Urban Trail Essen – vom Essener Hauptbahnhof zum Baldeneysee

Den Urban.Trail in Essen bin ich Ende August 2026 gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf der Webseite von RVR/RuhrTourismus noch keine ausführliche Beschreibung der Tour, und auch eine Markierung der Strecke war noch nicht vorhanden. Allerdings war der Trail bereits in der Online-Karte eingezeichnet. Den dazugehörigen GPS-Track habe ich mir von Komoot heruntergeladen und auf mein Wander-GPS übertragen – damit war die Orientierung unterwegs problemlos möglich.

Der Track weist eine Länge von 12,4 Kilometern aus. Dabei sind rund 120 Höhenmeter im Aufstieg und 155 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Anders als bei einigen anderen Urban Trails handelt es sich wieder um eine Streckenwanderung: Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Praktischerweise beginnt die Tour am Essener Hauptbahnhof und endet am Bahnhof Essen-Hügel am Baldeneysee. Beide Punkte sind über die S-Bahn miteinander verbunden, sodass man nach der Wanderung problemlos wieder zum Ausgangspunkt zurückkommt.

Ich bin die Strecke vom Essener Hauptbahnhof in Richtung Baldeneysee gelaufen – und schon der Startpunkt ist ziemlich typisch für das Ruhrgebiet.

Vom Bergarbeiterdenkmal ins grüne Essen

Los geht es an einem geradezu ikonischen Ort im Essener Zentrum: Genau hier taucht die A40, eine der Lebensadern des Ruhrgebiets, in den Essener Tunnel ein. Direkt daneben steht das eindrucksvolle Bergarbeiterdenkmal „Steile Lagerung“ von Max Kratz. Der Bronzeguss zeigt Bergleute bei der schweren Arbeit im Flöz – Hammer und Pickel inklusive.

Bergbaudenkmal - Steile Lagerung
Bergbaudenkmal – Steile Lagerung

Von hier führt der Trail in Richtung Opernplatz und zum Aalto-Theater. Dabei passieren wir auch den Evonik-Tower, den man fast übersehen könnte, weil man so nah dran ist. Mit seinen 127 Metern ist er das höchste Gebäude des Ruhrgebiets. Seit seiner Fertigstellung 1996 hat der markante Büroturm allerdings bereits mehrere Namen getragen – je nachdem, welcher Hauptmieter gerade das Sagen hatte.

Aaltotheater mit Evonik-Turm im Hintergrund
Aaltotheater mit Evonik-Turm im Hintergrund

Am Aalto-Theater erreichen wir bereits die erste grüne Überraschung der Tour: den Essener Stadtgarten, dessen Geschichte bis ins Jahr 1859 zurückreicht. Zwischen Aalto-Theater und Philharmonie geht es durch die weitläufige Parkanlage zum Stadtgartenteich. Natürlich darf auch hier eine Fontäne nicht fehlen. Zwischen den alten Bäumen und Grünflächen entdecken wir immer wieder Skulpturen, die sich fast selbstverständlich in die Parklandschaft einfügen.

Am anderen Ende verlassen wir den Stadtgarten und folgen zunächst ein Stück der Hohenzollernstraße, bevor wir erstmals auf die Rüttenscheider Straße treffen.

Rüttenscheid: Großstadt, Gastronomie und ein bisschen Verkehrspolitik

Hinter dem Glückaufhaus geht es wieder ins Grüne – zumindest angedeutet für ein kurzes Stück. Über einen Minipark und eine Fußgängerbrücke gelangen wir zum Museum Folkwang. Wer etwas Zeit mitbringt, sollte einen Abstecher einplanen: Der Eintritt in die ständige Sammlung ist sogar kostenlos.

Der eigentliche Trail führt allerdings am Museum vorbei und über die Kahrstraße bald wieder auf Essens bekannte Ausgehmeile: die , wie die Rüttenscheider Straße von den Einheimischen genannt wird.

Hier lässt sich durchaus beobachten, wie schwierig sich eine Verkehrswende in einer Großstadt gestalten kann. Zwar wurde ein Teil der Straße als Fahrradstraße ausgewiesen, trotzdem dominieren weiterhin Autos das Straßenbild. Fahrende und parkende Fahrzeuge beanspruchen einen erheblichen Teil des öffentlichen Raums. Dabei wäre das Potenzial dieser Straße enorm: Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte reihen sich dicht aneinander. Mit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer könnte die Rü vermutlich noch wesentlich stärker von ihrer urbanen Atmosphäre profitieren.

Wir laufen mitten durch dieses quirlige Treiben und biegen nach der U-Bahnhaltestelle Martinstrasse wieder ab. Schon wenige Meter später wird es deutlich ruhiger.

Ein alter Friedhof mitten im Viertel

Der kleine Christinenpark wurde ursprünglich als Friedhof angelegt. Im Jahr 1880 entstand hier der Alte Friedhof Rüttenscheid. Noch heute erinnern einige erhaltene Grabmäler an diese frühere Nutzung.

Inzwischen ist daraus ein kleiner grüner Treffpunkt mit Spielplatz und Biergärten der umliegenden Gastronomie geworden. Ein ziemlich bemerkenswerter Wandel – vom Friedhof zum beliebten Aufenthaltsort mitten im Stadtviertel.

Am Ausgang des Parks wartet noch ein kleiner Street-Art-Stopp: die Hall of Fame Villa Rü. Hier gibt es zahlreiche Graffiti zu entdecken, wobei die Qualität der Werke durchaus unterschiedlich ist. Mit viel Glück findet man aber auch interessante Arbeiten.

Danach führt uns der Trail noch einmal auf die Rüttenscheider Straße, allerdings nur für ein kurzes Stück, bevor wir über die Wegenerstraße weiterziehen.

Street Art und der Abschied von der Großstadt

An der stark befahrenen Alfredstraße wartet mit „Ever Green“ ein echter Hingucker. Das rund 800 Quadratmeter große Mural entstand anlässlich der Grünen Hauptstadt Europas 2017. Gabor Doleviczenyi schuf das Werk gemeinsam mit acht weiteren Künstlern und verwendete dafür rund 1.400 Spraydosen.

Mural - Ever Green
Ein Teil des Murals – Ever Green

Direkt daneben fällt eine ungewöhnliche Fußgängerbrücke auf. Sie hat zwar schon deutlich bessere Zeiten gesehen, erfüllt aber weiterhin ihren Zweck und bringt uns sicher über die Alfredstraße.

Brücke
Bang Bang – Brücke

Und genau hier verändert sich der Charakter der Wanderung spürbar. Die extrem urbane Umgebung bleibt hinter uns. Statt dicht bebauter Straßen erwarten uns nun Altbauten, kleine Grünflächen und schließlich der Zugang zum Grugapark.

Altbau
Altbau

Am Nebeneingang an der Orangerie gehen wir jedoch nicht in den Park,  sondern wechseln wir auf eine Fahrradtrasse. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Die Strecke wird von Radfahrern intensiv genutzt, daher sollte man möglichst am Rand laufen.

Nach etwa 200 Metern gibt es auf der linken Seite etwas Besonderes zu entdecken – zumindest, wenn man zwischen den Bäumen hindurchschaut.

Hundertwasser und der Weg zur Margarethenhöhe

Dort steht das Ronald McDonald Haus Essen, das 2005 nach einem der letzten Architekturentwürfe von Friedensreich Hundertwasser eröffnet wurde. Das ungewöhnliche Gebäude ist ein Zuhause auf Zeit für Familien, deren schwer kranke Kinder im benachbarten Universitätsklinikum behandelt werden.

Hundertwasserhaus in Essen
Hundertwasserhaus in Essen

Kurz darauf verlassen wir die Fahrradtrasse und tauchen auf einem ruhigeren Waldweg endgültig in eine deutlich grünere Umgebung ein. Der Weg führt zunächst ins Tal und anschließend wieder ein Stück bergauf.

Dann liegt plötzlich die Margarethenhöhe vor uns.

Die historische Gartenstadt wirkt wie ein kleines eigenes Universum. Die 115 Hektar große Siedlung wird von der Margarethe Krupp-Stiftung verwaltet und gilt als bedeutendes Beispiel für menschenfreundlichen Wohnungsbau. Insgesamt entstanden hier 935 Gebäude mit 3.092 Wohneinheiten.

Das Gasthaus zur Margarethenhöhe
Das Gasthaus zur Margarethenhöhe

Besonders schön ist der Kleine Markt mit seinem Gasthaus und den umliegenden historischen Häusern. Die romantischen Straßennamen und liebevoll gestalteten Fassaden vermitteln tatsächlich das Gefühl, ein Stück weit durch eine andere Zeit zu laufen.

Nur die modernen Autos passen nicht ganz ins Bild. Sie stehen heute in fast jeder Straße und beanspruchen mit ihrem enormen Platzbedarf einen erheblichen Teil der historischen Idylle.

Der Trail führt geschickt durch die Gartenstadt und anschließend wieder in ein kleines Waldgebiet. Schon am Eingang weist ein großer, aufgemalter Wegweiser auf unser nächstes Ziel hin.

Ein Hammer aus dem Siegerland mitten im Essener Wald

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Halbachhammer.

Halbachhammer
Halbachhammer

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Hammerhütte. Hier wurden auf der Grundlage von Wasserkraft und Holzkohle verschiedene Arbeitsschritte der Eisenverarbeitung unter einem Dach miteinander verbunden. Ursprünglich stand die Anlage rund 500 Jahre lang im Siegerland. Um 1900 wurde sie dort stillgelegt und in den 1930er-Jahren nach Essen umgesetzt.

Gelegentlich finden hier noch Schmiedevorführungen statt – ein durchaus ungewöhnlicher Ort, den man mitten auf dieser Wanderung wahrscheinlich nicht erwarten würde.

Waldweg
Waldweg

Wir wandern anschließend weiter durch den Wald und verlassen diesen fast auf Höhe der A52 wieder.

Wenn Verkehrspolitik auf Realität trifft

Beim Überqueren der Norbertstraße wartet dann ein weniger erfreulicher Anblick: ein sehr schmaler Radstreifen entlang einer Straße, die eher wie eine Autobahn wirkt – und auch entsprechend stark befahren wird.

Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, braucht zumindest eine gewisse Portion Mut und Gottvertrauen. Für eine wirklich angenehme und sichere Radinfrastruktur sieht das anders aus.

Wir überqueren anschließend auch die A52 und sehen auf der rechten Seite einen riesigen Bürokomplex: die ehemalige Konzernzentrale von Karstadt. Die wechselvolle Geschichte des Kaufhauskonzerns hat inzwischen auch hier ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude wird heute von anderen Nutzern verwendet; der Nachfolger Galeria hat seinen Sitz mittlerweile in Düsseldorf.

Danach wird es wieder ruhiger.

Vom Kruppwald zum Baldeneysee

Wir biegen in eine ruhige Wohnstraße ein und merken schnell, dass wir inzwischen in einer der eher wohlhabenden Gegenden Essens angekommen sind. Die Häuser werden größer, die Grundstücke weitläufiger, die Einfahrten repräsentativer und auch die Autos passen zum Umfeld.

Kranich am Toreinfahrt
Kranich am Toreinfahrt

Immer wieder lassen sich dabei kleine Kunstwerke und ungewöhnliche Details in den Vorgärten entdecken.

An einem markanten Kriegerdenkmal treffen wir erneut auf die Alfredstraße. Hier wirkt sie bereits deutlich ruhiger als zuvor in Rüttenscheid. Nach einem kurzen Stück biegen wir in den Hügelweg ein.

Dabei passieren wir das Markuskreuz – für mich persönlich ein besonders interessanter Punkt der Strecke.

Je weiter wir dem Hügelweg folgen, desto deutlicher wird der Charakter der Umgebung. Die Häuser werden zunehmend großzügiger und schließlich führt der Weg wieder in den Kruppwald.

Und dann gibt es einen kurzen Fernblick auf das größte Einfamilienhaus dieser Wanderung: die Villa Hügel, den ehemaligen palastartig gestalteten Wohnsitz der Familie Krupp.

Fernblick auf die Krupp Villa Hügel
Fernblick auf die Krupp Villa Hügel mit Pferd 😉

Der Trail führt nun bergab in Richtung Baldeneysee. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Bahnhof Essen-Hügel und damit das offizielle Ende des Urban Trails.

Der Lago Maggiore des Ruhrpotts - Baldeneysee

Wer noch Zeit und Lust hat, sollte die Wanderung hier allerdings nicht unbedingt beenden. Folgt man der Straße weiter, erreicht man einen Eingang zur Villa Hügel und ihrem weitläufigen Park. Noch schöner wäre es aus meiner Sicht sogar, die Tour leicht abzuwandeln und direkt den oberen Haupteingang zu nutzen und dann durch den Hügel Park herunter zum Baldeneysee bzw. S-Bahnhaltestelle.

