisenheimer Straße/Wesselkampstraße. Dort befindet sich der Blaue Turm der vielen Bücher mit dem Garten der Dichter, auch Tonino-Guerra-Park genannt.
Das außergewöhnliche Gebäude beherbergt die Bibliothek und Arbeitsräume des Autorenehepaars Roland und Janne Günter. Der Garten wurde vom Künstler Herman Prigann gestaltet und bildet einen ebenso ungewöhnlichen wie stimmungsvollen Abschluss dieser abwechslungsreichen Wanderung.

Blick auf die Siedlung Eisenheim Oberhausen auf dem Urbn.Trl

Fazit

Der Urban Trail Oberhausen ist keine Wanderung für Bergsteiger, sondern für Entdecker. Er zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das Ruhrgebiet sein kann. Auf kaum einer anderen Wanderung wechseln sich Industriekultur, Halden, historische Arbeitersiedlungen, Parks, Bahntrassen, Kanäle und moderne Freizeitlandschaften so harmonisch ab. Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz der Tour aus. Im Vergleich zu den anderen Trails führt der Weg an wenigen Einkehrmöglichkeiten vorbei, es sei denn man baut noch einen kleinen Umweg zum Oberhausener CentrO ein, wo es wirklich alles gibt, was man sich wünschen könnte. Die gut 11 km haben wir sehr gut, inklusiver kleiner Umwege und einer Pause, in etwa 3 Stunden absolviert.

Wer Oberhausen einmal abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten entdecken möchte, findet hier eine Wanderung, die Geschichte, Natur und Strukturwandel auf besonders abwechslungsreiche Weise miteinander verbindet.

Links: Offizielle Beschreibung bei Ruhr Tourismus

Urban Trail Mülheim: Eine Rundtour durchs Revierleben – mit Streetart, Klosteridylle und einem Geheimtipp am Ende

Im Frühsommer 2026 habe ich den Urban Trail Mülheim an der Ruhr gegen den Uhrzeigersinn erwandert. Noch ohne die offiziellen gelben Wegweiser, dafür mit einem GPS-Track im Navi und einer großen Portion Neugier. Was folgte, war ein perfekter Mix aus Stadt, Natur und Industriegeschichte – eine Wanderung, die beweist, dass das Ruhrgebiet viel mehr ist als seine Klischees.

Die Tour im Überblick

  • Strecke: Rundwanderweg, ca. 12 km
  • Dauer: 3 bis 4 Stunden (mit Pausen und kleinen Abstechern)
  • Schwierigkeit: Leicht, durchgehend feste Wege
  • Start & Ziel: Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr
  • Besonderheit: Rundtour – ihr kommt bequem dort wieder an, wo ihr begonnen habt
  • Mein Tipp: Lauft sie gegen den Uhrzeigersinn. Der Blick auf die Ruhr und die Altstadt entfaltet sich so am schönsten.

Start in der Bahnhofsnähe: Streetart statt Schotter

Der Trail beginnt unweit des Mülheimer Hauptbahnhofs. Schon nach wenigen Metern entdeckt man die ersten eindrucksvollen Streetart-Werke, die dem Urban Trail seinen Namen geben. Es geht ein kurzes Stück parallel zu den Gleisen, bevor die Route an einer vielbefahrenen Hauptstraße entlangführt. Keine Sorge – das ändert sich schnell.

Street Art zum Start - gesprühter Gorilla
Etwas Street Art zum Start

Vom ehemaligen Café Commercial zum Radschnellweg RS1

Bald biegt der Weg ab und führt am ehemaligen Café Commercial vorbei, wo heute das Cafe Ccino ein neues Leben führt. Weiter geht es Richtung Rathausmarkt, wo ebenfalls ein kleines Café zum Verweilen einlädt. Doch wir steigen die Treppe zur alten Bahnbrücke hinauf – ein Stück des inzwischen legendären Radschnellwegs RS1. Der Ausbau dieses Vorzeigeprojekts stockt leider seit Jahren, was verwundert, wenn man bedenkt, welches Potenzial hier schlummert. Aber gut: Wir sind zu Fuß unterwegs und haben davon weniger Nachteile.

