Urban Trail Bochum – Bergbau, Street Art und echtes Ruhrgebiet

Der Urban Trail Bochum ist diesmal keine Punkt-zu-Punkt-Wanderung, sondern ein klassischer Rundweg. Im Prinzip kann man an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Da die Route auch den Bochumer Hauptbahnhof berührt, ist sie zudem hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Ich bin den Trail Anfang August 2026 vom Hauptbahnhof aus gegen den Uhrzeigersinn gelaufen. Den GPS-Track hatte ich auf mein Wander-GPS geladen und bin der vorgegebenen Strecke ziemlich genau gefolgt.

Die gelben Markierungszeichen waren bei meiner Wanderung bereits an vielen Stellen vorhanden, allerdings offenbar noch nicht vollständig. Ich würde deshalb auch hier empfehlen, zur Sicherheit mit GPS-Gerät oder einer Navigations-App wie komoot unterwegs zu sein. Den Track und die Route kann man über die unten verlinkte Seite von Ruhr Tourismus herunterladen.

Was mir auf dieser Tour besonders gefallen hat: Bochum zeigt sich hier nicht als perfekt herausgeputzte Sehenswürdigkeitenstadt, sondern als ziemlich authentische Mischung aus Bergbau- undd Stahlgeschichte, Stadtleben, Street Art, Parks, Arbeitersiedlungen und ganz normalem Ruhrpott-Alltag.

Vom Hauptbahnhof mitten hinein ins Stadtleben

Direkt nach dem Verlassen des Hauptbahnhofs geht es zunächst mitten hinein in die Bochumer Innenstadt. Die Fußgängerzone bietet dabei gleich eine große Auswahl an Cafés und Bäckereien. Wer vor der Wanderung noch ein Frühstück oder einen Kaffee benötigt, hat hier also die Qual der Wahl.

Am Dr.-Ruer-Platz biegt die Route ab und führt vorbei an der Pauluskirche zum Platz am Kuhhirten. Schon hier begegnet einem ein Thema, das mich auf der gesamten Tour immer wieder begleitet: Street Art.

Am Treppenabgang befindet sich ein Mural der Kölner Künstlerin metraeder, deren charakteristische Gitterstruktur man hier sehr gut erkennen kann.

Weiter geht es vorbei an St. Peter und Paul und am Gerberviertel in Richtung Nordring. Nach der Unterquerung der Bahnstrecke geht es über einige Stufen hinauf – und plötzlich steht man vor einem der markantesten Gebäude Bochums.

Planetarium: Eine Reise zu den Sternen

Das Bochumer Planetarium ist schon von außen beeindruckend. Der markante Kuppelbau wurde als Big Beautiful Building ausgezeichnet und beherbergt eines der meistbesuchten Sternentheater Europas.

Wer Zeit mitbringt, sollte die Gelegenheit nutzen und eine Vorstellung besuchen. Während einer Wanderung lässt sich zwar nur ein kurzer Blick auf das Gebäude werfen, aber der Gedanke, mitten in Bochum in fremde Galaxien reisen zu können, passt irgendwie perfekt zu diesem ungewöhnlichen Bau.

Die Route führt anschließend an der Bochumer Synagoge vorbei in den großen Stadtpark.

Stadtpark und Bismarckturm

Der Bochumer Stadtpark ist eine angenehme Überraschung. Die weitläufige Anlage mit alten Bäumen, Teich, Fontäne und kleinem Wasserfall vermittelt fast den Eindruck, die Großstadt sei plötzlich weit entfernt.

Bei meiner Wanderung im August 2026 wurde allerdings an mehreren Stellen gerade kräftig renoviert. Teilweise war nicht ganz klar, ob man die neu angelegten Wege bereits betreten durfte. Absperrungen oder ausdrückliche Verbotsschilder waren allerdings nicht zu sehen.

Ein markanter Punkt im Park ist der alte Bismarckturm. Mit seinen 33 Metern ist er der höchste Bismarckturm in Nordrhein-Westfalen.

Von dort führt der Weg am idyllischen Teich entlang und anschließend wieder hinaus in Richtung Freiligrathstraße.

Durch Schrebergärten zum Bergbau-Museum

Nach einigen sehenswerten alten Stadthäusern biegt die Route in eine typische Ruhrgebiets-Kleingartenanlage ab.

Ich mag solche Passagen bei Urban Trails besonders. Die Kleingärten sind eben nicht nur ordentlich angelegte Beete, sondern häufig kleine persönliche Welten. Zwischen Blumen, Gemüsebeeten und Gartenlauben entdeckt man immer wieder skurrile Dekorationen und witzig kreative Ideen der Besitzer.

Am anderen Ende der Anlage zeichnet sich bereits das nächste große Ziel ab: das markante Fördergerüst des Deutschen Bergbau-Museums.

Das Museum gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bochums und ist das größte Bergbaumuseum der Welt. Besonders das Anschauungsbergwerk ist ein Erlebnis. Nach wenigen Minuten unter Tage entsteht tatsächlich das Gefühl, sich in einem echten Bergwerkstollen zu befinden.

Wer den Urban Trail mit einem Museumsbesuch verbinden möchte, sollte dafür allerdings entsprechend Zeit einplanen.

Bochum wird alternativ

Hinter dem Bergbau-Museum verändert sich die Umgebung erneut. Die Route führt in ein städtisches Viertel mit deutlich alternativem Einschlag.

Wir passieren unter anderem die Quartiershalle in der KoFabrik, die als offener Ort für die Nachbarschaft gedacht ist. An der Ecke zur Windmühlenstraße fällt ein gut besuchtes Café auf. Für eine Pause scheint mir das eine interessante Möglichkeit zu sein.

Anschließend geht es durch den Apollonia-Pfaus-Park und über kleinere Stadtwege vorbei am Gesundheitsamt und der Christuskirche zum Platz des Europäischen Versprechens.

Und wieder lohnt es sich, aufmerksam zu sein.

An der Fassade des Restaurants DeFermo befindet sich eine inzwischen etwas verwitterte Erinnerungstafel, die an eine frühe Braustätte Bochums erinnert.

Ein Manta-Rochen an der Schlegel-Brauerei

Nur wenige Meter weiter wartet ein besonders ungewöhnliches Bochumer Motiv: ein riesiger Manta-Rochen von Denis Klatt.