Für den Besuch der Villa Hügel wird Eintritt verlangt – dafür bekommt man allerdings noch einmal ein ganz anderes Kapitel Essener Stadt- und Industriegeschichte geboten.

Fazit

Der Urban Trail Essen hat mich vor allem durch seine enorme Vielfalt überrascht. Innerhalb von gut zwölf Kilometern verändert sich die Umgebung mehrfach grundlegend: vom dichten Stadtzentrum über Rüttenscheid, Parks und Street Art geht es durch die Gartenstadt Margarethenhöhe, Wälder und historische Metallverarbeitungsstätten bis in die vornehmen Wohnlagen rund um den Kruppwald und schließlich an den Baldeneysee.

Besonders spannend fand ich, wie deutlich sich dabei unterschiedliche Facetten Essens beobachten lassen. Hier die dicht bebaute Großstadt mit Verkehr und urbanem Leben, dort plötzlich Wald, historische Siedlungen und fast ländlich wirkende Wege.

Und genau dieser Wechsel macht für mich den Reiz der Urban Trails aus: Man bleibt zwar immer in der Stadt, bekommt aber trotzdem das Gefühl, auf einer kleinen Entdeckungsreise unterwegs zu sein.

Für mich ist der Urban Trail Essen daher eine sehr abwechslungsreiche und empfehlenswerte Tour, insbesondere für alle, die Essen einmal abseits der bekannten Industriekultur neu entdecken möchten.

Urban Trail Duisburg: Zwischen Kaiserberg, Hafen und moderner Kunst

Der Urban Trail Duisburg ist mit 11,8 Kilometern wieder einmal ein klassischer Rundweg. Damit könnte man theoretisch an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Für mich war der Duisburger Hauptbahnhof als Startpunkt aber die naheliegende Wahl – genauer gesagt der Ostausgang. So lässt sich die Tour bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Auch diesmal habe ich vorsichtshalber den GPS-Track von der RuhrTourismus Webseite auf mein Wander-GPS geladen. Die gelben Markierungen waren zwar auf dem überwiegenden Teil der Strecke vorhanden, allerdings hatte ich den Eindruck, dass dies Mitte August 2025 nicht durchgängig der Fall war. Besonders am Kaiserberg und später in der Innenstadt habe ich mich deshalb am Track orientiert.

Vom Hauptbahnhof direkt ins Grüne

Kaum hat man den Bahnhof verlassen, geht es durch eine Unterführung unter der Mülheimer Straße. Und dann passiert etwas, das man bei einer Wanderung, die direkt am Duisburger Hauptbahnhof beginnt, vielleicht nicht unbedingt erwartet: Plötzlich steht man im Goerdeler Park und hat das Gefühl, im Grünen angekommen zu sein. Das geschäftige Bahnhofsumfeld ist innerhalb weniger Minuten verschwunden.

Foto Goerdeler Park
Direkt im Goerdeler Park wird ruhiger

Besonders angenehm finde ich die anschließende Wegführung durch schmale Grünstreifen zwischen den Wohnhäusern. Gerade an heißen Sommertagen entsteht hier ein überraschend angenehmes Mikroklima. Danach geht es noch einmal kurz entlang der Mülheimer Straße. Hier fällt neben einem großen Tauben-Mural auch ein ungewöhnlicher Glasbau auf, der 1993 nach einem Entwurf des renommierten Londoner Architekten Norman Foster fertiggestellt wurde.

Forster Bau
Das Glashaus von Sir Norman Forster

Über die Moltkestraße mit kleinen Geschäften und sogar einem Vinylplatten-Laden erreichen wir anschließend wieder die parkähnliche Königsberger Allee, die uns in Richtung Kaiserberg führt. Unterwegs können wir bei der Überquerung der Zieglerstrasse noch rechterhand die ungewöhnlich sicher Bunkerbude (=Kiosk) erspähen.

Bunkerbude
Die gut getarnte Bunkerbude

Auf den Kaiserberg

Die Bebauung wird zunehmend großzügiger, schöne Villen und größere Grundstücke säumen den Weg. Und tatsächlich: Duisburg kann auch bergig! Dann verschwindet die Straße und der Trail führt in das Waldgebiet. Besonders spannend ist hier eine etwas verwittert wirkende künstliche Grotte. Sie war einst Teil eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit künstlichem Wasserfall und wirkt heute wie ein kleines, vergessenes Relikt aus einer anderen Zeit.

Grotte
Die geheimnisvolle Grotte

Weiter geht es vorbei an einem kleinen Teich und anschließend weiter zum Ehrenfriedhof und der Kriegsgräberstätte Kaiserberg des ersten Weltkrieges. Danach führt der Weg am Rand des Duisburger Zoos entlang zu einer weiten Wiese und dann wieder in den Wald.

Foto Ehrenfriedhof
Blick auf den Ehrenfriedhof

Ganz verschwunden ist die Stadt allerdings nicht: Aus der Entfernung ist ständig das Rauschen der Autobahnen A3 und A40 zu hören. Schließlich liegt der Kaiserberg genau am berühmten Autobahnkreuz, dessen früherer „Spaghetti-Knoten“ derzeit umgebaut wird. Natur und die „Lebensadern“ des Ruhrgebietes liegen hier buchstäblich direkt nebeneinander.

Kartenausschnitt Autobahnkreuz Kaiserberg
Der Spaghetti-Knoten – Quelle: openstreetmap.org

Ein schöner Höhepunkt ist der Aussichtspunkt Schnabelhuck. Der Name soll daher kommen, dass der nördliche Ausläufer des Kaiserbergs an einen Entenschnabel erinnert. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Landschaftspark Duisburg-Nord und zu den dahinter liegenden Hochöfen von Thyssenkrupp. Ein guter Platz für eine kleine Verschnaufpause!

Ausblick vom Schnabelhuck
Ausblick vom Schnabelhuck

Schrebergärten und ein überraschender Weg zum Innenhafen

Nach dem Abstieg wird es wieder deutlich urbaner. Vorbei an der Duisburger Hauptfeuerwache – offenbar ein wiederkehrendes Motiv bei den Urban Trails – geht es durch ein Wohngebiet. Hier lohnt es sich, die Augen offen zu halten: kleine Kunstwerke, ein Windspiel und sogar ein öffentlicher Bücherschrank tauchen am Wegesrand auf.

Anschließend wechseln wir erneut ins Grüne und laufen durch eine lange Verbindung zwischen Kleingartenanlagen und Sportplätzen. Das eigentliche Schrebergartenleben bekommt man hier zwar nur am Rande mit, dafür gibt es eine kleine Kuriosität zu entdecken: eine Wanderhütte des Sauerländischen Gebirgsvereins mitten in Duisburg.

Dann geht es durch ein kleines Brachland – und plötzlich liegt der Duisburger Innenhafen vor uns.

Industriekultur am Wasser

Schon von weitem fällt die große Autobahnbrücke ins Auge, dahinter die markante Küppersmühle. Die Brücke überspannt den Hafen auf einer Länge von 1.824 Metern und gehört damit zu den längsten Straßenbrücken Deutschlands. Gleichzeitig befindet sie sich inzwischen im Neubau.

Unter der Brücke gibt es noch eine kleine Überraschung: Auf ihren Pfeilern befinden sich zahlreiche Graffiti, die im Rahmen eines Projekts der Bürgerstiftung Duisburg zum Thema „Heimat“ entstanden sind. Die dazugehörigen QR-Codes funktionieren inzwischen allerdings offenbar nicht mehr.

Heimat = Currywurst, by @foxy_lair76

Und dann sind wir endgültig am Innenhafen angekommen. Die Küppersmühle ist dabei kaum zu übersehen. Aus einem ehemaligen Mühlen- und Speichergebäude entstand nach den Plänen der Baseler Architekten Herzog & de Meuron ein beeindruckendes Museum für moderne Kunst. Schon allein die Architektur ist einen genaueren Blick wert.

Blick auf den Innenhafen
Blick auf den Innenhafen

Entlang des Hafenbeckens treffen historische Kräne auf Restaurants, moderne Architektur und die sorgfältig restaurierten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit. Besonders interessant ist der Garten der Erinnerung, in dem Relikte der früheren Hafennutzung in eine begehbare Park- und Kunstlandschaft integriert wurden.

Ausblick Innenhafen
A room with a view – im Innenhafen

Durch die Duisburger Innenstadt

Vom Innenhafen führt der Trail anschließend mitten hinein in die Stadtgeschichte. Wir passieren Teile der alten Stadtmauer, das Kultur- und Stadthistorische Museum mit seinen auffälligen weißen Kokillen und schließlich die imposante Salvatorkirche.

Steinmann am Rathaus Duisburg
Steinmann am Rathaus Duisburg

Auch das Rathaus und die archäologischen Überreste des Alten Marktes liegen direkt am Weg. Bei meiner Wanderung war allerdings der Durchgang durch den reich verzierten Rathausbogen gesperrt. Also ging es außen herum und dann wieder nach links zum Burgplatz.

Danach wird es richtig städtisch. Durch die Fußgängerzone führt der Trail vorbei an zahlreichen Cafés und Restaurants. Hier verlor ich allerdings zeitweise die gelben Markierungen und orientierte mich wieder am GPS-Track.

Kögalerie - Duisburg
Shopping-Zone

Für eine Pause bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten an – darunter das vegetarisch-vegane Zora oder das Traditionscafé Dobbelstein. Letzteres hat für mich sogar eine persönliche Geschichte: Schon meine Großmutter machte bei ihren Stadtbesuchen hier früher gerne eine kleine Pause.

Kunst zum Abschluss

Über den Dellplatz, einen wichtigen kulturellen Treffpunkt Duisburgs, geht es weiter zum Lehmbruck Museum. Das renommierte Museum für moderne und internationale Skulptur liegt mitten im Immanuel-Kant-Park. Auch außerhalb des Museumsgebäudes gibt es zahlreiche Skulpturen frei zugänglich im Park zu entdecken – ein kleiner zusätzlicher Rundgang lohnt sich daher unbedingt.

Dellplatz
Dellplatz

Direkt gegenüber beziehungsweise am Weg liegt außerdem die Cubus Kunsthalle, die zeitgenössische und häufig auch lokale Kunst zeigt. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten informieren.

Kurz vor dem Ziel wartet noch ein weiteres Museum, das ich bei dieser Wanderung selbst zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe: das Museum DKM mit seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst. Vielleicht ein guter Grund, noch einmal nach Duisburg zurückzukehren.

Und dann ist der Hauptbahnhof schon wieder erreicht. Gegenüber steht mit dem Goldenen Anker noch ein passender Abschluss: Der 9,5 Meter hohe Brunnen von Zoltan Szekessy symbolisiert die Verbindung Duisburgs zur Schifffahrt und zum Hafen.

Mein Fazit

Der Duisburger Urban Trail hat mich positiv überrascht. Auf der Karte hatte ich zunächst eine ziemlich städtische Wanderung erwartet. Tatsächlich führt die Route aber erstaunlich geschickt durch Parks, Grünstreifen und den Wald des Kaiserbergs, bevor sie wieder mitten in die Stadt und anschließend zum Innenhafen führt.

Gerade dieser Wechsel macht für mich den Reiz aus: Natur, Stadt, Industriekultur, Hafen und Kunst liegen hier teilweise nur wenige Minuten voneinander entfernt. Besonders der Innenhafen macht Spaß – am Wasser entlangzulaufen und dabei die erhaltenen und restaurierten Spuren der industriellen Vergangenheit zu entdecken, ist immer wieder reizvoll.

Für die angegebenen 11,8 Kilometer habe ich ohne längere Pausen ziemlich genau drei Stunden benötigt. Wer die Tour mit einem kleinen Duisburg-Städtetrip verbinden möchte, kann problemlos zwei oder drei längere Besichtigungsstopps einplanen.

Mein Fazit: eine sehr abwechslungsreiche Urban-Trail-Runde und aus meiner Sicht definitiv eine Empfehlung für alle, die das Ruhrgebiet einmal abseits der klassischen Industriemotive entdecken möchten.

Link: Urban.Trail – Duisburgs Kunst.Weg bei der RuhrTourismus GmbH

Urban Trail Dortmund – Street Art, Industriekultur und die vielen Gesichter der Ruhrmetropole

Für den Urban Trail Dortmund habe ich mich wieder auf den GPS-Track von der offiziellen Webseite verlassen. Nach meinen Erfahrungen mit den teilweise noch fehlenden Markierungen bei den Trails in Gelsenkirchen und Hagen erschien mir das sinnvoll. Und tatsächlich: Auch in Dortmund waren die gelben Markierungszeichen nicht durchgehend vorhanden. Auf einigen Abschnitten waren sie gut zu erkennen, auf anderen fehlten sie jedoch. Ob die Markierung noch nicht komplett angebracht war oder der GPS-Track teilweise leicht von der ausgeschilderten Route abweicht, konnte ich nicht feststellen. Mit dem GPS-Track war die Orientierung jedenfalls problemlos.