Rathausturm Mülheim
Rathausturm Mülheim

Über die Ruhr in die Müga

Auf der anderen Ruhrseite geht es hinab in den Stadthallengarten. Zumindest war das so, bevor aus unerfindlichen Gründen eine Renovierung für die IGA 2027 begann – zum Zeitpunkt meiner Wanderung eine Baustelle, die einen kleinen Umweg nötig machte. Über diesen Umweg gelangt man aber dennoch auf das ehemalige MÜGA-Gelände (Mülheimer Landesgartenschau). Links liegt das malerische Schloss Broich (ein kurzer Abstecher lohnt sich), rechts die ehemalige Mülheimer Volkshochschule, deren Sanierung die Stadtpolitik trotz erfolgreichen Bürgerbegehrens bislang verweigert.

Brunnen in der Müga
Brunnen in der Müga

Der Weg durch die Müga ist jedoch wunderbar gewählt: Ein bewachsener Bogengang führt vorbei an Brunnen und plätschernden Wasserläufen in Richtung der Camera Obscura – der größten ihrer Art weltweit. Wer hier die Vorführung im alten Wasserbehälter oben mitmacht, bekommt ein extrem eindrucksvolles Erlebnis geschenkt. Auf keinen Fall auslassen!

Camera Obskura im alten Wasserturm
Camera Obskura im alten Wasserturm

Von der Alten Dreherei zurück zur Ruhr

Nun geht es ein Stück auf dem RS1 bzw. parallel dazu zur Alten Dreherei, vorbei an der Mülheimer Feuerwache und der Hochschule Ruhr West. Oben auf der Duisburger Straße macht der Weg kehrt und führt zurück Richtung Ruhr. Dieser Abschnitt entlang des Flusses bietet einen herrlichen Blick auf die Mülheimer Innenstadt, den Wasserbahnhof und das Ruhr-Tal an sich. Zwischendurch kann man noch Blicke auf Häuserfassaden aus der Jahrhundertwende erhaschen, bevor der Weg auf einen ruhigen Spazier- und Radweg an der Ruhr mündet.
Hier liegt auch das FAIR1-HEiM, ein nachhaltiges Café, das sich für eine kurze Rast anbietet.

Skurriles Detail auf dem Weg: Der Immer Auf Kiosk scheint für Immer geschlossen zu sein.
Skurriles Detail auf dem Weg: Der Immer Auf Kiosk scheint für Immer geschlossen zu sein.

Dorf Saarn und das Kloster

Kurz darauf erreicht man das „Dorf Saarn“. Wer die Mülheimer Innenstadt in den letzten Jahren etwas vermisst hat, wird hier fündig: Die Geschäftsstraße hat mittlerweile mehr Flair und Angebote als die Innenstadt. Kleine Boutiquen, Cafés und Bäckereien laden zum gemütlichen Flanieren ein.

Eingang ins Kloster Saarn
Eingang ins Kloster Saarn

Die nächste Station ist das Kloster Saarn. Der Weg durch den Klostergarten und den Park ist so idyllisch, dass man fast vergisst, mitten im Ruhrgebiet zu sein. Im Klostercafe könnte man theoretisch den nächsten Kaffee-Pause einlegen – aber man kann ja nicht überall Halt machen. Tipp: Plant eure Pausen sorgsam, es gibt zu viele gute Gründe für einen Stopp!

Über das Wehr und die blaue Brücke

Hinter dem Kloster führt der Weg auf eine ehemalige Bahntrasse, die heute als Wander- und Radweg genutzt wird (auch Teil des Ruhrtal-Radweges). Zurück in den Saarner Auen geht es an der Ruhr entlang, bis das Kahlenbergwehr überquert wird. Wer sich an das Hochwasser des Jahres 2021 Jahre erinnert, dem dürfte die Geschichte der Moornixe ein Begriff sein – das alte Fahrgastschiff wurde damals durch das Wehr gezogen (YouTube). Heute erinnert das Wrack als Dekoration an einen Café-Bereich in Essen-Steele daran.
Nach der blauen Florabrücke geht es ein paar Höhenmeter nach oben. Von hier bietet sich ein erhabener Blick auf die zuvor durchwanderten Ruhrauen mit Saarn im Hintergrund – ein Moment, in dem man innehalten und das Revier von oben betrachten sollte.