Das Gebäude gehörte einst zur Schlegelbrauerei. Der Manta ist dabei mehr als nur ein schönes Wandbild. Er spielt auch auf den legendären Opel Manta an – jenes Kultauto, das im Bochumer Opelwerk produziert wurde und durch den Film Manta, Manta! endgültig zum Ruhrgebiets-Klischee avancierte.

Hier treffen auf wenigen Quadratmetern gleich mehrere Bochumer Geschichten aufeinander: Bier, Autos, Industrie und Popkultur.

Street Art auf dem Weg zum Westpark

Die Route verlässt nun langsam das unmittelbare Stadtzentrum. An der Ecke Diekampstraße/Schmidtstraße befindet sich ein weiteres sehenswertes Mural von Martin Bender.

An der Alleestraße gibt es noch einmal Gelegenheit, Getränke oder Proviant einzukaufen. Außerdem finden sich entlang dieses Abschnitts einige Cafés.

Nach der Überquerung der Straße geht es leicht bergauf in den Westpark.

Industriekultur im Westpark

Der Westpark liegt auf dem Gelände des ehemaligen Bochumer Vereins, und hier ist nicht der Vfl gemeint, sondern ein ehemals bedeutender Montankonzern. Heute ist daraus ein großzügiger Landschafts- und Erholungspark geworden.

Im Mittelpunkt steht die Jahrhunderthalle Bochum.

Der Kontrast ist beeindruckend: Wo früher schwere Industriearbeit stattfand, finden heute Konzerte, Festivals und andere Kulturveranstaltungen statt. Der Urban Trail führt praktisch einmal um den Gebäudekomplex herum.

Man muss allerdings gar nicht viel Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, wie anders dieser Ort früher ausgesehen und angefühlt haben muss. Die erhaltenen Industriegebäude sind die sichtbaren Überreste einer Zeit, in der Bochum noch wesentlich stärker von Stahl und Schwerindustrie geprägt war.

Am Josef-Anton-Gera-Platz wartet dann schon wieder ein völlig anderes Motiv: ein riesiges Mural an einer Hauswand.

Arbeitersiedlung Stahlhausen

Nach einer weiteren Überquerung der Alleestraße führt der Weg in die ehemalige Arbeitersiedlung Stahlhausen.

Die roten Backsteinhäuser mit ihren teilweise auffälligen Fliesenverzierungen vermitteln einen guten Eindruck davon, wie die Wohnwelt der Arbeiter früher aussah.

Durch die Siedlung geht es über einen ungewöhnlich gestalteten Spielplatz weiter in Richtung Springerplatz. Besonders die Spielgeräte sind hier einen genaueren Blick wert.

Wer an einem Freitagnachmittag unterwegs ist, hat am Springerplatz zudem eine weitere attraktive Pausenmöglichkeit: Dann findet dort der Moltkemarkt statt, auf dem neben klassischen Marktangeboten auch zahlreiche Streetfood-Stände zu finden sind.

Ein Haus voller Street Art

An der Ecke Annastraße/Springerplatz wartet ein weiteres meiner persönlichen Highlights der Tour.

Ein komplettes Haus ist mit unterschiedlichen Murals gestaltet, die von verschiedenen Street-Art-Künstlern stammen. Ich würde hier nicht einfach vorbeilaufen, sondern das Gebäude einmal umrunden. Die unterschiedlichen Stilrichtungen und Techniken kommen erst richtig zur Geltung, wenn man die verschiedenen Seiten betrachtet.

Überhaupt entwickelt sich Street Art auf diesem Urban Trail zu einer Art rotem Faden. Fast hinter jeder nächsten Ecke scheint wieder ein neues Wandbild aufzutauchen.

Bermudadreieck: Bochums berühmtes Nachtleben

Im weiteren Verlauf geht es wieder Richtung Innenstadt. Vor uns taucht die ehemalige St.-Marien-Kirche auf, deren ungewöhnliche Form auf Fotos fast ein wenig an eine Rakete erinnert.

Direkt daneben liegt das Anneliese Brost Musikforum Ruhr.

Die Route führt anschließend über den Kerkweg direkt ins Bermuda3Eck.

Das berühmte Bochumer Ausgehviertel ist ein ziemlicher Kontrast zu den vorherigen Abschnitten. Statt Schrebergärten, Arbeitersiedlungen und Industrieanlagen gibt es hier Kneipen, Restaurants, Bars und jede Menge Menschen.

Wer eine Pause braucht, findet hier natürlich unzählige Möglichkeiten.

Und selbstverständlich darf auch ein Stück Ruhrgebietskultur nicht fehlen: die Currywurst – nicht zuletzt durch Herbert Grönemeyers musikalisch verewigt.

Mein Street-Art-Profi-Tipp

Wer etwas Zeit hat, sollte das Bermuda3Eck nicht einfach nur oberirdisch durchqueren. Ein Abstecher in die U-Bahn-Station Bermuda3Eck/Musikforum lohnt sich.

Die Station ist fast eine unterirdische Street-Art-Galerie. Die Arbeiten von Denis Klatt verwandeln den Bahnhof in eine bizarre Unterwasserwelt der Bermuda Islands. Für mich ist das eine der ungewöhnlichsten Stellen der gesamten Tour.

Ehrenfeld: authentisches Bochum

Nach dem Bermudadreieck geht es wieder unter der Bahnüberführung hindurch. Dahinter liegt die Königsallee, die spätestens seit Herbert Grönemeyers Bochum ebenfalls einen festen Platz in der Stadtkultur besitzt.

Die Route biegt allerdings in die Alte Hattinger Straße ab und führt in das lebendige Viertel Ehrenfeld.

Hier zeigt sich Bochum noch einmal von seiner sehr eigenen Seite. Große Wandbilder, kleine Läden, Gastronomie und eine teilweise etwas schräge Nachbarschaftskultur sorgen für eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist.

Manchmal grüßt sogar ein Skelett mit Frosch als Fensterstopper die vorbeilaufenden Passanten.

Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine Pause oder einen spontanen Abstecher.

Noch einmal Street Art – wieder unter Tage

In Richtung Schauspielhaus kann man sich wieder entscheiden: oberirdisch weitergehen oder einen Teil des Weges durch die U-Bahn-Station nehmen.

Ich würde die zweite Variante zumindest einmal ausprobieren.

An den zur Königsallee gelegenen Abgängen zur U-Bahnstation Schauspielhaus befinden sich weitere große Sprühkunstwerke von Denis Klatt, diesmal thematisch passend zum Schauspielhaus.