Ich bin am Dortmunder Hauptbahnhof gestartet und die Runde im Uhrzeigersinn gelaufen. Höhenmeter spielen bei dieser Tour praktisch keine Rolle. Dafür bekommt man einen ziemlich intensiven Eindruck von der Stadt – und insbesondere von den Veränderungen, die der Strukturwandel in Dortmund hinterlassen hat.

Auftakt am Dortmunder U

Vom Hauptbahnhof führt der Trail zunächst in Richtung des Dortmunder U, das sich längst zu einer der bekanntesten Landmarken der Stadt entwickelt hat.

Direkt an der Rückseite des markanten Gebäudes wartet bereits ein erstes Highlight für Street-Art-Fans: eine große Hall of Fame, an der Graffiti- und Street-Art-Künstler legal ihre Werke anbringen können. Der große Vorteil gegenüber illegalem Sprühen: Hier haben die Künstler Zeit, ihre Motive sorgfältig und aufwendig umzusetzen. Entsprechend beeindruckend sind viele der entstandenen Werke.

Ein kleiner Tipp am Rande: Wer am Ende der Hall of Fame kurz nach links schaut, entdeckt auch an den gegenüberliegenden Häusern einige große Murals. Sie liegen allerdings nicht direkt auf der offiziellen Trailroute.

Durch das Unionviertel

Nach dem Überqueren der Unionstraße geht es zunächst entlang eines längeren Wohnblocks, durch einige Höfe und einen kleinen Grünstreifen mitten im Stadtgebiet.

Dann erreichen wir das Unionviertel.

Das Quartier war lange Zeit stark vom Strukturwandel und damit verbundenem Leerstand geprägt. Inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt. Wo früher Leerstände dominierten, findet man heute ein lebendiges und kreatives Stadtviertel.

Mural by Alice von 2016
Mural by Alice von 2016

Auch Street Art gehört inzwischen ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt immer wieder interessante Wandbilder und kleinere künstlerische Interventionen.

Der Westpark – grüne Oase mitten in der Stadt

Nach dem ersten urbanen Abschnitt geht es plötzlich ins Grüne.

Der Westpark ist trotz seiner Lage mitten in Dortmund eine erstaunlich ruhige Oase. Große Rasenflächen, alte Bäume und viel Platz machen ihn zu einem beliebten Erholungs- und Freizeitort.

Im Sommer finden hier regelmäßig Veranstaltungen statt. Besonders bekannt sind die Flohmärkte, die noch angenehm „old school“ daherkommen: wenig Neuwaren, dafür jede Menge Gebrauchtes, Kurioses und Überraschungen. Auch die Zahl der klassischen Imbissstände hält sich erfreulich in Grenzen.

Mein Tipp: Vor der Wanderung lohnt sich ein Blick in den Veranstaltungskalender des Westparks. Vielleicht lässt sich die Tour ja mit einer Veranstaltung verbinden.

Nach einem kurzen Abstecher in das angrenzende Stadtgebiet mit seinen Cafés und Restaurants führt der Trail noch einmal durch den Westpark und anschließend wieder mitten hinein ins Unionviertel.

Hier wartet auch eine kleine Überraschung: Der Weg führt durch einen unscheinbaren Hinterhof, in dem sich zahlreiche gesprühte Bilder entdecken lassen. Ein schönes Beispiel dafür, dass man bei einem Urban Trail immer wieder den Blick in Nebenstraßen und Hinterhöfe richten sollte.

Wenn Dortmund plötzlich rau wird

Nach der Überquerung der vielbefahrenen Rheinischen Straße verändert sich die Atmosphäre erneut.

Jetzt geht es in Richtung der industriellen Relikte Dortmunds – oder, etwas moderner ausgedrückt: Lost Places.

Direkt hinter den Bahngleisen führt der Weg rechts hinunter auf die Alte Radstraße. Alte, verwitterte Industriegebäude, rostige Unterführungen und überwucherte Flächen bestimmen nun das Bild.

Lost place
Lost place – überwucherte Industriehallen

Ich bin die Strecke an einem Samstagnachmittag gelaufen – und auf den nächsten Kilometern ist mir tatsächlich kein einziger anderer Mensch begegnet.

Inmitten dieser Kulisse kann dadurch durchaus ein etwas beklemmendes Gefühl entstehen. Obwohl überall Grün wächst, ist deutlich zu spüren, dass man sich hier in einem sich transformierenden Industrie- und Gewerbegebiet bewegt.

Licht am Ende des Tunnels
Licht am Ende des Tunnels

Lange Geraden führen uns schließlich in Richtung Hafen.

Dortmunds Hafen – Industrie trifft Moderne

Nach der Unterquerung der Mallinckrodtstraße fällt zunächst eine ungewöhnlich schwungvoll gestaltete Fahrradrampe ins Auge. Wir müssen sie allerdings nicht hinaufgehen, sondern bleiben auf dem unteren Weg.

Gewundene Rampe
Gewundene Rampe

Nach einer weiteren langen Gerade erreichen wir bald die Speicherstraße. Zunächst geht es jedoch noch über eine Brücke geht über die Bahngleise. Dabei bietet sich ein besonders schöner Blick auf das Alte Hafenamt.

Das alte Hafenamt
Das alte Hafenamt

Anschließend geht es über eine Treppe hinunter zur kleinen Promenade am Stadthafen.

Hier zeigt sich Dortmund wieder von einer ganz anderen Seite: Wasser, alte Speichergebäude, moderne Nutzungen und industrielle Relikte bilden ein ziemlich interessantes Stadtbild.

Entlang der Speicherstraße wechseln sich historische Gebäude mit neueren Nutzungen ab. Auch die hier ansässigen Unternehmen sind entsprechend vielfältig. Am Ende der Straße wartet erneut ein kleines Street-Art-Highlight.

Ein kleiner Umweg für Street-Art-Fans

Nach dem ehemaligen Kranbahngelände würde die offizielle Route über die Bülowstraße in eine Kleingartenanlage führen.

Ich bin an dieser Stelle allerdings von der offiziellen Wegführung abgewichen und stattdessen über das damals offenbar problemlos zugängliche, verlassene Gelände weitergelaufen.

Graffiti Wall auf dem verlassenen Hafengelände
Graffiti Wall auf dem verlassenen Hafengelände

Wichtig: Das war mein persönlicher Eindruck zum Zeitpunkt meiner Wanderung und ist keine Empfehlung, ggf. abgesperrte oder nicht öffentlich zugängliche Flächen zu betreten.

Der Grund für meinen kleinen Umweg war eine weitere lange legale Graffiti-Wand entlang der östlichen Seite des Geländes. Hier finden sich zahlreiche aufwendig gestaltete Werke von Sprayern aus der regionalen Street-Art-Szene.

Für mich hat sich der kleine Umweg definitiv gelohnt. Wer sich für Graffiti interessiert, sollte diesen Bereich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

Endlich wieder Natur: der Fredenbaumpark

Nach dem industriell geprägten Abschnitt tut das Grün des Fredenbaumparks richtig gut.

Durch den dichten Baumbestand fühlt es sich stellenweise fast so an, als würde man durch einen Wald laufen. Der Trail führt auf verschlungenen Wegen rund um den Fredenbaumteich, an dem unter anderem Tret- und Ruderboote ausgeliehen werden können.

Blick auf den Teich im Fredenbergpark
Blick auf den Teich im Fredenbergpark

Anschließend geht es in Richtung Naturmuseum Dortmund.

Ein praktischer Hinweis für Kulturinteressierte: Der Eintritt in die Dauerausstellung war bei meiner Wanderung im Juni 2026 kostenlos. Das kann sich natürlich ändern, daher lohnt sich vor einem geplanten Besuch ein kurzer Blick auf die aktuellen Informationen.

Nach dem Museum führt der Trail noch ein Stück durch den Park, bevor wir am Fredenbaumplatz wieder auf stärker bebautes Gebiet treffen. Der Platz wird regelmäßig für Veranstaltungen genutzt und gelegentlich macht auch ein Zirkus hier Station.

Durch die Nordstadt zurück zum Hauptbahnhof

Ab jetzt wird die Umgebung wieder deutlich urbaner.

Der Trail führt geschickt durch verschiedene Grünbereiche und über quirlige Straßen mit Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften zurück in Richtung Innenstadt.

Gerade dieser letzte Abschnitt macht noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Dortmunder Stadtteile sind. Von der Industriebrache über kreative Quartiere und den Hafen bis hin zu dicht besiedelten Straßen liegen auf dieser Wanderung teilweise nur wenige Kilometer.

Schließlich schließt sich die Runde wieder am Dortmunder Hauptbahnhof.

Fazit: Dortmund im Schnelldurchlauf

Der Urban Trail Dortmund hat für mich unter den bisherigen Ruhrgebiets-Trails eindeutig einen der höchsten Stadtanteile.

Wer eine Wanderung durch möglichst viel Natur sucht, ist hier eher falsch. Wer dagegen erleben möchte, wie vielfältig eine Ruhrgebietsstadt sein kann, bekommt eine ausgesprochen interessante Tour.

Man bekommt einen guten Eindruck von unterschiedlichen Dortmunder Vierteln und erlebt den Strukturwandel direkt vor Ort: aufwendig sanierte und neu genutzte Industriegebäude stehen neben verfallenen Brachen, kreative Quartiere neben traditionellen Wohnvierteln und moderne Entwicklungen neben den Relikten der industriellen Vergangenheit.

Mit dem Dortmunder U, dem Alten Hafenamt, dem Unionviertel, dem Westpark, Teilen der Nordstadt und dem Fredenbaumpark liegen außerdem einige Orte auf der Route, die für die unterschiedlichen Facetten Dortmunds geradezu exemplarisch sind.

Dazu kommen jede Menge Street Art und Graffiti. Wer aufmerksam unterwegs ist, kann dabei noch deutlich mehr entdecken, als die eigentliche Trailroute verspricht.

Höhenmeter? Praktisch keine. Abwechslung? Dafür jede Menge.

Für mich ist der Dortmunder Urban Trail deshalb vor allem eine gute Möglichkeit, Dortmund einmal nicht nur als Ausgangspunkt für eine Wanderung, sondern selbst als Wanderziel zu entdecken.

Link: Beschreibung der Tour mit GPS-Track und komoot-Link der RuhrTourismus GmbH.

Urban Trail Bochum – Bergbau, Street Art und echtes Ruhrgebiet

Der Urban Trail Bochum ist diesmal keine Punkt-zu-Punkt-Wanderung, sondern ein klassischer Rundweg. Im Prinzip kann man an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Da die Route auch den Bochumer Hauptbahnhof berührt, ist sie zudem hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Ich bin den Trail Anfang August 2026 vom Hauptbahnhof aus gegen den Uhrzeigersinn gelaufen. Den GPS-Track hatte ich auf mein Wander-GPS geladen und bin der vorgegebenen Strecke ziemlich genau gefolgt.

Die gelben Markierungszeichen waren bei meiner Wanderung bereits an vielen Stellen vorhanden, allerdings offenbar noch nicht vollständig. Ich würde deshalb auch hier empfehlen, zur Sicherheit mit GPS-Gerät oder einer Navigations-App wie komoot unterwegs zu sein. Den Track und die Route kann man über die unten verlinkte Seite von Ruhr Tourismus herunterladen.

Was mir auf dieser Tour besonders gefallen hat: Bochum zeigt sich hier nicht als perfekt herausgeputzte Sehenswürdigkeitenstadt, sondern als ziemlich authentische Mischung aus Bergbau- undd Stahlgeschichte, Stadtleben, Street Art, Parks, Arbeitersiedlungen und ganz normalem Ruhrpott-Alltag.

Vom Hauptbahnhof mitten hinein ins Stadtleben

Direkt nach dem Verlassen des Hauptbahnhofs geht es zunächst mitten hinein in die Bochumer Innenstadt. Die Fußgängerzone bietet dabei gleich eine große Auswahl an Cafés und Bäckereien. Wer vor der Wanderung noch ein Frühstück oder einen Kaffee benötigt, hat hier also die Qual der Wahl.

Am Dr.-Ruer-Platz biegt die Route ab und führt vorbei an der Pauluskirche zum Platz am Kuhhirten. Schon hier begegnet einem ein Thema, das mich auf der gesamten Tour immer wieder begleitet: Street Art.

Am Treppenabgang befindet sich ein Mural der Kölner Künstlerin metraeder, deren charakteristische Gitterstruktur man hier sehr gut erkennen kann.

Weiter geht es vorbei an St. Peter und Paul und am Gerberviertel in Richtung Nordring. Nach der Unterquerung der Bahnstrecke geht es über einige Stufen hinauf – und plötzlich steht man vor einem der markantesten Gebäude Bochums.