Ausblick auf die Ruhrauen

Bismarckturm, Max-Planck-Institut und der Rosengarten

Mein GPS-Track führte mich ungewöhnlicherweise am alten Bismarckturm vorbei. Ob er inzwischen in der offiziellen Markierung enthalten ist, weiß ich nicht – aber es wäre ein Glücksgriff, denn der Turm ist eine der wenigen alten Landmarken der Stadt und definitiv sehenswert.

Imposanter Altbau des MPI
Imposanter Altbau des MPI


Danach geht es über Straßen zum Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Kurz darauf verläuft der Weg auf einem schmalen Grünstreifen, der in den Catho-Wenzel-Park leitet. Hier lohnt ein kleiner Abstecher in den Rosengarten. Wer genau hinsieht, entdeckt dort die abgerissenen Füße einer Statue, deren Originale wegen Diebstahlgefahr inzwischen in der Mülheimer Stadthalle untergebracht sind. Eine skurrile Geschichte – googelt einfach mal „Rosengarten Mülheim Statue“.

Die Füße der Flora Statue
Die Füße der Flora Statue


Weiter geht es durch die Freilichtbühne, wo im Sommer regelmäßig Open-Air-Konzerte und andere Kulturveranstaltungen stattfinden. Vorbei am Altstadt-Friedhof, auf dem auch Mitglieder berühmter Industriellenfamilien wie Stinnes und Thyssen ihre letzte Ruhe gefunden haben, schlängelt sich der Weg zurück in die Stadt.

Wallviertel und Ziel

Zum Schluss führt der Trail durch die alte Fachwerk-Altstadt und ins moderne Wallviertel mit seinen kleinen Cafes und Restaurants . Nach wenigen Schritten steht man wieder am Hauptbahnhof. Eine perfekte Rundtour, die keine langen Anfahrten oder komplizierte Rückfahrten nötig macht.

Meine persönlichen Highlights

  1. Camera Obscura – Die Vorführung im Wasserturm ist einzigartig und eines der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt.
  2. Der Blick vom Kahlenbergwehr zurück auf Saarn und die Auen – Ruhrromantik pur.
  3. Der Rosengarten mit seiner skurrilen Statuen-Geschichte – typisch Mülheim, typisch Ruhrgebiet.
  4. Dorf Saarn – Wer hätte gedacht, dass man mitten im Pott so dörflich flanieren kann?
  5. Streetart am Start – Der Trail beginnt mit Kunst statt mit Anstrengung. Das setzt den Ton.

Praktische Tipps für eure Wanderung

  • Navigation: Zum Zeitpunkt meiner Wanderung waren die gelben Wegweiser noch nicht montiert. Ladet euch den GPS-Track vorab auf euer Handy oder Navigationsgerät – dann läuft es sich stressfrei.
  • Pausenplanung: Es gibt mindestens fünf gute Gründe für einen Stopp (Ccino, Camera Obscura, FAIR1-HEiM, Kloster-Café, Wallviertel). Plant also Zeit ein.
  • Radweg RS1 und Ruhrtalradweg: Der Trail nutzt Teile des Radschnellwegs. Achtet auf Radfahrer, besonders an Wochenenden.
  • IGA 2027: Der Stadthallengarten und Teile der Müga können noch bis 2027 Baustellen sein. Der offizielle Trail ist aber trotzdem gut begehbar.

Fazit

Der Urban Trail Mülheim ist keine anspruchsvolle Bergtour, sondern eine Geschichts- und Genusswanderung. Er verbindet auf kurzer Distanz Industriekultur, Klosteridylle, urbane Szene und Flussromantik. Dass Start und Ziel am gleichen Ort liegen, macht die Tour unkompliziert. Wer das Ruhrgebiet neu entdecken oder seine Heimat mit anderen Augen sehen möchte, sollte diesen Trail auf seine Liste setzen.