Das Schauspielhaus Bochum selbst war während meiner Wanderung im August 2026 eingerüstet. Die Sanierung soll bald abgeschlossen sein. Momentan erinnerte das Gebäude deshalb eher an eine temporäre Christo-Installation – die ursprüngliche Architektur lässt sich aber erahnen.

Ein Pottwal zum Abschluss

Über die Taubenstraße geht es weiter durch Wohngebiet. Unterwegs wartet noch ein riesiges Rotkehlchen auf einer Hauswand.

Danach führt die Route durch einen neu angelegten Pocket-Park mit einigen Sitzgelegenheiten.

Und dann kommt das große Finale.

An einer Hauswand erscheint ein riesiger (Ruhr)Pottwal, unter dem eine Landschaft mit untergehenden Zechen dargestellt ist.

Ein riesiger Pottwal ziert die Hauswand

Das Mural greift damit noch einmal eines der zentralen Themen dieser Wanderung auf: die Verbindung von Natur, Stadt und industrieller Vergangenheit.

Von hier sind es nur noch wenige Schritte und eine letzte Unterquerung der Bahnstrecke – und schon steht man wieder am Bochumer Hauptbahnhof.

Fazit: Bochum einmal quer durch die Stadt

Der Bochumer Urban Trail hat mir ausgesprochen gut gefallen – allerdings aus einem etwas anderen Grund als beispielsweise die Tour von Herten nach Herne.

Hier steht weniger die große Landschaft im Vordergrund. Stattdessen entdeckt man die Stadt selbst.

Bergbau-Museum und Jahrhunderthalle erzählen von der industriellen Vergangenheit. Arbeitersiedlungen erinnern an das Leben der Menschen, die diese Industrie getragen haben. Das Bermuda3Eck und Ehrenfeld zeigen das heutige Bochum. Und dazwischen tauchen immer wieder überraschende Parks, Kleingärten, Cafés und vor allem jede Menge Street Art auf.

Gerade diese vielen kleinen Entdeckungen machen den Reiz der Strecke aus. Man sollte deshalb nicht versuchen, die gut 12 Kilometer möglichst schnell abzuwandern. Es lohnt sich, langsam zu gehen, nach links und rechts zu schauen und auch einmal einen kleinen Umweg zu machen.

Wer Bochum nicht nur über die großen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, sondern Lust auf ein authentisches, buntes und manchmal durchaus etwas schräges Ruhrgebiet hat, für den ist dieser Urban Trail eine sehr gute Gelegenheit.

Bergbau, Bier, Bermuda3Eck, Street Art, Arbeitersiedlungen, Industriekultur und ganz normaler Ruhrpott-Alltag – Bochum kann man auf dieser Runde tatsächlich ziemlich gut „erlaufen“.

Praktische Informationen

  • Streckenart: Rundwanderung
  • Start/Ziel: Bochum Hauptbahnhof
  • Streckenlänge: entsprechend der offiziellen Route, GPS-Track empfohlen
  • Anreise: sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Navigation: Markierungen waren bei meiner Wanderung weitgehend vorhanden, aber noch nicht vollständig
  • Empfehlung: GPS-Gerät oder Navigations-App mit geladenem Track
  • Besondere Highlights: Planetarium, Stadtpark, Deutsches Bergbau-Museum, Jahrhunderthalle, Westpark, Bermudadreieck, Ehrenfeld und zahlreiche Street-Art-Werke
  • Pausen: zahlreiche Cafés, Gastronomie und am Springerplatz freitags der Moltkemarkt

Link: Offizielle Routenbeschreibung bei RuhrTourismus

In diesem Video habe ich einige Eindrücke dieses Urban Trails im Bewegtbild festgehalten, ohne Kommentierung/Erläuterung:

Urban Trail Herten – Herne: Von Wasserschlössern, Zechen und der Halde Hoheward

Der Urban Trail von Herten nach Herne ist – wie schon die Wanderung in durch Oberhausen – eine Punkt-zu-Punkt-Wanderung. Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Dafür sind beide Endpunkte gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Bei meiner Wanderung in der ersten Augustwoche 2026 gab es allerdings noch eine Besonderheit: Der Trail war vor Ort noch nicht markiert. Wer die Tour derzeit nachwandern möchte, sollte sich deshalb unbedingt den GPS-Track herunterladen oder beispielsweise eine Navigations-App wie komoot verwenden (Links gibt auf der RVR-Seite)

Die offizielle Streckenlänge beträgt 13,7 Kilometer. Auf meiner Aufzeichnung standen am Ende rund 14,5 Kilometer auf dem GPS – vermutlich eine Mischung aus GPS-Ungenauigkeit und meinen diversen kleinen Abstechern zu interessanten Orten entlang der Strecke.

Überraschender Auftakt in Herten

Obwohl ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin, war ich tatsächlich zum ersten Mal in Herten. Die Anreise mit der S-Bahn-Linie 9 aus Richtung Essen verlief problemlos. Vom Bahnhof Herten (Westfalen) sind es nur wenige Schritte bis zum Busbahnhof in der Hertener Innenstadt, wo die Tour beginnt.

Mein erster Eindruck von Herten war überraschend positiv. Obwohl die Stadt nur etwa ein Drittel der Einwohnerzahl Mülheims hat, wirkte die Innenstadt auf mich erstaunlich lebendig. Auch die Auswahl und Qualität der Geschäfte machte einen guten Eindruck.

Ich dachte zunächst: Das wird wohl erst einmal eine Wanderung durch dicht bebautes Stadtgebiet.

Doch damit sollte ich mich gründlich täuschen.

Vom Rathaus direkt ins Grüne

Von der Einkaufsstraße sind es nur wenige Meter bis zum Hertener Rathaus. Eine Verbindungsbrücke zwischen den Rathausgebäuden bildet gleichzeitig eine Art Tor zum Schlosspark.

Und plötzlich ist die Stadt weitgehend verschwunden.

Ich fühlte mich unmittelbar wie in einem Wald und folgte den Wegen durch den überraschend weitläufigen Schlosspark. Schon bald erreicht man die Orangerie, ein kleines denkmalgeschütztes Gebäude, das heute für Veranstaltungen genutzt wird.

Schloss Herten

Auf der anderen Seite des Parks fällt bereits das Wasserschloss Herten ins Auge. Es wurde erstmals 1376 urkundlich erwähnt; die heute erhaltenen Gebäude entstanden im 16. und 17. Jahrhundert nach Entwürfen des Coesfelder Baumeisters Henric de Suer.