Planetarium: Eine Reise zu den Sternen

Das Bochumer Planetarium ist schon von außen beeindruckend. Der markante Kuppelbau wurde als Big Beautiful Building ausgezeichnet und beherbergt eines der meistbesuchten Sternentheater Europas.

Wer Zeit mitbringt, sollte die Gelegenheit nutzen und eine Vorstellung besuchen. Während einer Wanderung lässt sich zwar nur ein kurzer Blick auf das Gebäude werfen, aber der Gedanke, mitten in Bochum in fremde Galaxien reisen zu können, passt irgendwie perfekt zu diesem ungewöhnlichen Bau.

Die Route führt anschließend an der Bochumer Synagoge vorbei in den großen Stadtpark.

Stadtpark und Bismarckturm

Der Bochumer Stadtpark ist eine angenehme Überraschung. Die weitläufige Anlage mit alten Bäumen, Teich, Fontäne und kleinem Wasserfall vermittelt fast den Eindruck, die Großstadt sei plötzlich weit entfernt.

Bei meiner Wanderung im August 2026 wurde allerdings an mehreren Stellen gerade kräftig renoviert. Teilweise war nicht ganz klar, ob man die neu angelegten Wege bereits betreten durfte. Absperrungen oder ausdrückliche Verbotsschilder waren allerdings nicht zu sehen.

Ein markanter Punkt im Park ist der alte Bismarckturm. Mit seinen 33 Metern ist er der höchste Bismarckturm in Nordrhein-Westfalen.

Von dort führt der Weg am idyllischen Teich entlang und anschließend wieder hinaus in Richtung Freiligrathstraße.

Durch Schrebergärten zum Bergbau-Museum

Nach einigen sehenswerten alten Stadthäusern biegt die Route in eine typische Ruhrgebiets-Kleingartenanlage ab.

Ich mag solche Passagen bei Urban Trails besonders. Die Kleingärten sind eben nicht nur ordentlich angelegte Beete, sondern häufig kleine persönliche Welten. Zwischen Blumen, Gemüsebeeten und Gartenlauben entdeckt man immer wieder skurrile Dekorationen und witzig kreative Ideen der Besitzer.

Am anderen Ende der Anlage zeichnet sich bereits das nächste große Ziel ab: das markante Fördergerüst des Deutschen Bergbau-Museums.

Das Museum gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bochums und ist das größte Bergbaumuseum der Welt. Besonders das Anschauungsbergwerk ist ein Erlebnis. Nach wenigen Minuten unter Tage entsteht tatsächlich das Gefühl, sich in einem echten Bergwerkstollen zu befinden.

Wer den Urban Trail mit einem Museumsbesuch verbinden möchte, sollte dafür allerdings entsprechend Zeit einplanen.

Bochum wird alternativ

Hinter dem Bergbau-Museum verändert sich die Umgebung erneut. Die Route führt in ein städtisches Viertel mit deutlich alternativem Einschlag.

Wir passieren unter anderem die Quartiershalle in der KoFabrik, die als offener Ort für die Nachbarschaft gedacht ist. An der Ecke zur Windmühlenstraße fällt ein gut besuchtes Café auf. Für eine Pause scheint mir das eine interessante Möglichkeit zu sein.

Anschließend geht es durch den Apollonia-Pfaus-Park und über kleinere Stadtwege vorbei am Gesundheitsamt und der Christuskirche zum Platz des Europäischen Versprechens.

Und wieder lohnt es sich, aufmerksam zu sein.

An der Fassade des Restaurants DeFermo befindet sich eine inzwischen etwas verwitterte Erinnerungstafel, die an eine frühe Braustätte Bochums erinnert.

Ein Manta-Rochen an der Schlegel-Brauerei

Nur wenige Meter weiter wartet ein besonders ungewöhnliches Bochumer Motiv: ein riesiger Manta-Rochen von Denis Klatt.

Das Gebäude gehörte einst zur Schlegelbrauerei. Der Manta ist dabei mehr als nur ein schönes Wandbild. Er spielt auch auf den legendären Opel Manta an – jenes Kultauto, das im Bochumer Opelwerk produziert wurde und durch den Film Manta, Manta! endgültig zum Ruhrgebiets-Klischee avancierte.

Hier treffen auf wenigen Quadratmetern gleich mehrere Bochumer Geschichten aufeinander: Bier, Autos, Industrie und Popkultur.

Street Art auf dem Weg zum Westpark

Die Route verlässt nun langsam das unmittelbare Stadtzentrum. An der Ecke Diekampstraße/Schmidtstraße befindet sich ein weiteres sehenswertes Mural von Martin Bender.

An der Alleestraße gibt es noch einmal Gelegenheit, Getränke oder Proviant einzukaufen. Außerdem finden sich entlang dieses Abschnitts einige Cafés.

Nach der Überquerung der Straße geht es leicht bergauf in den Westpark.

Industriekultur im Westpark

Der Westpark liegt auf dem Gelände des ehemaligen Bochumer Vereins, und hier ist nicht der Vfl gemeint, sondern ein ehemals bedeutender Montankonzern. Heute ist daraus ein großzügiger Landschafts- und Erholungspark geworden.

Im Mittelpunkt steht die Jahrhunderthalle Bochum.

Der Kontrast ist beeindruckend: Wo früher schwere Industriearbeit stattfand, finden heute Konzerte, Festivals und andere Kulturveranstaltungen statt. Der Urban Trail führt praktisch einmal um den Gebäudekomplex herum.

Man muss allerdings gar nicht viel Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, wie anders dieser Ort früher ausgesehen und angefühlt haben muss. Die erhaltenen Industriegebäude sind die sichtbaren Überreste einer Zeit, in der Bochum noch wesentlich stärker von Stahl und Schwerindustrie geprägt war.

Am Josef-Anton-Gera-Platz wartet dann schon wieder ein völlig anderes Motiv: ein riesiges Mural an einer Hauswand.

Arbeitersiedlung Stahlhausen

Nach einer weiteren Überquerung der Alleestraße führt der Weg in die ehemalige Arbeitersiedlung Stahlhausen.

Die roten Backsteinhäuser mit ihren teilweise auffälligen Fliesenverzierungen vermitteln einen guten Eindruck davon, wie die Wohnwelt der Arbeiter früher aussah.

Durch die Siedlung geht es über einen ungewöhnlich gestalteten Spielplatz weiter in Richtung Springerplatz. Besonders die Spielgeräte sind hier einen genaueren Blick wert.

Wer an einem Freitagnachmittag unterwegs ist, hat am Springerplatz zudem eine weitere attraktive Pausenmöglichkeit: Dann findet dort der Moltkemarkt statt, auf dem neben klassischen Marktangeboten auch zahlreiche Streetfood-Stände zu finden sind.

Ein Haus voller Street Art

An der Ecke Annastraße/Springerplatz wartet ein weiteres meiner persönlichen Highlights der Tour.

Ein komplettes Haus ist mit unterschiedlichen Murals gestaltet, die von verschiedenen Street-Art-Künstlern stammen. Ich würde hier nicht einfach vorbeilaufen, sondern das Gebäude einmal umrunden. Die unterschiedlichen Stilrichtungen und Techniken kommen erst richtig zur Geltung, wenn man die verschiedenen Seiten betrachtet.

Überhaupt entwickelt sich Street Art auf diesem Urban Trail zu einer Art rotem Faden. Fast hinter jeder nächsten Ecke scheint wieder ein neues Wandbild aufzutauchen.

Bermudadreieck: Bochums berühmtes Nachtleben

Im weiteren Verlauf geht es wieder Richtung Innenstadt. Vor uns taucht die ehemalige St.-Marien-Kirche auf, deren ungewöhnliche Form auf Fotos fast ein wenig an eine Rakete erinnert.

Direkt daneben liegt das Anneliese Brost Musikforum Ruhr.

Die Route führt anschließend über den Kerkweg direkt ins Bermuda3Eck.

Das berühmte Bochumer Ausgehviertel ist ein ziemlicher Kontrast zu den vorherigen Abschnitten. Statt Schrebergärten, Arbeitersiedlungen und Industrieanlagen gibt es hier Kneipen, Restaurants, Bars und jede Menge Menschen.

Wer eine Pause braucht, findet hier natürlich unzählige Möglichkeiten.

Und selbstverständlich darf auch ein Stück Ruhrgebietskultur nicht fehlen: die Currywurst – nicht zuletzt durch Herbert Grönemeyers musikalisch verewigt.

Mein Street-Art-Profi-Tipp

Wer etwas Zeit hat, sollte das Bermuda3Eck nicht einfach nur oberirdisch durchqueren. Ein Abstecher in die U-Bahn-Station Bermuda3Eck/Musikforum lohnt sich.

Die Station ist fast eine unterirdische Street-Art-Galerie. Die Arbeiten von Denis Klatt verwandeln den Bahnhof in eine bizarre Unterwasserwelt der Bermuda Islands. Für mich ist das eine der ungewöhnlichsten Stellen der gesamten Tour.

Ehrenfeld: authentisches Bochum

Nach dem Bermudadreieck geht es wieder unter der Bahnüberführung hindurch. Dahinter liegt die Königsallee, die spätestens seit Herbert Grönemeyers Bochum ebenfalls einen festen Platz in der Stadtkultur besitzt.

Die Route biegt allerdings in die Alte Hattinger Straße ab und führt in das lebendige Viertel Ehrenfeld.

Hier zeigt sich Bochum noch einmal von seiner sehr eigenen Seite. Große Wandbilder, kleine Läden, Gastronomie und eine teilweise etwas schräge Nachbarschaftskultur sorgen für eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist.

Manchmal grüßt sogar ein Skelett mit Frosch als Fensterstopper die vorbeilaufenden Passanten.

Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine Pause oder einen spontanen Abstecher.

Noch einmal Street Art – wieder unter Tage

In Richtung Schauspielhaus kann man sich wieder entscheiden: oberirdisch weitergehen oder einen Teil des Weges durch die U-Bahn-Station nehmen.

Ich würde die zweite Variante zumindest einmal ausprobieren.

An den zur Königsallee gelegenen Abgängen zur U-Bahnstation Schauspielhaus befinden sich weitere große Sprühkunstwerke von Denis Klatt, diesmal thematisch passend zum Schauspielhaus.

Das Schauspielhaus Bochum selbst war während meiner Wanderung im August 2026 eingerüstet. Die Sanierung soll bald abgeschlossen sein. Momentan erinnerte das Gebäude deshalb eher an eine temporäre Christo-Installation – die ursprüngliche Architektur lässt sich aber erahnen.

Ein Pottwal zum Abschluss

Über die Taubenstraße geht es weiter durch Wohngebiet. Unterwegs wartet noch ein riesiges Rotkehlchen auf einer Hauswand.

Danach führt die Route durch einen neu angelegten Pocket-Park mit einigen Sitzgelegenheiten.

Und dann kommt das große Finale.

An einer Hauswand erscheint ein riesiger (Ruhr)Pottwal, unter dem eine Landschaft mit untergehenden Zechen dargestellt ist.

Ein riesiger Pottwal ziert die Hauswand

Das Mural greift damit noch einmal eines der zentralen Themen dieser Wanderung auf: die Verbindung von Natur, Stadt und industrieller Vergangenheit.

Von hier sind es nur noch wenige Schritte und eine letzte Unterquerung der Bahnstrecke – und schon steht man wieder am Bochumer Hauptbahnhof.

Fazit: Bochum einmal quer durch die Stadt

Der Bochumer Urban Trail hat mir ausgesprochen gut gefallen – allerdings aus einem etwas anderen Grund als beispielsweise die Tour von Herten nach Herne.

Hier steht weniger die große Landschaft im Vordergrund. Stattdessen entdeckt man die Stadt selbst.

Bergbau-Museum und Jahrhunderthalle erzählen von der industriellen Vergangenheit. Arbeitersiedlungen erinnern an das Leben der Menschen, die diese Industrie getragen haben. Das Bermuda3Eck und Ehrenfeld zeigen das heutige Bochum. Und dazwischen tauchen immer wieder überraschende Parks, Kleingärten, Cafés und vor allem jede Menge Street Art auf.

Gerade diese vielen kleinen Entdeckungen machen den Reiz der Strecke aus. Man sollte deshalb nicht versuchen, die gut 12 Kilometer möglichst schnell abzuwandern. Es lohnt sich, langsam zu gehen, nach links und rechts zu schauen und auch einmal einen kleinen Umweg zu machen.

Wer Bochum nicht nur über die großen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, sondern Lust auf ein authentisches, buntes und manchmal durchaus etwas schräges Ruhrgebiet hat, für den ist dieser Urban Trail eine sehr gute Gelegenheit.

Bergbau, Bier, Bermuda3Eck, Street Art, Arbeitersiedlungen, Industriekultur und ganz normaler Ruhrpott-Alltag – Bochum kann man auf dieser Runde tatsächlich ziemlich gut „erlaufen“.