Link: Urban.Trail – Mülheims Zeit.Reise auf der Webseite der Ruhr Tourismus GmbH

Vergleich Xiaomi-Scooter M365 – S1 – Pro 2

Da ich bei diversen Ausfahrten mit meinem Xiaomi Mi Electric Scooter Pro 2 schon mehrfach angesprochen wurde, wo die Unterschiede zum schon lange verfügbaren Modell M365 sind, habe ich auf dieser Seite einmal die Spezifikationen der Roller zusammengestellt. Entscheidend für Fahrer in Deutschland dürfte jedoch sein, dass die im Juli 2020 in den Verkauf gegangenen Modelle S1 und Pro2 eine Straßenzulassung in Deutschland haben. Da Vorgängermodell M365 verfügt nicht über diese Zulassung für den Straßenverkehr und darf somit nicht legal im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden.

Die Modelle S1 und Pro 2 dürfen aufgrund der vom Kraftfahrtbundesamt erteilten allgemeinen Betriebserlaubnis im öffentlichen Straßenverkehr gefahren werden, wenn sie entsprechend versichert sind und der Fahrer über die geeigneten Voraussetzungen verfügt.

Hier also eine Gegenüberstellung der Eigenschaften der gängigsten Xiaomi E-Scooter mit dem Herstellerangaben, für deren Richtigkeit ich natürlich keine Garantie geben kann:

KurzbezeichnungPro 2S1M365
ModellMi Elektroroller Pro2
DDHBC07NEB
Mi Elektroroller S1
DDHBC06NEB
Mi Elektroroller M365
XM110001
Abmessungen L * B * H (cm)
eingeklappt (cm)
114 * 43 * 118
114 * 43 * 49
108 * 43 * 114
108 * 43 * 49
108 * 43* 114
108 * 43 *49
BremsenE-ABS und
Scheibenbremse
E-ABS und
Scheibenbremse
Scheibenbremse
Nettogewicht (in kg)ca. 14,2ca. 12,5ca. 12,5
Max. Traglast (kg)100100100
Höchstgeschwindigkeit (km/h), ca.202025
Reichweite (km), ca.40 [1]30[2]30[2]
max. Steigwinkel in %, ca.201414
AkkutypLithium-IonenLithium-IonenLithium-Ionen
AkkumodellNED1004-KNE1003-H
Batterielebensdauer (Ladezyklen)500 500
Nennkapazität (Wh)474275280
Ladezeit (Std., h)5,55,5
Radmotor Nennleistung (kw; W)0,3; 3000,3; 3000,25; 250
Max. Leistung (kw; W)0,6; 6000,6; 6000,5; 500
Reifengröße8,5 Zoll(21,6cm)8,5 Zoll(21,6cm)8,5 Zoll(21,6cm)
Straßenzulassung in D
StVZO-konform
jaja nein
[1] lt. Herstellerangabe gemessen bei Windstille und 25°C, voll geladenem Akku und einer gleichmäßigen Fahrgeschwindigkeit von 12km/h auf glatter Oberfläche und einer Beladung von 75kg
[2] lt. Herstellerangabe gemessen bei 75kg Traglast und 25°C, Windstille und auf ebener Straße im Fußgängermodus bei konstanter Geschwindigkeit von 15km/h

Aufgrund der fehlenden Straßenzulassung des Xiaomi M365 ist ein Kauf dieses Modells für für den Einsatz in Deutschland objektiv nicht mehr zu empfehlen. Die Modelle S1 und Pro 2 unterscheiden sich in den Parametern Abmessungen und Gewicht nur sehr wenig. Der deutlichste Unteschied der beiden Elektroroller liegt wohl in beim Akku, der beim Modell Pro 2 etwas größer dimensioniert ist, was sich in dann einer höheren Reichweite und ein etwas besseren Steigungfähigkeit widerspiegelt.

Ich selbst habe mich für den Xiaomi Mi Electric Scooter Pro 2 entschieden und meine ersten Erfahrung mit diesem Kleinstfahrzeug für die letzte Meile auf hier beschrieben. Die Versicherung für mein erstes Jahr (Anmeldung im Juli 2020) liegen übrigens bei nur 18,50 EUR.