Der Weg führt am Schlossteich entlang, vorbei an der LWL-Klinik Herten und zur Festwiese. Hier lohnt sich unbedingt ein kurzer Abstecher zur eigentlichen Schlossanlage.

Eine ungewöhnliche Kunstachse

Anschließend geht es auf eine lange Gerade durch den Schlosspark und -wald. Hier befindet sich die Kunstachse „Burgenland“.

Mini-Zeche auf Hügel

Auf einer Strecke von rund zwei Kilometern wurden am Wegesrand 15 künstliche Erdhügel aufgeschüttet. Auf acht davon sollenkleine, erstaunlich detailgetreue Miniatur-Zechengebäude stehen, ich habe bei meiner Wanderung nur zwei entdeckt.

Grüne Achse

Das Konzept verbindet auf ungewöhnliche Weise die beiden Welten, die diese Wanderung prägen werden: Schloss und Bergbau, Adel und Industriegeschichte. Die erhöht auf den Hügeln platzierten Zechenmodelle sollen dabei die einstige Machtposition der Industriellen symbolisieren.

Noch etwas Waldluft genießen – und schon ist es mit der Ruhe wieder vorbei.

Von der Straße zur Zeche Ewald

Der Weg trifft auf eine Landesstraße und führt zunächst ein kurzes Stück entlang stärker befahrener Straßen. Praktisch: Unterwegs kommt man jetzt auch an einem Discounter vorbei. Wer Getränke oder Proviant nachfüllen möchte, hat hier noch einmal Gelegenheit dazu.

Denn bald wird die Wanderung körperlich anspruchsvoller.

Nach der Autobahnunterführung taucht vor uns die ehemalige Zeche Ewald auf. Die ersten Gebäude und Fördergerüste kündigen das weitläufige Zechengelände schon von weitem an.

Fördergerüste Zeche Ewald

Die Zeche Ewald entstand ab den 1870er Jahren und wurde im April 2000 endgültig stillgelegt. Heute ist das Gelände ein gelungenes Beispiel für den Strukturwandel: In den historischen Gebäuden haben sich Unternehmen und Gastronomiebetriebe angesiedelt, außerdem wird das Areal als Veranstaltungsort genutzt.

Ich würde hier nicht einfach nur dem Trail folgen, sondern ein wenig kreuz und quer über das Gelände laufen. Es gibt viel zu entdecken.

Besonders markant sind der gemauerte Malakowturm über Schacht 1 sowie die Stahlfördergerüste über den Schächten 2 und 7. Hier lässt sich noch einmal sehr unmittelbar nachvollziehen, welche Dimensionen der Bergbau im Ruhrgebiet einst hatte.

Jetzt wird es anstrengend: Aufstieg zur Halde Hoheward

Hinter der Zeche beginnt der anspruchsvollste Abschnitt der Wanderung: Treppensteigen.

Vor uns liegt die Halde Hoheward. Mit 152,5 Metern über Normalhöhennull gehört sie zu den markantesten Landmarken des Ruhrgebiets. Aufgeschüttet wurde sie aus Material der Zechen Recklinghausen II, Ewald und General Blumenthal/Haard.

Die Treppe zur Halde Hoheward

Der erste Treppenabschnitt hat es durchaus in sich: 132 Stufen führen hinauf zu einem ersten Aussichtsbalkon. Der Blick zurück auf das Zechengelände mit seinen Fördergerüsten ist bereits beeindruckend.

Aber wir sind noch lange nicht oben.

Weitere 77 Stufen und ein serpentinenartig verlaufender Weg bringen uns zur Ewald-Empore. Auch von hier bietet sich noch einmal ein leicht erhöhter Blick über die Umgebung.

Und spätestens jetzt verändert sich das Wandergefühl vollkommen.

Ruhrgebiet wie aus dem Gebirge

Oben auf der Halde habe ich tatsächlich fast das Gefühl, in einer Mittelgebirgslandschaft unterwegs zu sein. Die Baumgrenze wird durchbrochen, die Vegetation niedriger, die Wege verlaufen durch offene Landschaft und die Hitze der Augustsonne hat die Wiesen bereits goldgelb verfärbt.

Blick auf Halde Hoheward

Und dann dieser Blick.

Bei klarer Sicht reicht er über weite Teile des Ruhrgebiets – von Duisburg bis Dortmund und mit etwas Glück kann man sogar den Düsseldorfer Rheinturm erkennen. Unter einem liegt eine der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands, und trotzdem wirkt die Landschaft von hier oben erstaunlich grün, weit und offen.

Das ist für mich einer der schönsten Momente dieser Tour: Man vergisst für einen Augenblick, dass man sich mitten im Ballungsraum Ruhrgebiet befindet.

Über die teilweise recht steile Haldenstraße geht es weiter zum höchsten Punkt.

Horizontobservatorium und Sonnenuhr

Auf dem Haldengipfel steht das weithin sichtbare Horizontobservatorium. Leider ist die Anlage noch immer abgesperrt.

Das hat einen guten Grund: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurden Risse im Äquatorbogen festgestellt. In der Folge wurden schon zusätzliche Stützpfeiler installiert. Bis heute ist das Observatorium deshalb nicht regulär zugänglich.

Obelisk und Himmelsobservatorium Halde Hoheward

Etwas unterhalb befindet sich ein weiteres beeindruckendes Bauwerk: die Sonnenuhr mit Obelisk. Die Anlage liegt auf rund 140 Metern Höhe und umfasst etwa 3.000 Quadratmeter. Der Edelstahl-Obelisk ist 8,5 Meter hoch.

Hier oben lohnt sich eine Verschnaufpause. Und dann beginnt der Abstieg.

Auf schmalen Pfaden zur nächsten Zeche

Der Abstieg ist fast das Gegenstück zum vorherigen Aufstieg. Statt breiter Wege und Treppen geht es nun über verschlungene, teilweise leicht bewachsene Singletrails wieder hinunter.

Fast am Fuß der Halde taucht plötzlich ein weiteres ungewöhnliches Objekt auf: ein stilisierter, asiatisch anmutender Drachenkopf.

Über die Drachenbrücke geht es anschließend zur ehemaligen Zeche Recklinghausen II. Hier sind noch das Fördergerüst und die Maschinenhalle erhalten.