Praktische Informationen

  • Streckenart: Rundwanderung
  • Start/Ziel: Bochum Hauptbahnhof
  • Streckenlänge: entsprechend der offiziellen Route, GPS-Track empfohlen
  • Anreise: sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Navigation: Markierungen waren bei meiner Wanderung weitgehend vorhanden, aber noch nicht vollständig
  • Empfehlung: GPS-Gerät oder Navigations-App mit geladenem Track
  • Besondere Highlights: Planetarium, Stadtpark, Deutsches Bergbau-Museum, Jahrhunderthalle, Westpark, Bermudadreieck, Ehrenfeld und zahlreiche Street-Art-Werke
  • Pausen: zahlreiche Cafés, Gastronomie und am Springerplatz freitags der Moltkemarkt

Link: Offizielle Routenbeschreibung bei RuhrTourismus

In diesem Video habe ich einige Eindrücke dieses Urban Trails im Bewegtbild festgehalten, ohne Kommentierung/Erläuterung:

Urban Trail Herten – Herne: Von Wasserschlössern, Zechen und der Halde Hoheward

Der Urban Trail von Herten nach Herne ist – wie schon die Wanderung in durch Oberhausen – eine Punkt-zu-Punkt-Wanderung. Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Dafür sind beide Endpunkte gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Bei meiner Wanderung in der ersten Augustwoche 2026 gab es allerdings noch eine Besonderheit: Der Trail war vor Ort noch nicht markiert. Wer die Tour derzeit nachwandern möchte, sollte sich deshalb unbedingt den GPS-Track herunterladen oder beispielsweise eine Navigations-App wie komoot verwenden (Links gibt auf der RVR-Seite)

Die offizielle Streckenlänge beträgt 13,7 Kilometer. Auf meiner Aufzeichnung standen am Ende rund 14,5 Kilometer auf dem GPS – vermutlich eine Mischung aus GPS-Ungenauigkeit und meinen diversen kleinen Abstechern zu interessanten Orten entlang der Strecke.

Überraschender Auftakt in Herten

Obwohl ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin, war ich tatsächlich zum ersten Mal in Herten. Die Anreise mit der S-Bahn-Linie 9 aus Richtung Essen verlief problemlos. Vom Bahnhof Herten (Westfalen) sind es nur wenige Schritte bis zum Busbahnhof in der Hertener Innenstadt, wo die Tour beginnt.

Mein erster Eindruck von Herten war überraschend positiv. Obwohl die Stadt nur etwa ein Drittel der Einwohnerzahl Mülheims hat, wirkte die Innenstadt auf mich erstaunlich lebendig. Auch die Auswahl und Qualität der Geschäfte machte einen guten Eindruck.

Ich dachte zunächst: Das wird wohl erst einmal eine Wanderung durch dicht bebautes Stadtgebiet.

Doch damit sollte ich mich gründlich täuschen.

Vom Rathaus direkt ins Grüne

Von der Einkaufsstraße sind es nur wenige Meter bis zum Hertener Rathaus. Eine Verbindungsbrücke zwischen den Rathausgebäuden bildet gleichzeitig eine Art Tor zum Schlosspark.

Und plötzlich ist die Stadt weitgehend verschwunden.

Ich fühlte mich unmittelbar wie in einem Wald und folgte den Wegen durch den überraschend weitläufigen Schlosspark. Schon bald erreicht man die Orangerie, ein kleines denkmalgeschütztes Gebäude, das heute für Veranstaltungen genutzt wird.

Schloss Herten

Auf der anderen Seite des Parks fällt bereits das Wasserschloss Herten ins Auge. Es wurde erstmals 1376 urkundlich erwähnt; die heute erhaltenen Gebäude entstanden im 16. und 17. Jahrhundert nach Entwürfen des Coesfelder Baumeisters Henric de Suer.

Der Weg führt am Schlossteich entlang, vorbei an der LWL-Klinik Herten und zur Festwiese. Hier lohnt sich unbedingt ein kurzer Abstecher zur eigentlichen Schlossanlage.

Eine ungewöhnliche Kunstachse

Anschließend geht es auf eine lange Gerade durch den Schlosspark und -wald. Hier befindet sich die Kunstachse „Burgenland“.

Mini-Zeche auf Hügel

Auf einer Strecke von rund zwei Kilometern wurden am Wegesrand 15 künstliche Erdhügel aufgeschüttet. Auf acht davon sollenkleine, erstaunlich detailgetreue Miniatur-Zechengebäude stehen, ich habe bei meiner Wanderung nur zwei entdeckt.

Grüne Achse

Das Konzept verbindet auf ungewöhnliche Weise die beiden Welten, die diese Wanderung prägen werden: Schloss und Bergbau, Adel und Industriegeschichte. Die erhöht auf den Hügeln platzierten Zechenmodelle sollen dabei die einstige Machtposition der Industriellen symbolisieren.

Noch etwas Waldluft genießen – und schon ist es mit der Ruhe wieder vorbei.

Von der Straße zur Zeche Ewald

Der Weg trifft auf eine Landesstraße und führt zunächst ein kurzes Stück entlang stärker befahrener Straßen. Praktisch: Unterwegs kommt man jetzt auch an einem Discounter vorbei. Wer Getränke oder Proviant nachfüllen möchte, hat hier noch einmal Gelegenheit dazu.

Denn bald wird die Wanderung körperlich anspruchsvoller.

Nach der Autobahnunterführung taucht vor uns die ehemalige Zeche Ewald auf. Die ersten Gebäude und Fördergerüste kündigen das weitläufige Zechengelände schon von weitem an.

Fördergerüste Zeche Ewald

Die Zeche Ewald entstand ab den 1870er Jahren und wurde im April 2000 endgültig stillgelegt. Heute ist das Gelände ein gelungenes Beispiel für den Strukturwandel: In den historischen Gebäuden haben sich Unternehmen und Gastronomiebetriebe angesiedelt, außerdem wird das Areal als Veranstaltungsort genutzt.

Ich würde hier nicht einfach nur dem Trail folgen, sondern ein wenig kreuz und quer über das Gelände laufen. Es gibt viel zu entdecken.

Besonders markant sind der gemauerte Malakowturm über Schacht 1 sowie die Stahlfördergerüste über den Schächten 2 und 7. Hier lässt sich noch einmal sehr unmittelbar nachvollziehen, welche Dimensionen der Bergbau im Ruhrgebiet einst hatte.

Jetzt wird es anstrengend: Aufstieg zur Halde Hoheward

Hinter der Zeche beginnt der anspruchsvollste Abschnitt der Wanderung: Treppensteigen.

Vor uns liegt die Halde Hoheward. Mit 152,5 Metern über Normalhöhennull gehört sie zu den markantesten Landmarken des Ruhrgebiets. Aufgeschüttet wurde sie aus Material der Zechen Recklinghausen II, Ewald und General Blumenthal/Haard.

Die Treppe zur Halde Hoheward

Der erste Treppenabschnitt hat es durchaus in sich: 132 Stufen führen hinauf zu einem ersten Aussichtsbalkon. Der Blick zurück auf das Zechengelände mit seinen Fördergerüsten ist bereits beeindruckend.

Aber wir sind noch lange nicht oben.

Weitere 77 Stufen und ein serpentinenartig verlaufender Weg bringen uns zur Ewald-Empore. Auch von hier bietet sich noch einmal ein leicht erhöhter Blick über die Umgebung.

Und spätestens jetzt verändert sich das Wandergefühl vollkommen.

Ruhrgebiet wie aus dem Gebirge

Oben auf der Halde habe ich tatsächlich fast das Gefühl, in einer Mittelgebirgslandschaft unterwegs zu sein. Die Baumgrenze wird durchbrochen, die Vegetation niedriger, die Wege verlaufen durch offene Landschaft und die Hitze der Augustsonne hat die Wiesen bereits goldgelb verfärbt.

Blick auf Halde Hoheward

Und dann dieser Blick.

Bei klarer Sicht reicht er über weite Teile des Ruhrgebiets – von Duisburg bis Dortmund und mit etwas Glück kann man sogar den Düsseldorfer Rheinturm erkennen. Unter einem liegt eine der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands, und trotzdem wirkt die Landschaft von hier oben erstaunlich grün, weit und offen.

Das ist für mich einer der schönsten Momente dieser Tour: Man vergisst für einen Augenblick, dass man sich mitten im Ballungsraum Ruhrgebiet befindet.

Über die teilweise recht steile Haldenstraße geht es weiter zum höchsten Punkt.

Horizontobservatorium und Sonnenuhr

Auf dem Haldengipfel steht das weithin sichtbare Horizontobservatorium. Leider ist die Anlage noch immer abgesperrt.

Das hat einen guten Grund: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurden Risse im Äquatorbogen festgestellt. In der Folge wurden schon zusätzliche Stützpfeiler installiert. Bis heute ist das Observatorium deshalb nicht regulär zugänglich.

Obelisk und Himmelsobservatorium Halde Hoheward

Etwas unterhalb befindet sich ein weiteres beeindruckendes Bauwerk: die Sonnenuhr mit Obelisk. Die Anlage liegt auf rund 140 Metern Höhe und umfasst etwa 3.000 Quadratmeter. Der Edelstahl-Obelisk ist 8,5 Meter hoch.

Hier oben lohnt sich eine Verschnaufpause. Und dann beginnt der Abstieg.

Auf schmalen Pfaden zur nächsten Zeche

Der Abstieg ist fast das Gegenstück zum vorherigen Aufstieg. Statt breiter Wege und Treppen geht es nun über verschlungene, teilweise leicht bewachsene Singletrails wieder hinunter.

Fast am Fuß der Halde taucht plötzlich ein weiteres ungewöhnliches Objekt auf: ein stilisierter, asiatisch anmutender Drachenkopf.

Über die Drachenbrücke geht es anschließend zur ehemaligen Zeche Recklinghausen II. Hier sind noch das Fördergerüst und die Maschinenhalle erhalten.

Nach der langen Naturpassage bietet sich noch einmal die Gelegenheit, Industriekultur aus nächster Nähe zu erleben.

Vom Zechengelände an die Emscher

Anschließend führt der Urban Trail zunächst durch die Dreieck-Siedlung Hochlarmark. Hier stehen noch zahlreiche typische alte Zechenhäuser – Ruhrgebiet wie aus dem Bilderbuch.

Danach wird die Umgebung wieder deutlich städtischer. Besonders ins Auge fällt die Reformationskirche, eine asymmetrisch gestaltete, zweischiffige Backsteinkirche mit einem seitlichen, pyramidenbekrönten Turm.

Schließlich erreichen wir die Emscher.

Kaum ein anderer Fluss steht so exemplarisch für den Wandel des Ruhrgebiets. Einst als stark belastete „Köttelbecke“ bekannt, wurde die Emscher in einem jahrzehntelangen Großprojekt renaturiert und entwickelt sich heute wieder zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Landschaft.

Emscher - gradlinieg

Zeitreise Strom – ein echter Geheimtipp

Nach einem kurzen Stück entlang der Emscher geht es über eine Brücke in Richtung Stadthafen Recklinghausen. Zuvor muss allerdings noch die Bochumer Straße überquert werden.

Direkt auf der anderen Seite steht das imposante ehemalige VEW-Umspannwerk Recklinghausen.

Mein Tipp: Hier unbedingt einen Abstecher in das Museum „Zeitreise Strom“ einplanen.

Das denkmalgeschützte Umspannwerk beherbergt eine beeindruckende Sammlung zur Geschichte der Elektrizität und Energieversorgung. Besonders die Ausstellung in der ersten Etage fand ich sehenswert.

Umspannwerk Recklinghausen

Und das Schöne daran: Man muss dafür gar kein Technikfan sein. Beim Anblick vieler ausgestellter Geräte fühlt man sich unweigerlich in die eigene Kindheit oder Jugend zurückversetzt. Für mich war das einer der überraschendsten Stopps der gesamten Tour.

Stadthafen und Rhein-Herne-Kanal

Nach dem kurzen Abschnitt entlang der Emscher führt der Weg über eine Brücke zum Stadthafen Recklinghausen. Das Wasser sorgt für einen erneuten atmosphärischen Wechsel.

Von hier geht es weiter am Rhein-Herne-Kanal entlang. Der Urban Trail nutzt dabei geschickt einen grünen Korridor zwischen verschiedenen Kleingartenanlagen oder Schrebergärten, wie man hier im Pott dazu sagt.

Wieder einmal zeigt sich die besondere Qualität dieser Tour: Man bewegt sich durch eine dicht besiedelte Region und hat trotzdem immer wieder das Gefühl, durch überraschend grüne Landschaften zu laufen.

Schloss Strünkede – ein herrschaftliches Finale

Nach dem Kanalabschnitt geht es noch einmal durch bebautes Gebiet, bevor das nächste Highlight auftaucht: der Schlosspark Strünkede.