Übernachtung im Kanalrohr

dasParkhotel - Ottensheim - Kanalrohr
das Parkhotel Ottensheim – Österreich

Auf dem Teilstück meiner Donauradtour von Passau nach Linz kam ich am späten Nachmittag an einem kleinen Park vorbei. Dort entdeckt ich plötzlich etwas, dass mir auf meinen Heimattouren im Ruhrgebiet schon einmal gesehen hatte. Auf der Wiese im Park waren einige riesige Kanalrohrsegmente aufgestellt. Ich schaute mir diese Rohre einmal genauer an – und tatsächlich, auch diese Rohre besaßen kleine Fenster auf ihrer Oberseite und eine Türe auf der Vorderseite. Die Beschriftung verwies auf die Webseite dasparkhotel.net. Da ich die Rohre im Bottroper Bernepark schon immer ziemlich skuril fand, und sie auf meiner Webseite auch schon vorgestellt habe, beschloss ich mir das Webangebot einmal spontan anzusehen.

Es stellte sich heraus, dass ich hier wahrhaftig völlig zufällig auf das Schwesterprojekt dasParkhotel Ottensheim gestossen bin, welches von dem österreichischen Künstler Andreas Strauss gestaltet wurde. Da ich ohnehin noch keine feste Übernachtungsmöglichkeit für die Nacht gebucht hatte, habe ich kurzerhand beschlossen, spontan eine Buchung für die Nacht zu probieren. Ich hatte Glück, nach einem kurzen SMS-Chat mit dem lokalen Hotelbetreuer war die Buchung gesichert und ich bekam per SMS einen Zugangscode mit dem welchem ich mein Kanalrohr ab 17:00 Uhr betreten können sollte.

Sanicontainer Parkhotel Ottensheim
Parkhotel Ottensheim – Sanitär-Rohr

Das Rohr ist wirklich sehr minimalistisch eingerichtet. Es gibt eine große Liegefläche, eine Lampe, eine Steckdose (gut zum Laden von Akkus), und eine kleines Regal sowie reichlich Stauraum unterhalb des Betts. Das ist doch alles was mach braucht, bedeutet aber auch: vielmehr als Schlafen kann man in so einer umgefallenen „Dose“ nicht machen. Kurzerhand habe ich mich dann im dem kleinen Biergarten unterhalb der Kanalrohre verpflegt und anschließend noch meine Hängematte in den umstehenden Bäumen aufgespannt, um so nach den vielen geradelten Kilometern noch etwas lesend zu relaxen.

Ausblick - Kanalhotel - Parkhotel Ottensheim
Blick nach oben

Geschlafen habe ich in dem Kanalrohr wie ein Murmeltier, was aber auch fehlenden Ablenkungen und an der ruhigen Umgebung gelegen haben kann. Die lange Radfahrt des Tages wird ihr übrigens getan haben. Vor dem Schlafengehen habe ich jedoch noch einmal einen der beiden separaten Sanitärcontainer zum Duschen und Waschen genutzt. Auch diese Container werden mit einem Zugangscode geöffnet und stehen somit exklusiv den Hotelgästen des Parkhotels zur Verfügung. Allerdings muss man sagen, dass dieses rustikale in Edelstahl gehaltene Ambiente eher mit einer Campingübernachtung als mit luxuriösen Hotelübernachtung zur vergleichen ist.

Foto - Parkhotel Ottensheim - Sanicontainer
Sanitärrohr -Innenansicht

Geweckt wurden ich leider schon am sehr frühen morgen, denn so kurz nach sechs Uhr meinten die Landsschaftsgärtner in der Umgebung des Parkhotels Ottensheim den Rasen mit Motorsensen und lauten Mähern kürzen zu müssen. Das war wohl eher Pech, denn die Gärtner werden wohl nicht jeden Tag vorbeikommen. Auch das Pärchen im Nachbarhotelrohr wurde so früh geweckt und wir konnten noch einen kurzen Plausch halten. Sie waren ebenfalls spontan eingezogen, hatten den Betreuer der Hotels zufällig kennengelernt und nach einer Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe gefragt. Darauf hatte er ihnen das Parkhotel des Ortes empfohlen. Sie meinten, dass sie eigentlich etwas anderes vorgestellt hatten, am Ende war es aber doch eine einmaliges Erlebnis, von dem sie noch viel erzählen werden.