Nach der langen Naturpassage bietet sich noch einmal die Gelegenheit, Industriekultur aus nächster Nähe zu erleben.

Vom Zechengelände an die Emscher

Anschließend führt der Urban Trail zunächst durch die Dreieck-Siedlung Hochlarmark. Hier stehen noch zahlreiche typische alte Zechenhäuser – Ruhrgebiet wie aus dem Bilderbuch.

Danach wird die Umgebung wieder deutlich städtischer. Besonders ins Auge fällt die Reformationskirche, eine asymmetrisch gestaltete, zweischiffige Backsteinkirche mit einem seitlichen, pyramidenbekrönten Turm.

Schließlich erreichen wir die Emscher.

Kaum ein anderer Fluss steht so exemplarisch für den Wandel des Ruhrgebiets. Einst als stark belastete „Köttelbecke“ bekannt, wurde die Emscher in einem jahrzehntelangen Großprojekt renaturiert und entwickelt sich heute wieder zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Landschaft.

Emscher - gradlinieg

Zeitreise Strom – ein echter Geheimtipp

Nach einem kurzen Stück entlang der Emscher geht es über eine Brücke in Richtung Stadthafen Recklinghausen. Zuvor muss allerdings noch die Bochumer Straße überquert werden.

Direkt auf der anderen Seite steht das imposante ehemalige VEW-Umspannwerk Recklinghausen.

Mein Tipp: Hier unbedingt einen Abstecher in das Museum „Zeitreise Strom“ einplanen.

Das denkmalgeschützte Umspannwerk beherbergt eine beeindruckende Sammlung zur Geschichte der Elektrizität und Energieversorgung. Besonders die Ausstellung in der ersten Etage fand ich sehenswert.

Umspannwerk Recklinghausen

Und das Schöne daran: Man muss dafür gar kein Technikfan sein. Beim Anblick vieler ausgestellter Geräte fühlt man sich unweigerlich in die eigene Kindheit oder Jugend zurückversetzt. Für mich war das einer der überraschendsten Stopps der gesamten Tour.

Stadthafen und Rhein-Herne-Kanal

Nach dem kurzen Abschnitt entlang der Emscher führt der Weg über eine Brücke zum Stadthafen Recklinghausen. Das Wasser sorgt für einen erneuten atmosphärischen Wechsel.

Von hier geht es weiter am Rhein-Herne-Kanal entlang. Der Urban Trail nutzt dabei geschickt einen grünen Korridor zwischen verschiedenen Kleingartenanlagen oder Schrebergärten, wie man hier im Pott dazu sagt.

Wieder einmal zeigt sich die besondere Qualität dieser Tour: Man bewegt sich durch eine dicht besiedelte Region und hat trotzdem immer wieder das Gefühl, durch überraschend grüne Landschaften zu laufen.

Schloss Strünkede – ein herrschaftliches Finale

Nach dem Kanalabschnitt geht es noch einmal durch bebautes Gebiet, bevor das nächste Highlight auftaucht: der Schlosspark Strünkede.

Der Weg führt direkt in die Parkanlage und macht anschließend einen Schlenker entlang des Burggrabens.

Das kastellartige Wasserschloss Strünkede bildet einen geradezu herrschaftlichen Kontrast zu den Zechenanlagen und Halden, die uns zuvor begleitet haben. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Schloss Sitz der freiherrlichen Familie von Strünkede. Seit 1938 beherbergt es die kultur- und stadtgeschichtlichen Sammlungen des Emschertal-Museums.

Und genau hier endet der Urban Trail.

Fazit: Ruhrgebiet in einer einzigen Wanderung

Die rund 14,5 Kilometer haben mir wieder ausgesprochen gut gefallen.

Was diese Tour für mich besonders macht, ist der ständige Wechsel der Landschaften und Themen. Sie beginnt an einem Wasserschloss, führt durch einen überraschend grünen Schlosspark, vorbei an Miniaturzechen und mitten durch die beeindruckende Industriekulisse der Zeche Ewald. Danach geht es hinauf auf eine riesige Halde, über deren Gipfel man einen fantastischen Blick über das gesamte Ruhrgebiet genießt.

Dann folgt der Abstieg durch naturnahe Wege, vorbei an einer ehemaligen Zeche, durch eine typische Bergarbeitersiedlung und entlang der renaturierten Emscher. Mit dem Umspannwerk und dem Stadthafen kommen weitere völlig unterschiedliche Facetten hinzu, bevor mit Schloss Strünkede noch einmal eine ganz andere Epoche der regionalen Geschichte auf dem Programm steht.

Industriekultur, Natur, Bergbau, Stadt, Wasser und Schlösser – diese Wanderung hat eigentlich alles, was das Ruhrgebiet ausmacht. Zudem ging es auf der relativ kurzen Strecke durch drei Städte, wo sonst ist das möglich?

Und genau deshalb kann ich den Urban Trail von Herten nach Herne uneingeschränkt empfehlen!

Neben den Fotos oben habe ich eine Eindrücke (ohne Kommentierung) auch als Video festgehalten:

Links:
Ruhr-Tourismus – Urban.Trail – Überraschender Drei.Städtetrip

Einige Eindrücke der Wanderung habe ich auch ohne Kommentare in diesem Video festgehalten:

Urban Trail Oberhausen – Industriekultur, Halden und grüne Oasen

Der Urban Trail Oberhausen erzählt auf gut elf Kilometern, was das Ruhrgebiet ausmacht – Schwerindustrie und urbane Oasen, Trümmer und Blütenpracht, Geschichte und Gegenwart.

Der UrbnTrl. Oberhausen unterscheidet sich von vielen klassischen Rundwanderungen: Es handelt sich um eine Punkt-zu-Punkt-Tour. Der Start liegt am Oberhausener Hauptbahnhof, das Ziel in der historischen Arbeitersiedlung Eisenheim. Das ist jedoch überhaupt kein Nachteil – im Gegenteil. Beide Punkte sind hervorragend mit Bus und Bahn verbunden (Haltestellen Oberhausen Hauptbahnhof und Oberhausen Eisenheim), sodass man nach der Wanderung bequem wieder zum Ausgangspunkt oder zum eigenen Fahrzeug zurückkehren kann.