Der Weg führt direkt in die Parkanlage und macht anschließend einen Schlenker entlang des Burggrabens.

Das kastellartige Wasserschloss Strünkede bildet einen geradezu herrschaftlichen Kontrast zu den Zechenanlagen und Halden, die uns zuvor begleitet haben. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Schloss Sitz der freiherrlichen Familie von Strünkede. Seit 1938 beherbergt es die kultur- und stadtgeschichtlichen Sammlungen des Emschertal-Museums.

Und genau hier endet der Urban Trail.

Fazit: Ruhrgebiet in einer einzigen Wanderung

Die rund 14,5 Kilometer haben mir wieder ausgesprochen gut gefallen.

Was diese Tour für mich besonders macht, ist der ständige Wechsel der Landschaften und Themen. Sie beginnt an einem Wasserschloss, führt durch einen überraschend grünen Schlosspark, vorbei an Miniaturzechen und mitten durch die beeindruckende Industriekulisse der Zeche Ewald. Danach geht es hinauf auf eine riesige Halde, über deren Gipfel man einen fantastischen Blick über das gesamte Ruhrgebiet genießt.

Dann folgt der Abstieg durch naturnahe Wege, vorbei an einer ehemaligen Zeche, durch eine typische Bergarbeitersiedlung und entlang der renaturierten Emscher. Mit dem Umspannwerk und dem Stadthafen kommen weitere völlig unterschiedliche Facetten hinzu, bevor mit Schloss Strünkede noch einmal eine ganz andere Epoche der regionalen Geschichte auf dem Programm steht.

Industriekultur, Natur, Bergbau, Stadt, Wasser und Schlösser – diese Wanderung hat eigentlich alles, was das Ruhrgebiet ausmacht. Zudem ging es auf der relativ kurzen Strecke durch drei Städte, wo sonst ist das möglich?

Und genau deshalb kann ich den Urban Trail von Herten nach Herne uneingeschränkt empfehlen!

Neben den Fotos oben habe ich eine Eindrücke (ohne Kommentierung) auch als Video festgehalten:

Links:
Ruhr-Tourismus – Urban.Trail – Überraschender Drei.Städtetrip

Einige Eindrücke der Wanderung habe ich auch ohne Kommentare in diesem Video festgehalten:

Urban Trail Hagen – zwischen Street Art, Wald und überraschenden Höhenmetern

Den Urban Trail Hagen bin ich Anfang Juli 2026 gelaufen. Wie einige der anderen Urban Trails handelt es sich auch hier um einen klassischen Rundweg. Man kann theoretisch an jeder Stelle einsteigen, besonders praktisch ist aber der offizielle Start direkt am Hagener Hauptbahnhof. Damit war die Anreise mit der S-Bahn für mich völlig unkompliziert.

Glasbild - Willkommen in Hagen - Bahnhof
Glasbild – Willkommen in Hagen – Bahnhof

Bei meiner Wanderung waren die gelben Trail-Markierungen zumindest am Start offenbar noch nicht vollständig vorhanden. Zwar begegneten mir unterwegs immer wieder einzelne Markierungen, allerdings hatte ich den Eindruck, dass diese teilweise noch nicht vollständig waren oder möglicherweise nicht exakt dem GPS-Track entsprachen. Ich hatte deshalb vorsorglich den offiziellen Track auf mein Wander-GPS geladen und bin damit sehr gut zurechtgekommen.

Der Trail hat sich für mich gefühlt ziemlich klar in drei Abschnitte geteilt: etwa 25 Prozent Stadt, 50 Prozent grüne Natur und anschließend wieder 25 Prozent urbanes Hagen. Ich bin die Runde im Uhrzeigersinn gelaufen.

Und genau dieser Wechsel ist für mich einer der größten Reize dieser Tour.

Vom Hauptbahnhof in die Hagener Innenstadt

Los geht es am Hauptbahnhof. Zunächst führt die Route über den lebendigen Berliner Platz und anschließend in die Bahnhofstraße. Wer samstags unterwegs ist, kann hier vormittags noch über den Wochenmarkt schlendern.

Schon auf den ersten Metern bekommt man einen Eindruck vom heutigen Hagen. Interessant fand ich dabei auch den innerstädtischen Radweg entlang der Bahnhofstraße – ein Beispiel dafür, wie ein Radweg im städtischen Umfeld durchaus attraktiv und gut in den Straßenraum integriert werden kann.

Über die Neumarktstraße geht es weiter bis zum Theaterplatz.

Das Theater Hagen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1911 mit einer Aufführung von Schillers Wallenstein eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Theater stark beschädigt und anschließend wiederaufgebaut. 1949 konnte der Spielbetrieb erneut aufgenommen werden.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht, um sich mit der Theatergeschichte zu beschäftigen, denn der Urban Trail macht nur einen kurzen Schlenker und führt anschließend in die Humboldtstraße.

Street Art als wiederkehrendes Thema

Hier wartet bereits das erste große Wandbild auf uns: ein imposantes Mural von Martin Bender.

Mural von Martin Bender
Mural von Martin Bender – man beachte die stürmische See!

Leider konnte ich keine näheren Informationen zu diesem konkreten Werk finden. Besonders ins Auge fällt mir aber das Schiff, das sich durch die abstrakt dargestellten Wellen kämpft. Wie bei vielen Murals lohnt es sich auch hier, nicht einfach nur daran vorbeizulaufen, sondern sich das Bild einen Moment genauer anzusehen.

Über die Humboldtstraße geht es weiter in die Bergstraße und vorbei am Bunker Hagen.

Der massive Bau ist ein Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Untergeschoss befindet sich eine private Ausstellung zum zivilen Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Ein interessanter zusätzlicher Blick auf eine Epoche, die auch im Stadtbild Hagens ihre Spuren hinterlassen hat.

Urban Trail Marker am Bunker Hagen
Urban Trail Marker am Bunker Hagen

Und plötzlich wird es grün

Über die Konkordiastraße und eine kreativ gestaltete Unterführung geht es weiter – und dann verändert sich die Atmosphäre ziemlich abrupt.

Graffiti Regel mit Urban Trail Markierung
Wann wird der Marker übersprüht sein?

Wir erreichen den Stadtpark Hagen.

Spätestens jetzt wird klar, warum Hagen gerne als „Tor zum Sauerland“ bezeichnet wird. Der Weg beginnt anzusteigen, und aus der gemütlichen Stadtwanderung wird langsam eine Wanderung mit durchaus ernst zu nehmenden Höhenmetern.

An einem warmen Julitag macht sich das dann auch körperlich bemerkbar.

Durch den schönen Park geht es weiter vorbei an den ruhrgebietstypischen Schrebergärten. Zwischendurch öffnen sich immer wieder Ausblicke über Hagen. Gerade diese Kombination aus sorgfältig angelegten Gärten, Stadtpanorama und den ersten ansteigenden Wegen gefällt mir sehr gut.

Und dann geht es endgültig hinein in die Natur.

Der Bismarckturm – und der Beginn der Höhenwanderung

Nach den ersten Anstiegen erreichen wir den Wald. Nur wenige Minuten später taucht zwischen den Bäumen der rustikal wirkende Bismarckturm Hagen auf.

Bismarckturm Hagen
Bismarckturm Hagen mit Rastmöglichkeiten

Der Turm wurde 1900/1901 errichtet und ist insgesamt 24 Meter hoch. An Wochenenden besteht dank des Fördervereins die Möglichkeit, den Turm zu besteigen. Wer das einplanen möchte, sollte vorher die aktuellen Öffnungszeiten beachten.

Ich war allerdings schon mit dem Blick von außen zufrieden. Viel interessanter war für mich ohnehin, was danach kam.

Denn jetzt geht es wieder zurück in den Wald.

Mitten in Hagen und doch mitten im Wald

Für eine ganze Weile ist von der Stadt kaum noch etwas zu sehen.

Die Wege führen durch den Wald, und plötzlich fühlt sich der Urban Trail überhaupt nicht mehr urban an. Wenn man wenige Minuten zuvor noch durch die Innenstadt gelaufen ist, ist es schon erstaunlich, wie schnell man sich in dieser völlig anderen Umgebung wiederfindet.

Kreative Bank mit Turmskulpturen
Kreative Bank mit Turmskulpturen

Hagen zeigt hier seine besondere geografische Lage: Die Stadt liegt am Übergang zwischen Ruhrgebiet und Sauerland – und das macht sich auf dieser Wanderung ziemlich deutlich bemerkbar.

Allerdings zeigt sich im Wald auch eine weniger schöne Seite.

Kahle Baumstämme ragen in den Himmel
Kahle Baumstämme ragen in den Himmel

Immer wieder stehen kahle, abgestorbene Bäume zwischen den noch grünen Bereichen. Die Folgen von Trockenheit, Hitze und anderen Auswirkungen des Klimawandels sind auch hier nicht zu übersehen. Die abgestorbenen Stämme wirken fast wie stille Mahnmale dafür, dass diese scheinbare Idylle keineswegs mehr selbstverständlich ist.

Eugen-Richter-Turm und Volkssternwarte

Nach einiger Zeit erreichen wir den zweiten Aussichtspunkt der Tour: den Eugen-Richter-Turm.

Der 1911 errichtete Turm ist 23 Meter hoch und steht direkt neben der Volkssternwarte Hagen. Auch dieser Turm kann zu den Öffnungszeiten der ehrenamtlich betriebenen Sternwarte bestiegen werden.

Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sie nutzen. Von oben bietet sich erneut ein weiter Blick über Hagen und die umliegende Landschaft.

Foto Spot im Wald
Auch im Wald trifft man auf Buntes

Damit hat die Wanderung gleich zwei Aussichtstürme zu bieten – und dazwischen jede Menge Wald.

Ein Lost Place mitten im Grünen

Nach dem Eugen-Richter-Turm geht es wieder hinein in den Wald und anschließend langsam bergab.

Verwilderte Klutert Kampfbahn Hagen
Lost Place – die verwilderte Klutert Kampfbahn Hagen

Allmählich tauchen vereinzelt wieder erste Häuser auf. Doch dann stehe ich plötzlich vor etwas, das auf den ersten Blick fast wie ein vergessenes Eingangstor zu einem Lost Place wirkt.

Und genau das ist es auch.

Hinter dem Tor liegt die mittlerweile stark überwucherte Kampfbahn Klutert.

Früher befand sich hier ein Sportplatz mit klassischem Aschebelag und Laufbahn. Bis zu 4.000 Zuschauer konnten die Sportveranstaltungen verfolgen. Heute hat sich die Natur einen großen Teil des Geländes zurückgeholt.

Zwischen Bäumen und Wildwuchs lassen sich noch die Reste der ehemaligen Sportanlage erkennen.

Ein ziemlich faszinierender Ort – gerade weil man sich angesichts der überwucherten Anlage nur schwer vorstellen kann, dass hier früher einmal tausende Menschen auf den Tribünen saßen.

Willkommen in Wehringhausen

Nach einem weiteren kurzen Abstieg ist es dann endgültig vorbei mit Wald und Höhenwanderung.

Über die Rehstraße geht es in die Lange Straße und damit in den Stadtteil Wehringhausen.

Und auch hier verändert sich die Atmosphäre wieder.

Wehringhausen wirkt lebendig, kreativ und ein wenig alternativ. Zahlreiche Cafés, kleine Geschäfte und gastronomische Angebote machen den Stadtteil zu einem angenehmen Ort für eine längere Pause.

Wer aufmerksam in die Seitenstraßen schaut, entdeckt zudem immer wieder Street Art. Besonders in der Bachstraße und Bleichstraße finden sich interessante Wandbilder – darunter erneut Werke von Martin Bender.

Mural von Martin Bender - Kinderkopf
Mural von Martin Bender – Kinderkopf

Die Street-Art-Galerie im Hinterhof

Ein besonderes Highlight wartet in der Moltkestraße.

Kurz vor dem oberen Ende befindet sich ein Garagenhof, dessen Wände mit großflächigen Murals gestaltet sind.

Mein Tipp: Einfach hineingehen und einmal umschauen.

Die Werke wirken in ihrer Gesamtheit fast wie eine kleine Open-Air-Galerie. Und genau solche versteckten Orte machen für mich den Reiz eines Urban Trails aus. Man muss nicht immer nur den offiziellen Sehenswürdigkeiten folgen. Manchmal lohnt es sich, ein wenig genauer hinzusehen oder einen kleinen Schritt abseits des eigentlichen Weges zu machen.

Mural von Martin Bender - Frauenkopf
Mural von Martin Bender – Frauenkopf

Auch auf dem weiteren Weg zurück Richtung Innenstadt begegnen einem immer wieder kleinere Kunstwerke und interessante Details.