Parkhotel Ottensheim - das Innere
Ein Blick in das Innere des Parkhotels

Das Hotel im Kanalrohr weist übrigens noch eine seltene Besonderheit auf: es gibt keinen festen Preis und die Gäste können selbst entscheiden, wieviel ihnen diese aussergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit wert ist. Im Hotelrohr liegt eine kleine Dose, in welcher man einen Eurobeträg hinterlässt, den man sich leisten kann und mit dem man das Projekt und seine Helfer unterstützen möchte.

Parkhotel Ottensheim - Kanalhotel
Hotel – Kanalrohre am Donauradweg

Maker Faire Ruhr 2016

An diesem Wochenende hat zum ersten Mal die  Maker Faire Ruhr im Dortmunder DASA stattgefunden. Ich war nur am Samstag dort, um mal wieder die erstaunlichen Technik- und DIY-Basteleien vieler sehr engagierter Hobbytüftler zu sehen. Es hat großen Spaß gemacht, an den im passendem Museum verteilten Ständen die Präsentationen der verschiedensten Projekte zu sehen und die Maker mit Detailfragen zu ihren Arbeiten zu löchern. Wirklich interessante Workshop- und Vortragsangebote rundeten das Rahmenprogramm perfekt ab. Insbesondere für Kinder gab es zahlreiche darüber hinaus noch viele weitere kleinere Mitmach- und Bastelprojekte, die bestimmt für einen spannenden und kreativen Tag gesorgt haben dürften.

Midi/OSC realtime WIFI Traubenpiano

Midi/OSC realtime WIFI Traubenpiano

Und natürlich konnte man zwischendurch  auch noch die sehr schöne Ausstellung der DASA besuchen und sich über breite Palette der Arbeitswelt (früher und aktuell) informieren (hat mich wirklich sehr positiv überrascht und dort findet sich bestimmt für jeden etwas Neues zu sehen).

r2builder

steampunk_vehicle

Daneben gab es noch eine angemessen große Steampunk-Ausstellung, welche in einer sehr adäquaten Museumkulisse  richtig schöne Technik-Nostalgie zeigte.

Verglichen mit der der sehr überlaufenen Maker Faire Hannover im letzten Jahr, ging es im Ruhrgebiet etwas ruhiger zu. Doch die Location fand ich um Klassen besser. Allerdings fehlten im Ruhrgebiet noch etwas die Outdoor-Projekte (Quadrocopter, Fahrzeuge, etc.), die mich in Hannover manchmal sehr schmunzeln ließen.

Be a maker!

steampunk_vehicle2

Red Bull Airrace – Budapest 2015

Auf meinem Weg zum Gellerthügel bemerkte ich am Himmel erstaunlich tief fliegende Flugzeuge, die mit ziemlichen Krach kleine Kunststücke am Himmel vollbrachten. Später merkte ich dann, dass diese immer wieder zu einem Tiefflug in Richtung Kettenbrücke über der Donau absanken und noch etwas später – als ich dann vom Hügel endlich auch die Donau erblicken konnte, stachen die roten Pylonen auf dem Fluss regelrecht hervor. Da dämmerte es so langsam, dass ich wohl richtig Glück hatte, und hier an diesem Wochenende das bekannte Red Bull Airrace stattfinden musste.

redbull_airrace_01Bei einer weiteren Wanderung entlang der Donau bestätigte sich diese vage Vermutung und so konnte ich am Freitag das Training und an den folgenden Tage das reguläre Programm der Flugveranstaltung bewundern.

