Den Urban Trail Hagen bin ich Anfang Juli 2026 gelaufen. Wie einige der anderen Urban Trails handelt es sich auch hier um einen klassischen Rundweg. Man kann theoretisch an jeder Stelle einsteigen, besonders praktisch ist aber der offizielle Start direkt am Hagener Hauptbahnhof. Damit war die Anreise mit der S-Bahn für mich völlig unkompliziert.
Bei meiner Wanderung waren die gelben Trail-Markierungen zumindest am Start offenbar noch nicht vollständig vorhanden. Zwar begegneten mir unterwegs immer wieder einzelne Markierungen, allerdings hatte ich den Eindruck, dass diese teilweise noch nicht vollständig waren oder möglicherweise nicht exakt dem GPS-Track entsprachen. Ich hatte deshalb vorsorglich den offiziellen Track auf mein Wander-GPS geladen und bin damit sehr gut zurechtgekommen.
Der Trail hat sich für mich gefühlt ziemlich klar in drei Abschnitte geteilt: etwa 25 Prozent Stadt, 50 Prozent grüne Natur und anschließend wieder 25 Prozent urbanes Hagen. Ich bin die Runde im Uhrzeigersinn gelaufen.
Und genau dieser Wechsel ist für mich einer der größten Reize dieser Tour.
Vom Hauptbahnhof in die Hagener Innenstadt
Los geht es am Hauptbahnhof. Zunächst führt die Route über den lebendigen Berliner Platz und anschließend in die Bahnhofstraße. Wer samstags unterwegs ist, kann hier vormittags noch über den Wochenmarkt schlendern.
Schon auf den ersten Metern bekommt man einen Eindruck vom heutigen Hagen. Interessant fand ich dabei auch den innerstädtischen Radweg entlang der Bahnhofstraße – ein Beispiel dafür, wie ein Radweg im städtischen Umfeld durchaus attraktiv und gut in den Straßenraum integriert werden kann.
Über die Neumarktstraße geht es weiter bis zum Theaterplatz.
Das Theater Hagen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1911 mit einer Aufführung von Schillers Wallenstein eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Theater stark beschädigt und anschließend wiederaufgebaut. 1949 konnte der Spielbetrieb erneut aufgenommen werden.
Viel Zeit bleibt allerdings nicht, um sich mit der Theatergeschichte zu beschäftigen, denn der Urban Trail macht nur einen kurzen Schlenker und führt anschließend in die Humboldtstraße.
Street Art als wiederkehrendes Thema
Hier wartet bereits das erste große Wandbild auf uns: ein imposantes Mural von Martin Bender.
Leider konnte ich keine näheren Informationen zu diesem konkreten Werk finden. Besonders ins Auge fällt mir aber das Schiff, das sich durch die abstrakt dargestellten Wellen kämpft. Wie bei vielen Murals lohnt es sich auch hier, nicht einfach nur daran vorbeizulaufen, sondern sich das Bild einen Moment genauer anzusehen.
Über die Humboldtstraße geht es weiter in die Bergstraße und vorbei am Bunker Hagen.
Der massive Bau ist ein Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Untergeschoss befindet sich eine private Ausstellung zum zivilen Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Ein interessanter zusätzlicher Blick auf eine Epoche, die auch im Stadtbild Hagens ihre Spuren hinterlassen hat.
Und plötzlich wird es grün
Über die Konkordiastraße und eine kreativ gestaltete Unterführung geht es weiter – und dann verändert sich die Atmosphäre ziemlich abrupt.
Wir erreichen den Stadtpark Hagen.
Spätestens jetzt wird klar, warum Hagen gerne als „Tor zum Sauerland“ bezeichnet wird. Der Weg beginnt anzusteigen, und aus der gemütlichen Stadtwanderung wird langsam eine Wanderung mit durchaus ernst zu nehmenden Höhenmetern.
An einem warmen Julitag macht sich das dann auch körperlich bemerkbar.
Durch den schönen Park geht es weiter vorbei an den ruhrgebietstypischen Schrebergärten. Zwischendurch öffnen sich immer wieder Ausblicke über Hagen. Gerade diese Kombination aus sorgfältig angelegten Gärten, Stadtpanorama und den ersten ansteigenden Wegen gefällt mir sehr gut.
Und dann geht es endgültig hinein in die Natur.
Der Bismarckturm – und der Beginn der Höhenwanderung
Nach den ersten Anstiegen erreichen wir den Wald. Nur wenige Minuten später taucht zwischen den Bäumen der rustikal wirkende Bismarckturm Hagen auf.
Der Turm wurde 1900/1901 errichtet und ist insgesamt 24 Meter hoch. An Wochenenden besteht dank des Fördervereins die Möglichkeit, den Turm zu besteigen. Wer das einplanen möchte, sollte vorher die aktuellen Öffnungszeiten beachten.
Ich war allerdings schon mit dem Blick von außen zufrieden. Viel interessanter war für mich ohnehin, was danach kam.
Denn jetzt geht es wieder zurück in den Wald.
Mitten in Hagen und doch mitten im Wald
Für eine ganze Weile ist von der Stadt kaum noch etwas zu sehen.
Die Wege führen durch den Wald, und plötzlich fühlt sich der Urban Trail überhaupt nicht mehr urban an. Wenn man wenige Minuten zuvor noch durch die Innenstadt gelaufen ist, ist es schon erstaunlich, wie schnell man sich in dieser völlig anderen Umgebung wiederfindet.
Hagen zeigt hier seine besondere geografische Lage: Die Stadt liegt am Übergang zwischen Ruhrgebiet und Sauerland – und das macht sich auf dieser Wanderung ziemlich deutlich bemerkbar.
Allerdings zeigt sich im Wald auch eine weniger schöne Seite.