Mural von Martin Bender - spielende Kinder
Mural von Martin Bender – spielende Kinder

Fazit: Eine überraschende Wanderung

Der Urban Trail Hagen hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Mischung aus Stadt und Natur überrascht.

Am Anfang läuft man durch die Innenstadt, vorbei an Theater, Bunker und Street Art. Dann geht es plötzlich bergauf und immer weiter in die Natur. Mit Stadtpark, Kleingärten, Bismarckturm, Waldwegen und Eugen-Richter-Turm fühlt sich dieser Abschnitt irgendwann tatsächlich eher wie eine kleine Mittelgebirgswanderung als wie ein Urban Trail an.

Und genau das fand ich großartig.

Es ist erstaunlich, wie schnell man sich in Hagen aus der städtischen Umgebung herausbewegen und mitten im Wald wiederfinden kann. Die beiden Aussichtstürme sorgen zusätzlich für schöne Panoramablicke, während die Kampfbahn Klutert noch eine ganz andere, geheimnisvolle Facette der Tour hinzufügt.

Auf dem Rückweg verändert sich die Atmosphäre erneut. Mit Wehringhausen, seinen Cafés, kleinen Läden und zahlreichen Street-Art-Werken wird es wieder urban, bunt und lebendig.

Damit bietet der Trail eigentlich alles, was ich an diesen Urban Trails so interessant finde:

Stadtgeschichte, Street Art, Natur, Aussicht, ein Lost Place und ein lebendiges Viertel – und das alles auf einer einzigen Runde.

Wer Hagen einmal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, dem kann ich diese Wanderung daher sehr empfehlen. Besonders schön fand ich den überraschenden Moment, an dem aus einer Stadtwanderung plötzlich eine richtige kleine Höhenwanderung wird.

Und genau diese Mischung aus Großstadt und Grünraum macht für mich den besonderen Reiz des Ruhrgebiets aus.

Link: Tourbescheibung der RuhrTourismus GmbH mit GPS-Track und komoot-Link

Urban Trail Gelsenkirchen – von der Zeche durch Industrienatur und Ückendorf

Der Urban Trail Gelsenkirchen ist wieder eine Punkt-zu-Punkt-Wanderung. Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Das ist aber überhaupt kein Problem, denn beide Endpunkte sind gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Wer mit dem Auto anreist, kann dadurch ebenfalls relativ unkompliziert wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Bei meiner Wanderung Anfang Juni 2026 waren die gelben Markierungen allerdings noch gar nicht vorhanden. Ich habe deshalb den auf der Webseite angebotenen GPS-Track auf meinem Wander-GPS verwendet. Für meine Tour war das die richtige Entscheidung – und solange die Beschilderung noch nicht vollständig ist, würde ich das auch anderen Nachwanderern empfehlen.

Schon am Anfang: Zeche und Sport

Der Startpunkt lässt sich mit der Straßenbahn gut erreichen. Von Bochum beziehungsweise Gelsenkirchen führt die Linie 302 in Richtung Lohrheidestraße.

Von der Haltestelle geht es zunächst über einen schmalen Fuß- und Radweg. Schon nach wenigen Minuten taucht das erste Relikt der industriellen Vergangenheit auf: das eindrucksvolle Fördergerüst der ehemaligen Zeche Holland.

Zeche Holland
Zeche Holland

Viel Zeit zum Einlaufen bleibt allerdings nicht, denn schon bald geht es weiter durch einen schmalen Grünstreifen zum Lohrheidestadion. Das Stadion ist ein bedeutendes Leichtathletikzentrum und damit ein ziemlich interessanter Kontrast zum gerade passierten Fördergerüst.

Grüne Wege führen zur Halde
Grüne Wege führen zur Halde

Zeche und Leistungssport – zwei Dinge, die man auf einer Gelsenkirchener Wanderung vielleicht nicht unbedingt direkt hintereinander erwartet.

Und dann ist sie auch schon zu sehen: die Halde Rheinelbe.

Halde Rheinelbe - Himmelstreppe
Halde Rheinelbe – Himmelstreppe

Auf zur Himmelstreppe

Die Halde Rheinelbe gehört zu den Orten, die man im Ruhrgebiet einfach einmal selbst erlebt haben sollte. Der Aufstieg ist gut machbar, und während man langsam an Höhe gewinnt, verändert sich die Umgebung zunehmend.

Halde Rheinelbe - Himmelstreppe - Detail
Die Steinblöcke auf Rheinelbe

Oben angekommen wartet das eigentliche Highlight: die Himmelstreppe von Herman Prigann. Die 1999 entstandene Landmarke besteht aus großen Betonquadern und greift damit unmittelbar die industrielle Vergangenheit des Ortes auf.

Natürlich führt der Urban Trail bis nach oben – und natürlich sollte man auch die letzten Stufen bis zur eigentlichen Skulptur hinaufsteigen.

Der zusätzliche kleine Aufstieg lohnt sich gleich doppelt: Zum einen steht man unmittelbar vor diesem ungewöhnlichen Kunstwerk, zum anderen öffnet sich von hier ein beeindruckendes Panorama über das Ruhrgebiet.

Und genau hier wird wieder einmal ein altes Ruhrgebiets-Klischee eindrucksvoll widerlegt.

Von oben sieht man nämlich erstaunlich viel Grün. Wälder, Parks, Kleingärten und andere Freiflächen ziehen sich zwischen den dicht bebauten Stadtteilen hindurch. Wer immer noch das Bild vom ausschließlich grauen, qualmenden Ruhrgebiet im Kopf hat, bekommt hier ziemlich eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Bild längst überholt ist.

Die Halde Rheinelbe selbst ist dabei ein schönes Beispiel für den Wandel des Reviers: Aus einer industriell geprägten Fläche ist eine Landschaft geworden, in der sich Natur und Kunst miteinander verbinden.

Durch den Skulpturenwald

Der Abstieg führt zunächst durch den bewaldeten Bereich am Fuß der Halde. Und auch hier ist die Wanderung noch weit davon entfernt, wie eine klassische Stadtwanderung zu wirken.

Im Skulpturenwald Rheinelbe verstecken sich zwischen Bäumen und Wegen zahlreiche Arbeiten von Herman Prigann. Alte Beton- und Stahlteile, Baumstämme und andere Materialien wurden hier zu Kunstwerken, die teilweise fast so wirken, als seien sie einfach aus der Landschaft herausgewachsen.

Das Spannende daran: Man läuft nicht durch einen klassischen Skulpturenpark, in dem die Kunstwerke sauber auf einer Wiese nebeneinander aufgestellt sind. Stattdessen muss man aufmerksam sein. Manchmal taucht zwischen den Bäumen plötzlich ein ungewöhnliches Objekt auf.

Damit bleibt auch nach dem Abstieg von der Halde der Eindruck erhalten, mitten in einer Mischung aus Wald, Industriebrachen und Kunst unterwegs zu sein.

Eine überraschende Begegnung im Wald

Unten angekommen, überquere ich zunächst die Fahrradtrasse. Nebenbei bemerkt: Diese Strecke führt von hier aus erstaunlich weitgehend autofrei in Richtung Zeche Zollverein – für Radfahrer also durchaus eine interessante Verbindung.

Der Urban Trail bleibt jedoch zunächst in der Natur.

Durch ein kleines Waldgebiet geht es weiter, und hier wartet für mich eine der überraschendsten Entdeckungen der Tour: die Forststation Rheinelbe.

Sie befindet sich in einem ehemaligen Zechengebäude beziehungsweise einer früheren Umspannstation und passt damit wunderbar in die Geschichte dieses Ortes. Aus einem technischen Relikt der Industriezeit ist ein Ort geworden, der sich heute mit Wald, Natur und Landschaft beschäftigt.

Genau solche Übergänge machen für mich den Reiz der Urban Trails aus.

Langsam wird es städtisch

Nach einer weiteren Querung der Fahrradtrasse verändert sich die Umgebung allmählich. Wir verlassen die größeren Grünbereiche und bewegen uns nun immer stärker durch das Stadtgebiet.

Zunächst fallen die teilweise sehr schönen Altbauten auf. Einige Fassaden sind ausgesprochen kunstvoll gestaltet und erinnern an die Gründerzeit, als das Ruhrgebiet durch den rasanten Ausbau von Bergbau und Industrie stark wuchs.

Dann treffen wir auf eine größere Verkehrsstraße – und spätestens jetzt ist klar: Der grüne Teil der Wanderung liegt hinter uns.

Rechts neben einem Lidl-Markt fällt ein großes Mural ins Auge. Es handelt sich hierbei um den „Schmetterlingsjäger“ von Case Maclaim. Auch nach dem „Kreuzen“ der Radtrasse befindet sich links in der Seitenstraße (Bühlweg) ein eindrucksvolles Mural von Nina Valkhoff lohnt sich ein Blick: Dort versteckt sich ein weiteres, eindrucksvolles Wandbild mit Waldmotiv.

Ausschnitt des Mural Schmetterlingsfänger 4.0
Schmetterlingsfänger 4.0 von Case Maclaim

Man sollte bei dieser Wanderung ohnehin ein wenig Zeit für solche Entdeckungen einplanen. Die Route ist nicht nur eine Wanderung von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, sondern führt mitten durch den Stadtteil und damit auch an vielen kleineren Kunstwerken vorbei.

Auch die weniger schönen Seiten gehören dazu

Die nächsten Meter sind dann allerdings weniger spektakulär.

Man kommt durch Bereiche, in denen leerstehende oder verfallende Häuser das Bild bestimmen. Gerade das empfinde ich aber nicht unbedingt als Nachteil. Schließlich gehört auch das zur Realität des Ruhrgebiets.

Urban Trails sollen für mich nicht nur die herausgeputzten Vorzeigeorte zeigen. Interessant wird es gerade dann, wenn man auch die Übergänge und Brüche einer Stadt erlebt.

Und dann kommt wieder etwas, das wahrscheinlich kaum irgendwo so typisch ist wie im Ruhrgebiet: ein kleiner Kiosk.

Ruhrpott-Bude
Ruhrpott-Bude

Vielleicht wäre jetzt eine gemischte Tüte genau das Richtige?

Plötzlich scheint die Zeit stehen geblieben zu sein

Nach dem Kiosk biegt die Route wieder in einen Park ab – und wenig später stehe ich plötzlich der ausgesprochen pittoresken alten Zechenkolonie Flöz Dickebank.

Siedlung Flöz Dickebank
Die Siedlung Flöz Dickebank

Die kleinen Häuser und ihre Anordnung vermitteln einen sehr guten Eindruck davon, wie die Wohnwelt im historischen Ruhrgebiet ausgesehen hat.

Mit etwas Fantasie und ohne die modernen Autos könnte man hier tatsächlich meinen, die Zeit sei ein gutes Stück zurückgedreht worden.

Und genau diese Kontraste machen den Trail interessant: Vor wenigen Minuten noch Leerstände und Stadtverkehr, dann wieder Park und historische Siedlung.

Ückendorf verändert sich

An der nächsten größeren Straße wartet bereits das nächste große Wandbild. Ein haushohes Mural gesponsort von Viva con Agua ARTS setzt einen weiteren farbigen Akzent.

Mural von Lidia Cao
Mural von Lidia Cao

Von hier geht es weiter durch Ückendorf.

Und hier verändert sich die Atmosphäre erneut. Das Viertel wirkt zunehmend lebendiger und kreativer. Alternative Läden, kleine Cafés und Street Art prägen das Straßenbild.

Fassadenkunst
Hier: Fassadenkunst

Man merkt, dass sich dieser Teil Gelsenkirchens verändert. Die Spuren der alten Industriestadt sind weiterhin überall sichtbar, gleichzeitig entsteht aber eine neue, kreative Stadtkultur.

Paste-ups
Paste-ups

Genau diese Mischung gefällt mir.

Vom Kreativviertel zum Wissenschaftspark

Schließlich erreicht der Urban Trail die parkähnliche Umgebung des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen.

Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen steht sinnbildlich für einen anderen Teil der Geschichte des Ruhrgebiets: Hier geht es nicht mehr um Kohle und Stahl, sondern um Wissen, Innovation und Zukunft.

Wissenschaftspark Gelsenkirchen
Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Damit schließt sich für mich ein schöner Kreis. Die Wanderung begann mit einem alten Fördergerüst und Industrienatur und führt nun zu einem Ort, der für den Strukturwandel und die Zukunft des Ruhrgebiets steht.

Durch die Innenstadt zum Ziel

Von hier geht es weiter Richtung Gelsenkirchener Hauptbahnhof.

Eine besonders interessante Passage ist eine künstlerisch gestaltete Unterführung unter den Bahngleisen. Statt einer langweiligen Unterführung wartet hier noch einmal Urban Art auf die Wanderer.

Danach wird es endgültig städtisch.