Es war wirklich unheimlich beeindruckend, was die Piloten bei diesem Rennen nur wenige Meter über der Wasserfläche aus ihren Maschinen geholt haben. Kurze 180-Grad Wendemanöver, die einem beim Zuschauen schon ein bißchen Angst machten und befürchten liessen, dass die Maschine vielleicht doch einmal aus ihrer geplanten Flugbahn ausbrechen könnte. Loopings, Auf-dem-Kopfflüge, bei denen man sich erstaunt fragt, wie so etwas physikalisch möglich und wie die Piloten bei diesen schnellen Manövern noch die wissen können, wo oben und wo unten ist. Garniert wurde das Ganze noch doch das Unterfliegen der berühmten Budapester Kettenbrücke und einem schnellen steilen Hochziehen der Maschinen nach dem Beenden den Pacours um eine Kollision mit eben dieser Brücke zu vermeiden.

redbull_airrace_03

Flugzeug unter der Brücke!

Neben den eigentlichen Rennen wurde die beiden Race-Tage weiterhin durch ein ebenso interessantes flug-dominiertes Rahmenprogramm mit Hubschraubern, historischen Flugzeugen und Kampfjets geboten. Auch hier wurden die Maschinen im Tiefflug über die Donau und insbesondere die Helikopter mit fast unglaublichen Flugmanövern präsentiert.

redbull_airrace_02Bei dieser Flugshow musste ich aber auch an meinen ersten Budapest-Besuch in den 80er Jahren denken. Damals sind wir zum ungarischen Nationalfeiertag in der Haupstadt gewesen und in diesem Rahmen wurde auch eine Parade auf der Donau durchgeführt. Damals – noch vor dem Fall des eisernen Vorhangs – war das natürlich fast ausschließlich militärisch geprägt. Heute dagegen – vielleicht ist das die sichbarste Errungenschaft der Öffnung nach Westen – war es eine extrem kommerzielle Veranstaltung, was sich im schon in ihrem Namen und die unzählichen Werbeaufdrucke auf den Flugmaschinen zeigte. Aber einer muss das Ganze ja bezahlen.

Insgesamt war es eine wirklich tolle und beeindruckende Veranstaltung.

Solarphotos – Versuch 1

Nachdem ich vor längerem einmal einen Artikel über Solargraphy gelesen hatte, wollte ich es auch einmal selbst ausprobieren. Ich muss zugeben, richtig viel kann man auf dem Ergebnis nicht erkennen. Doch eine gewissse Ähnlichkeit mit den Bildern auf der verlinkten Webseiten ist nicht zu verleugnen. Offensichtlich kann man die Bahnen der Sonne im Installationszeitraum (gut 6 Monate von Dezember 2013 bis Juni 2014) erkennen. Insgesamt hatte ich im Dezember vier Lochkameras versteckt, zwei sind leider rechtzügig verloren gegangen.

Das Bild unten entstand am Gasometer in Oberhausen. Die Lochkamera war an einem Baum installiert. Offensichtlich wurden dort jedoch im Zeitablauf Baumschneidearbeiten durchgeführt. Netterweise haben die Arbeiter die Dose an einem einzelnen Zweig stehenlassen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie aus Neugier hereingeschaut haben und die Dose anschließend leicht modifiziert wieder zurückgesetzt haben. Das könnte die leichte Verschiebung im Bild erklären. Weitere Interpretationen sind herzlich willkommen.

 

solar_gasometer_invert

Das zweite Bild entstand in der Nähe des Oberhauseners Centros. Auch hier sind zumindest die Sonnenbahnen gut erkennbar.

solar_centro

 

 

 

 

 

Hier wurde der Baum komplett frisiert, nur meine Lochkamera hat man freundlicherweise stehen gelassen.

Hier wurde der Baum komplett frisiert, nur meine Lochkamera hat man freundlicherweise stehen gelassen.

Ein weiterer Link:

Tarja Trygg´s website of The Global Project Of Solargraphy

 

Filmtip: Pina auf Arte

Heute abend werden auf arte zwei Filme über/mit Pina Bausch gezeigt. Der vielfach ausgezeichnete Film ‚Pina‘ von Wim Wenders zeigt auch einige sehr schöne Orte im Ruhrgebiet, so wird zum Beispiel auf der Halde Prosper Haniel, auf Zeche Zollverein und an einigen sehenswerten Plätzen in Wuppertal getanzt. Sehr eindrucksvoll und ein absoluter Tip! Wer es verpasst hat, kann den Film noch einige Tage in der Arte-Mediathek abrufen und online anschauen.