Immer wieder stehen kahle, abgestorbene Bäume zwischen den noch grünen Bereichen. Die Folgen von Trockenheit, Hitze und anderen Auswirkungen des Klimawandels sind auch hier nicht zu übersehen. Die abgestorbenen Stämme wirken fast wie stille Mahnmale dafür, dass diese scheinbare Idylle keineswegs mehr selbstverständlich ist.
Eugen-Richter-Turm und Volkssternwarte
Nach einiger Zeit erreichen wir den zweiten Aussichtspunkt der Tour: den Eugen-Richter-Turm.
Der 1911 errichtete Turm ist 23 Meter hoch und steht direkt neben der Volkssternwarte Hagen. Auch dieser Turm kann zu den Öffnungszeiten der ehrenamtlich betriebenen Sternwarte bestiegen werden.
Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sie nutzen. Von oben bietet sich erneut ein weiter Blick über Hagen und die umliegende Landschaft.
Damit hat die Wanderung gleich zwei Aussichtstürme zu bieten – und dazwischen jede Menge Wald.
Ein Lost Place mitten im Grünen
Nach dem Eugen-Richter-Turm geht es wieder hinein in den Wald und anschließend langsam bergab.
Allmählich tauchen vereinzelt wieder erste Häuser auf. Doch dann stehe ich plötzlich vor etwas, das auf den ersten Blick fast wie ein vergessenes Eingangstor zu einem Lost Place wirkt.
Und genau das ist es auch.
Hinter dem Tor liegt die mittlerweile stark überwucherte Kampfbahn Klutert.
Früher befand sich hier ein Sportplatz mit klassischem Aschebelag und Laufbahn. Bis zu 4.000 Zuschauer konnten die Sportveranstaltungen verfolgen. Heute hat sich die Natur einen großen Teil des Geländes zurückgeholt.
Zwischen Bäumen und Wildwuchs lassen sich noch die Reste der ehemaligen Sportanlage erkennen.
Ein ziemlich faszinierender Ort – gerade weil man sich angesichts der überwucherten Anlage nur schwer vorstellen kann, dass hier früher einmal tausende Menschen auf den Tribünen saßen.
Willkommen in Wehringhausen
Nach einem weiteren kurzen Abstieg ist es dann endgültig vorbei mit Wald und Höhenwanderung.
Über die Rehstraße geht es in die Lange Straße und damit in den Stadtteil Wehringhausen.
Und auch hier verändert sich die Atmosphäre wieder.
Wehringhausen wirkt lebendig, kreativ und ein wenig alternativ. Zahlreiche Cafés, kleine Geschäfte und gastronomische Angebote machen den Stadtteil zu einem angenehmen Ort für eine längere Pause.
Wer aufmerksam in die Seitenstraßen schaut, entdeckt zudem immer wieder Street Art. Besonders in der Bachstraße und Bleichstraße finden sich interessante Wandbilder – darunter erneut Werke von Martin Bender.
Die Street-Art-Galerie im Hinterhof
Ein besonderes Highlight wartet in der Moltkestraße.
Kurz vor dem oberen Ende befindet sich ein Garagenhof, dessen Wände mit großflächigen Murals gestaltet sind.
Mein Tipp: Einfach hineingehen und einmal umschauen.
Die Werke wirken in ihrer Gesamtheit fast wie eine kleine Open-Air-Galerie. Und genau solche versteckten Orte machen für mich den Reiz eines Urban Trails aus. Man muss nicht immer nur den offiziellen Sehenswürdigkeiten folgen. Manchmal lohnt es sich, ein wenig genauer hinzusehen oder einen kleinen Schritt abseits des eigentlichen Weges zu machen.
Auch auf dem weiteren Weg zurück Richtung Innenstadt begegnen einem immer wieder kleinere Kunstwerke und interessante Details.
Fazit: Eine überraschende Wanderung
Der Urban Trail Hagen hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Mischung aus Stadt und Natur überrascht.
Am Anfang läuft man durch die Innenstadt, vorbei an Theater, Bunker und Street Art. Dann geht es plötzlich bergauf und immer weiter in die Natur. Mit Stadtpark, Kleingärten, Bismarckturm, Waldwegen und Eugen-Richter-Turm fühlt sich dieser Abschnitt irgendwann tatsächlich eher wie eine kleine Mittelgebirgswanderung als wie ein Urban Trail an.
Und genau das fand ich großartig.
Es ist erstaunlich, wie schnell man sich in Hagen aus der städtischen Umgebung herausbewegen und mitten im Wald wiederfinden kann. Die beiden Aussichtstürme sorgen zusätzlich für schöne Panoramablicke, während die Kampfbahn Klutert noch eine ganz andere, geheimnisvolle Facette der Tour hinzufügt.
Auf dem Rückweg verändert sich die Atmosphäre erneut. Mit Wehringhausen, seinen Cafés, kleinen Läden und zahlreichen Street-Art-Werken wird es wieder urban, bunt und lebendig.
Damit bietet der Trail eigentlich alles, was ich an diesen Urban Trails so interessant finde:
Stadtgeschichte, Street Art, Natur, Aussicht, ein Lost Place und ein lebendiges Viertel – und das alles auf einer einzigen Runde.
Wer Hagen einmal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, dem kann ich diese Wanderung daher sehr empfehlen. Besonders schön fand ich den überraschenden Moment, an dem aus einer Stadtwanderung plötzlich eine richtige kleine Höhenwanderung wird.
Und genau diese Mischung aus Großstadt und Grünraum macht für mich den besonderen Reiz des Ruhrgebiets aus.
Link: Tourbescheibung der RuhrTourismus GmbH mit GPS-Track und komoot-Link