Markierung UrbnTrls. als Beilspiel

Ein ungewöhnlicher Start am Hauptbahnhof

Schon der Beginn der Tour hält eine kleine Überraschung bereit. Bevor es überhaupt richtig losgeht, lohnt sich ein Abstecher zu den Gleisen 4 und 5. Hier befand sich einst der Postbahnanschluss des Hauptbahnhofs. Nach dem Rückbau entstand an dieser Stelle ein frei zugänglicher Museumsbahnsteig des LVR-Industriemuseums. Zwischen alten Schienenfahrzeugen und Relikten der Schwerindustrie bekommt man bereits einen ersten Eindruck von der industriellen Vergangenheit Oberhausens.

Durch den Haupteingang des Bahnhofs führt der Weg zunächst vorbei am Berliner Park in den blütenreichen Grillo Park. Von hier eröffnet sich einer der schönsten Blicke auf das Oberhausener Rathaus. Das markante Gebäude verbindet Elemente des Backsteinexpressionismus mit dem Stil des Neuen Bauens. Gemeinsam mit den großzügigen Freitreppen, Terrassen und dem Park bildet es eines der eindrucksvollsten städtebaulichen Ensembles der Stadt.

Vom Stadtzentrum ins Grüne

Vorbei am denkmalgeschützten Ebertbad und dem Theater Oberhausen nähert sich die Route zunächst der vielbefahrenen Mülheimer Straße (B223). Kaum ist diese überquert, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Der urbane Charakter weicht immer mehr grünen Wegen, kleinen Parks und Kleingartenanlagen.

Unterwegs passiert man die Oberhausener Feuerwache und erreicht den Brücktorpark. Dort stößt man auf ein Stück fast vergessener Industriegeschichte: die Henkelmannbrücke. Zur Mittagszeit ließen hier früher die Frauen der Stahlarbeiter das Essen in sogenannten Henkelmännern – typischen Blechbehältern – an Seilen zu ihren Männern hinab. Eine einfache, aber eindrucksvolle Geschichte aus der Zeit der Hochindustrie.

Monte Schlacko – der höchste Punkt Oberhausens

Durch eine typisch ruhrgebietliche Schrebergarten erreicht man schließlich die Knappenhalde. Im Volksmund trägt sie den treffenden Spitznamen „Monte Schlacko“. Mit 102 Metern über NHN und rund 55 Metern über dem umliegenden Gelände ist sie die höchste Erhebung Oberhausens.

Profi-Tipp: Der ausgeschilderte Urban Trail führt nicht bis ganz auf den Gipfel. Ich würde den kleinen Umweg jedoch unbedingt empfehlen. Die Halde wird von ein 15 Meter hohen Aussichtsturm gekrönt, von dem sich ein großartiger Rundumblick über das westliche Ruhrgebiet eröffnet. Bei klarer Sicht erkennt man unter anderem den Gasometer, das CentrO und zahlreiche weitere Halden. Man weiß ja, wie man später wieder auf den Trail zurückfindet.

Blick von Knappenhalde zum Gasometer Oberhausen

Auch die Entstehung der Halde erzählt Ruhrgebietsgeschichte: Sie besteht aus Abraum der ehemaligen Zeche Oberhausen, Hochofenschlacke der Gutehoffnungshütte und Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Fuß der Halde lohnt außerdem ein Blick auf einige ungewöhnliche Kunstwerke, die unter Namen wie Industrietempel oder Eisenschaffende Industrie bekannt sind.

Auf den Spuren der Zeche Oberhausen

Von der Halde führt der Weg über das Gelände der ehemaligen Zeche Oberhausen. Das heutige Resonanzwerk war einst eine Werkstatt der Zeche, während das Hostel Veritas im früheren Pförtnerhaus untergebracht ist.

Anschließend folgt die Route der ehemaligen HOAG-Bahntrasse. Wo früher Güterzüge unterwegs waren, verläuft heute ein ruhiger Rad- und Wanderweg durch überraschend viel Grün. Entlang des renaturierten Läppkes Mühlenbachs erreicht man schließlich das Besucherzentrum Haus Ripshorst.

Das RVR-Besucherzentrum Haus Ripshorst ist der ideale Ort für eine Pause. Im historischen Gutshof, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, gibt es nicht nur Kaffee und Snacks, sondern auch eine Ausstellung zum Emscher Landschaftspark. Im Außenbereich locken Bauerngarten und ein Lehrbienenstand – perfekt um durchzuatmen, bevor die Tour weitergeht.

Zauberlehrling, Marina und Rhein-Herne-Kanal

Nur wenige Minuten später wartet eines der bekanntesten Fotomotive der Region: der tanzende Strommast „Zauberlehrling“ der Berliner Künstlergruppe inges idee. Der scheinbar zum Leben erwachte Hochspannungsstrommast gehört zu den ungewöhnlichsten Kunstwerken des Ruhrgebiets.

Der tanzende Strommast - Zauberlehrling von inges idee.

Von dort folgt der Urban Trail dem Rhein-Herne-Kanal bis zur Marina Oberhausen, dem gut frequentierten Yachthafen direkt am CentrO. Vorbei am Sea Life führt die markante Tausendfüßlerbrücke auf die andere Kanal- und Autobahnseite. Mit Blick auf den Gasometer gehört dieser Abschnitt zweifellos zu den schönsten der gesamten Wanderung.

OLGA-Park – Wo Klärbecken zu Fotomotiven werden

Anschließend gelangt man über das ehemalige Klärbecken der Zeche Osterfeld in den OLGA-Park. Der Weg mitten durch das riesige Becken bietet eine außergewöhnliche Perspektive und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Ein schmaler Pfad mitten durch das ehemalige Klärbecken, Oberhausen

Der Park selbst entstand auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Osterfeld und verbindet Industriekultur mit großzügigen Grünflächen. Am gegenüberliegenden Eingang ist noch das Fördergerüst erhalten geblieben.

Profi-Tipp: Wer einen kleinen Umweg zum Fördergerüst investiert, wird mit einer einzigartigen Sichtachse auf den Gasometer belohnt. Zudem kann man die ehemalige Kohlenmischhalle mit ihrem markanten achteckigen Pyramidendach aus der Nähe betrachten.

Auch der 16 Meter hohe Aussichtsturm des Parks bietet noch einmal einen weiten Blick über Oberhausen.

Ziel: Die historische Siedlung Eisenheim

Nach dem Verlassen des OLGA-Parks führt der Weg zurück in bewohntes Stadtgebiet. Vorbei am Katholischen Jugendwerk und einer benachbarten Moschee erreicht man schließlich die Siedlung Eisenheim.