Postamt
Postamt – Baukunst

Durch die Fußgängerzone geht es in Richtung Innenstadt. Auch hier lohnt sich weiterhin der Blick nach links und rechts. Zwischen den großen Straßen und Häusern finden sich immer wieder kleinere Kunstwerke und interessante architektonische Details.

Kunst in der Fußgängerzone GE
Kunst in der Fußgängerzone Gelsenkirchen

Schließlich ist das Ziel erreicht: das Musiktheater im Revier, kurz MiR.

Und auch hier zeigt sich noch einmal, dass Gelsenkirchen weit mehr zu bieten hat als seine klassische Bergbaugeschichte.

Hans-Sachs-Haus
Das Hans-Sachs-Haus

Direkt am Ziel befindet sich eine Haltestelle. Von dort kommt man problemlos wieder zum Gelsenkirchener Hauptbahnhof und damit auch zurück zum Ausgangspunkt beziehungsweise zu weiteren Bahnverbindungen.

Mein Fazit: Genau das ist für mich Ruhrgebiet

Auch dieser Urban Trail hat mir richtig Spaß gemacht.

Was mir besonders gefallen hat, ist die deutliche Zweiteilung der Strecke.

Am Anfang wandert man überraschend viel durch Grün: Halde, Wald, Skulpturen, Industrienatur. Dann wird die Umgebung Schritt für Schritt städtischer. Es folgen Wohnviertel, alte Arbeitersiedlungen, Leerstände, Kioske, Street Art, Kreativszene und schließlich die Innenstadt.

Gerade dieser Wandel macht die Tour für mich so interessant.

Das Ruhrgebiet ist eben weder reine Industriekulisse noch idyllische Landschaft. Es ist beides – und meistens liegt beides erstaunlich dicht nebeneinander.

Wer das Ruhrgebiet einmal jenseits der großen Industriedenkmäler erleben möchte, bekommt auf dem Urban Trail Gelsenkirchen eine ziemlich gute Gelegenheit dazu. Zechenrelikte, Industrienatur, Kunst, alte Arbeitersiedlungen, Kiosk-Kultur und ein sich wandelndes Stadtviertel ergeben eine abwechslungsreiche Mischung.

Und spätestens oben auf der Himmelstreppe wird klar: Das Ruhrgebiet ist längst nicht mehr nur grau. Es ist überraschend grün, ziemlich bunt und vor allem ständig im Wandel.

Link: Tourbeschreibung mit GPS-Track und komoot Link bei der RuhrTourismus GmbH.

Urban Trail Mülheim: Eine Rundtour durchs Revierleben – mit Streetart, Klosteridylle und einem Geheimtipp am Ende

Im Frühsommer 2026 habe ich den Urban Trail Mülheim an der Ruhr gegen den Uhrzeigersinn erwandert. Noch ohne die offiziellen gelben Wegweiser, dafür mit einem GPS-Track im Navi und einer großen Portion Neugier. Was folgte, war ein perfekter Mix aus Stadt, Natur und Industriegeschichte – eine Wanderung, die beweist, dass das Ruhrgebiet viel mehr ist als seine Klischees.

Die Tour im Überblick

  • Strecke: Rundwanderweg, ca. 12 km
  • Dauer: 3 bis 4 Stunden (mit Pausen und kleinen Abstechern)
  • Schwierigkeit: Leicht, durchgehend feste Wege
  • Start & Ziel: Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr
  • Besonderheit: Rundtour – ihr kommt bequem dort wieder an, wo ihr begonnen habt
  • Mein Tipp: Lauft sie gegen den Uhrzeigersinn. Der Blick auf die Ruhr und die Altstadt entfaltet sich so am schönsten.

Start in der Bahnhofsnähe: Streetart statt Schotter

Der Trail beginnt unweit des Mülheimer Hauptbahnhofs. Schon nach wenigen Metern entdeckt man die ersten eindrucksvollen Streetart-Werke, die dem Urban Trail seinen Namen geben. Es geht ein kurzes Stück parallel zu den Gleisen, bevor die Route an einer vielbefahrenen Hauptstraße entlangführt. Keine Sorge – das ändert sich schnell.

Street Art zum Start - gesprühter Gorilla
Etwas Street Art zum Start

Vom ehemaligen Café Commercial zum Radschnellweg RS1

Bald biegt der Weg ab und führt am ehemaligen Café Commercial vorbei, wo heute das Cafe Ccino ein neues Leben führt. Weiter geht es Richtung Rathausmarkt, wo ebenfalls ein kleines Café zum Verweilen einlädt. Doch wir steigen die Treppe zur alten Bahnbrücke hinauf – ein Stück des inzwischen legendären Radschnellwegs RS1. Der Ausbau dieses Vorzeigeprojekts stockt leider seit Jahren, was verwundert, wenn man bedenkt, welches Potenzial hier schlummert. Aber gut: Wir sind zu Fuß unterwegs und haben davon weniger Nachteile.

Rathausturm Mülheim
Rathausturm Mülheim

Über die Ruhr in die Müga

Auf der anderen Ruhrseite geht es hinab in den Stadthallengarten. Zumindest war das so, bevor aus unerfindlichen Gründen eine Renovierung für die IGA 2027 begann – zum Zeitpunkt meiner Wanderung eine Baustelle, die einen kleinen Umweg nötig machte. Über diesen Umweg gelangt man aber dennoch auf das ehemalige MÜGA-Gelände (Mülheimer Landesgartenschau). Links liegt das malerische Schloss Broich (ein kurzer Abstecher lohnt sich), rechts die ehemalige Mülheimer Volkshochschule, deren Sanierung die Stadtpolitik trotz erfolgreichen Bürgerbegehrens bislang verweigert.

Brunnen in der Müga
Brunnen in der Müga

Der Weg durch die Müga ist jedoch wunderbar gewählt: Ein bewachsener Bogengang führt vorbei an Brunnen und plätschernden Wasserläufen in Richtung der Camera Obscura – der größten ihrer Art weltweit. Wer hier die Vorführung im alten Wasserbehälter oben mitmacht, bekommt ein extrem eindrucksvolles Erlebnis geschenkt. Auf keinen Fall auslassen!

Camera Obskura im alten Wasserturm
Camera Obskura im alten Wasserturm

Von der Alten Dreherei zurück zur Ruhr

Nun geht es ein Stück auf dem RS1 bzw. parallel dazu zur Alten Dreherei, vorbei an der Mülheimer Feuerwache und der Hochschule Ruhr West. Oben auf der Duisburger Straße macht der Weg kehrt und führt zurück Richtung Ruhr. Dieser Abschnitt entlang des Flusses bietet einen herrlichen Blick auf die Mülheimer Innenstadt, den Wasserbahnhof und das Ruhr-Tal an sich. Zwischendurch kann man noch Blicke auf Häuserfassaden aus der Jahrhundertwende erhaschen, bevor der Weg auf einen ruhigen Spazier- und Radweg an der Ruhr mündet.
Hier liegt auch das FAIR1-HEiM, ein nachhaltiges Café, das sich für eine kurze Rast anbietet.

Skurriles Detail auf dem Weg: Der Immer Auf Kiosk scheint für Immer geschlossen zu sein.
Skurriles Detail auf dem Weg: Der Immer Auf Kiosk scheint für Immer geschlossen zu sein.

Dorf Saarn und das Kloster

Kurz darauf erreicht man das „Dorf Saarn“. Wer die Mülheimer Innenstadt in den letzten Jahren etwas vermisst hat, wird hier fündig: Die Geschäftsstraße hat mittlerweile mehr Flair und Angebote als die Innenstadt. Kleine Boutiquen, Cafés und Bäckereien laden zum gemütlichen Flanieren ein.

Eingang ins Kloster Saarn
Eingang ins Kloster Saarn

Die nächste Station ist das Kloster Saarn. Der Weg durch den Klostergarten und den Park ist so idyllisch, dass man fast vergisst, mitten im Ruhrgebiet zu sein. Im Klostercafe könnte man theoretisch den nächsten Kaffee-Pause einlegen – aber man kann ja nicht überall Halt machen. Tipp: Plant eure Pausen sorgsam, es gibt zu viele gute Gründe für einen Stopp!

Über das Wehr und die blaue Brücke

Hinter dem Kloster führt der Weg auf eine ehemalige Bahntrasse, die heute als Wander- und Radweg genutzt wird (auch Teil des Ruhrtal-Radweges). Zurück in den Saarner Auen geht es an der Ruhr entlang, bis das Kahlenbergwehr überquert wird. Wer sich an das Hochwasser des Jahres 2021 Jahre erinnert, dem dürfte die Geschichte der Moornixe ein Begriff sein – das alte Fahrgastschiff wurde damals durch das Wehr gezogen (YouTube). Heute erinnert das Wrack als Dekoration an einen Café-Bereich in Essen-Steele daran.
Nach der blauen Florabrücke geht es ein paar Höhenmeter nach oben. Von hier bietet sich ein erhabener Blick auf die zuvor durchwanderten Ruhrauen mit Saarn im Hintergrund – ein Moment, in dem man innehalten und das Revier von oben betrachten sollte.

Ausblick auf die Ruhrauen

Bismarckturm, Max-Planck-Institut und der Rosengarten

Mein GPS-Track führte mich ungewöhnlicherweise am alten Bismarckturm vorbei. Ob er inzwischen in der offiziellen Markierung enthalten ist, weiß ich nicht – aber es wäre ein Glücksgriff, denn der Turm ist eine der wenigen alten Landmarken der Stadt und definitiv sehenswert.

Imposanter Altbau des MPI
Imposanter Altbau des MPI


Danach geht es über Straßen zum Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Kurz darauf verläuft der Weg auf einem schmalen Grünstreifen, der in den Catho-Wenzel-Park leitet. Hier lohnt ein kleiner Abstecher in den Rosengarten. Wer genau hinsieht, entdeckt dort die abgerissenen Füße einer Statue, deren Originale wegen Diebstahlgefahr inzwischen in der Mülheimer Stadthalle untergebracht sind. Eine skurrile Geschichte – googelt einfach mal „Rosengarten Mülheim Statue“.

Die Füße der Flora Statue
Die Füße der Flora Statue


Weiter geht es durch die Freilichtbühne, wo im Sommer regelmäßig Open-Air-Konzerte und andere Kulturveranstaltungen stattfinden. Vorbei am Altstadt-Friedhof, auf dem auch Mitglieder berühmter Industriellenfamilien wie Stinnes und Thyssen ihre letzte Ruhe gefunden haben, schlängelt sich der Weg zurück in die Stadt.

Wallviertel und Ziel

Zum Schluss führt der Trail durch die alte Fachwerk-Altstadt und ins moderne Wallviertel mit seinen kleinen Cafes und Restaurants . Nach wenigen Schritten steht man wieder am Hauptbahnhof. Eine perfekte Rundtour, die keine langen Anfahrten oder komplizierte Rückfahrten nötig macht.

Meine persönlichen Highlights

  1. Camera Obscura – Die Vorführung im Wasserturm ist einzigartig und eines der bestgehüteten Geheimnisse der Stadt.
  2. Der Blick vom Kahlenbergwehr zurück auf Saarn und die Auen – Ruhrromantik pur.
  3. Der Rosengarten mit seiner skurrilen Statuen-Geschichte – typisch Mülheim, typisch Ruhrgebiet.
  4. Dorf Saarn – Wer hätte gedacht, dass man mitten im Pott so dörflich flanieren kann?
  5. Streetart am Start – Der Trail beginnt mit Kunst statt mit Anstrengung. Das setzt den Ton.

Praktische Tipps für eure Wanderung

  • Navigation: Zum Zeitpunkt meiner Wanderung waren die gelben Wegweiser noch nicht montiert. Ladet euch den GPS-Track vorab auf euer Handy oder Navigationsgerät – dann läuft es sich stressfrei.
  • Pausenplanung: Es gibt mindestens fünf gute Gründe für einen Stopp (Ccino, Camera Obscura, FAIR1-HEiM, Kloster-Café, Wallviertel). Plant also Zeit ein.
  • Radweg RS1 und Ruhrtalradweg: Der Trail nutzt Teile des Radschnellwegs. Achtet auf Radfahrer, besonders an Wochenenden.
  • IGA 2027: Der Stadthallengarten und Teile der Müga können noch bis 2027 Baustellen sein. Der offizielle Trail ist aber trotzdem gut begehbar.

Fazit

Der Urban Trail Mülheim ist keine anspruchsvolle Bergtour, sondern eine Geschichts- und Genusswanderung. Er verbindet auf kurzer Distanz Industriekultur, Klosteridylle, urbane Szene und Flussromantik. Dass Start und Ziel am gleichen Ort liegen, macht die Tour unkompliziert. Wer das Ruhrgebiet neu entdecken oder seine Heimat mit anderen Augen sehen möchte, sollte diesen Trail auf seine Liste setzen.

Link: Urban.Trail – Mülheims Zeit.Reise auf der Webseite der Ruhr Tourismus GmbH