Sie gilt als älteste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets und war zugleich die erste Arbeitersiedlung Deutschlands, die vollständig unter Denkmalschutz gestellt wurde. Zahlreiche Informationstafeln erzählen ihre Geschichte. Zwischen den liebevoll restaurierten Häusern fühlt man sich fast wie auf einer kleinen Zeitreise in die Anfänge der Industrialisierung.

Ein besonderer Abschluss

Bevor die Wanderung an der Haltestelle Eisenheim endet, lohnt sich noch ein letzter kurzer Abstecher zur Ecke Eisenheimer Straße/Wesselkampstraße. Dort befindet sich der Blaue Turm der vielen Bücher mit dem Garten der Dichter, auch Tonino-Guerra-Park genannt.
Das außergewöhnliche Gebäude beherbergt die Bibliothek und Arbeitsräume des Autorenehepaars Roland und Janne Günter. Der Garten wurde vom Künstler Herman Prigann gestaltet und bildet einen ebenso ungewöhnlichen wie stimmungsvollen Abschluss dieser abwechslungsreichen Wanderung.

Blick auf die Siedlung Eisenheim Oberhausen auf dem Urbn.Trl

Fazit

Der Urban Trail Oberhausen ist keine Wanderung für Bergsteiger, sondern für Entdecker. Er zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das Ruhrgebiet sein kann. Auf kaum einer anderen Wanderung wechseln sich Industriekultur, Halden, historische Arbeitersiedlungen, Parks, Bahntrassen, Kanäle und moderne Freizeitlandschaften so harmonisch ab. Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz der Tour aus. Im Vergleich zu den anderen Trails führt der Weg an wenigen Einkehrmöglichkeiten vorbei, es sei denn man baut noch einen kleinen Umweg zum Oberhausener CentrO ein, wo es wirklich alles gibt, was man sich wünschen könnte. Die gut 11 km haben wir sehr gut, inklusiver kleiner Umwege und einer Pause, in etwa 3 Stunden absolviert.

Wer Oberhausen einmal abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten entdecken möchte, findet hier eine Wanderung, die Geschichte, Natur und Strukturwandel auf besonders abwechslungsreiche Weise miteinander verbindet.

Links: Offizielle Beschreibung bei Ruhr Tourismus

Urban Trail Mülheim: Eine Rundtour durchs Revierleben – mit Streetart, Klosteridylle und einem Geheimtipp am Ende

Im Frühsommer 2026 habe ich den Urban Trail Mülheim an der Ruhr gegen den Uhrzeigersinn erwandert. Noch ohne die offiziellen gelben Wegweiser, dafür mit einem GPS-Track im Navi und einer großen Portion Neugier. Was folgte, war ein perfekter Mix aus Stadt, Natur und Industriegeschichte – eine Wanderung, die beweist, dass das Ruhrgebiet viel mehr ist als seine Klischees.

Die Tour im Überblick

  • Strecke: Rundwanderweg, ca. 12 km
  • Dauer: 3 bis 4 Stunden (mit Pausen und kleinen Abstechern)
  • Schwierigkeit: Leicht, durchgehend feste Wege
  • Start & Ziel: Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr
  • Besonderheit: Rundtour – ihr kommt bequem dort wieder an, wo ihr begonnen habt
  • Mein Tipp: Lauft sie gegen den Uhrzeigersinn. Der Blick auf die Ruhr und die Altstadt entfaltet sich so am schönsten.

Start in der Bahnhofsnähe: Streetart statt Schotter

Der Trail beginnt unweit des Mülheimer Hauptbahnhofs. Schon nach wenigen Metern entdeckt man die ersten eindrucksvollen Streetart-Werke, die dem Urban Trail seinen Namen geben. Es geht ein kurzes Stück parallel zu den Gleisen, bevor die Route an einer vielbefahrenen Hauptstraße entlangführt. Keine Sorge – das ändert sich schnell.

Street Art zum Start - gesprühter Gorilla
Etwas Street Art zum Start

Vom ehemaligen Café Commercial zum Radschnellweg RS1

Bald biegt der Weg ab und führt am ehemaligen Café Commercial vorbei, wo heute das Cafe Ccino ein neues Leben führt. Weiter geht es Richtung Rathausmarkt, wo ebenfalls ein kleines Café zum Verweilen einlädt. Doch wir steigen die Treppe zur alten Bahnbrücke hinauf – ein Stück des inzwischen legendären Radschnellwegs RS1. Der Ausbau dieses Vorzeigeprojekts stockt leider seit Jahren, was verwundert, wenn man bedenkt, welches Potenzial hier schlummert. Aber gut: Wir sind zu Fuß unterwegs und haben davon weniger Nachteile.

Rathausturm Mülheim
Rathausturm Mülheim

Über die Ruhr in die Müga

Auf der anderen Ruhrseite geht es hinab in den Stadthallengarten. Zumindest war das so, bevor aus unerfindlichen Gründen eine Renovierung für die IGA 2027 begann – zum Zeitpunkt meiner Wanderung eine Baustelle, die einen kleinen Umweg nötig machte. Über diesen Umweg gelangt man aber dennoch auf das ehemalige MÜGA-Gelände (Mülheimer Landesgartenschau). Links liegt das malerische Schloss Broich (ein kurzer Abstecher lohnt sich), rechts die ehemalige Mülheimer Volkshochschule, deren Sanierung die Stadtpolitik trotz erfolgreichen Bürgerbegehrens bislang verweigert.

Brunnen in der Müga
Brunnen in der Müga

Der Weg durch die Müga ist jedoch wunderbar gewählt: Ein bewachsener Bogengang führt vorbei an Brunnen und plätschernden Wasserläufen in Richtung der Camera Obscura – der größten ihrer Art weltweit. Wer hier die Vorführung im alten Wasserbehälter oben mitmacht, bekommt ein extrem eindrucksvolles Erlebnis geschenkt. Auf keinen Fall auslassen!

Camera Obskura im alten Wasserturm
Camera Obskura im alten Wasserturm

Von der Alten Dreherei zurück zur Ruhr

Nun geht es ein Stück auf dem RS1 bzw. parallel dazu zur Alten Dreherei, vorbei an der Mülheimer Feuerwache und der Hochschule Ruhr West. Oben auf der Duisburger Straße macht der Weg kehrt und führt zurück Richtung Ruhr. Dieser Abschnitt entlang des Flusses bietet einen herrlichen Blick auf die Mülheimer Innenstadt, den Wasserbahnhof und das Ruhr-Tal an sich. Zwischendurch kann man noch Blicke auf Häuserfassaden aus der Jahrhundertwende erhaschen, bevor der Weg auf einen ruhigen Spazier- und Radweg an der Ruhr mündet.
Hier liegt auch das FAIR1-HEiM, ein nachhaltiges Café, das sich für eine kurze Rast anbietet.

Skurriles Detail auf dem Weg: Der Immer Auf Kiosk scheint für Immer geschlossen zu sein.
Skurriles Detail auf dem Weg: Der Immer Auf Kiosk scheint für Immer geschlossen zu sein.

Dorf Saarn und das Kloster

Kurz darauf erreicht man das „Dorf Saarn“. Wer die Mülheimer Innenstadt in den letzten Jahren etwas vermisst hat, wird hier fündig: Die Geschäftsstraße hat mittlerweile mehr Flair und Angebote als die Innenstadt. Kleine Boutiquen, Cafés und Bäckereien laden zum gemütlichen Flanieren ein.

Eingang ins Kloster Saarn
Eingang ins Kloster Saarn

Die nächste Station ist das Kloster Saarn. Der Weg durch den Klostergarten und den Park ist so idyllisch, dass man fast vergisst, mitten im Ruhrgebiet zu sein. Im Klostercafe könnte man theoretisch den nächsten Kaffee-Pause einlegen – aber man kann ja nicht überall Halt machen. Tipp: Plant eure Pausen sorgsam, es gibt zu viele gute Gründe für einen Stopp!

Über das Wehr und die blaue Brücke

Hinter dem Kloster führt der Weg auf eine ehemalige Bahntrasse, die heute als Wander- und Radweg genutzt wird (auch Teil des Ruhrtal-Radweges). Zurück in den Saarner Auen geht es an der Ruhr entlang, bis das Kahlenbergwehr überquert wird. Wer sich an das Hochwasser des Jahres 2021 Jahre erinnert, dem dürfte die Geschichte der Moornixe ein Begriff sein – das alte Fahrgastschiff wurde damals durch das Wehr gezogen (YouTube). Heute erinnert das Wrack als Dekoration an einen Café-Bereich in Essen-Steele daran.
Nach der blauen Florabrücke geht es ein paar Höhenmeter nach oben. Von hier bietet sich ein erhabener Blick auf die zuvor durchwanderten Ruhrauen mit Saarn im Hintergrund – ein Moment, in dem man innehalten und das Revier von oben betrachten sollte.

Ausblick auf die Ruhrauen

Bismarckturm, Max-Planck-Institut und der Rosengarten

Mein GPS-Track führte mich ungewöhnlicherweise am alten Bismarckturm vorbei. Ob er inzwischen in der offiziellen Markierung enthalten ist, weiß ich nicht – aber es wäre ein Glücksgriff, denn der Turm ist eine der wenigen alten Landmarken der Stadt und definitiv sehenswert.

Imposanter Altbau des MPI
Imposanter Altbau des MPI


Danach geht es über Straßen zum Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Kurz darauf verläuft der Weg auf einem schmalen Grünstreifen, der in den Catho-Wenzel-Park leitet. Hier lohnt ein kleiner Abstecher in den Rosengarten. Wer genau hinsieht, entdeckt dort die abgerissenen Füße einer Statue, deren Originale wegen Diebstahlgefahr inzwischen in der Mülheimer Stadthalle untergebracht sind. Eine skurrile Geschichte – googelt einfach mal „Rosengarten Mülheim Statue“.

Die Füße der Flora Statue
Die Füße der Flora Statue


Weiter geht es durch die Freilichtbühne, wo im Sommer regelmäßig Open-Air-Konzerte und andere Kulturveranstaltungen stattfinden. Vorbei am Altstadt-Friedhof, auf dem auch Mitglieder berühmter Industriellenfamilien wie Stinnes und Thyssen ihre letzte Ruhe gefunden haben, schlängelt sich der Weg zurück in die Stadt.

Wallviertel und Ziel

Zum Schluss führt der Trail durch die alte Fachwerk-Altstadt und ins moderne Wallviertel mit seinen kleinen Cafes und Restaurants . Nach wenigen Schritten steht man wieder am Hauptbahnhof. Eine perfekte Rundtour, die keine langen Anfahrten oder komplizierte Rückfahrten nötig macht.

Meine persönlichen Highlights

  1. Camera Obscura – Die Vorführung im Wasserturm ist einzigartig und eines der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt.
  2. Der Blick vom Kahlenbergwehr zurück auf Saarn und die Auen – Ruhrromantik pur.
  3. Der Rosengarten mit seiner skurrilen Statuen-Geschichte – typisch Mülheim, typisch Ruhrgebiet.
  4. Dorf Saarn – Wer hätte gedacht, dass man mitten im Pott so dörflich flanieren kann?
  5. Streetart am Start – Der Trail beginnt mit Kunst statt mit Anstrengung. Das setzt den Ton.

Praktische Tipps für eure Wanderung

  • Navigation: Zum Zeitpunkt meiner Wanderung waren die gelben Wegweiser noch nicht montiert. Ladet euch den GPS-Track vorab auf euer Handy oder Navigationsgerät – dann läuft es sich stressfrei.
  • Pausenplanung: Es gibt mindestens fünf gute Gründe für einen Stopp (Ccino, Camera Obscura, FAIR1-HEiM, Kloster-Café, Wallviertel). Plant also Zeit ein.
  • Radweg RS1 und Ruhrtalradweg: Der Trail nutzt Teile des Radschnellwegs. Achtet auf Radfahrer, besonders an Wochenenden.
  • IGA 2027: Der Stadthallengarten und Teile der Müga können noch bis 2027 Baustellen sein. Der offizielle Trail ist aber trotzdem gut begehbar.

Fazit

Der Urban Trail Mülheim ist keine anspruchsvolle Bergtour, sondern eine Geschichts- und Genusswanderung. Er verbindet auf kurzer Distanz Industriekultur, Klosteridylle, urbane Szene und Flussromantik. Dass Start und Ziel am gleichen Ort liegen, macht die Tour unkompliziert. Wer das Ruhrgebiet neu entdecken oder seine Heimat mit anderen Augen sehen möchte, sollte diesen Trail auf seine Liste setzen.

Link: Urban.Trail – Mülheims Zeit.Reise auf der Webseite der Ruhr Tourismus GmbH