Urban Trail Duisburg: Zwischen Kaiserberg, Hafen und moderner Kunst

Der Urban Trail Duisburg ist mit 11,8 Kilometern wieder einmal ein klassischer Rundweg. Damit könnte man theoretisch an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Für mich war der Duisburger Hauptbahnhof als Startpunkt aber die naheliegende Wahl – genauer gesagt der Ostausgang. So lässt sich die Tour bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Auch diesmal habe ich vorsichtshalber den GPS-Track von der RuhrTourismus Webseite auf mein Wander-GPS geladen. Die gelben Markierungen waren zwar auf dem überwiegenden Teil der Strecke vorhanden, allerdings hatte ich den Eindruck, dass dies Mitte August 2025 nicht durchgängig der Fall war. Besonders am Kaiserberg und später in der Innenstadt habe ich mich deshalb am Track orientiert.

Vom Hauptbahnhof direkt ins Grüne

Kaum hat man den Bahnhof verlassen, geht es durch eine Unterführung unter der Mülheimer Straße. Und dann passiert etwas, das man bei einer Wanderung, die direkt am Duisburger Hauptbahnhof beginnt, vielleicht nicht unbedingt erwartet: Plötzlich steht man im Goerdeler Park und hat das Gefühl, im Grünen angekommen zu sein. Das geschäftige Bahnhofsumfeld ist innerhalb weniger Minuten verschwunden.

Foto Goerdeler Park
Direkt im Goerdeler Park wird ruhiger

Besonders angenehm finde ich die anschließende Wegführung durch schmale Grünstreifen zwischen den Wohnhäusern. Gerade an heißen Sommertagen entsteht hier ein überraschend angenehmes Mikroklima. Danach geht es noch einmal kurz entlang der Mülheimer Straße. Hier fällt neben einem großen Tauben-Mural auch ein ungewöhnlicher Glasbau auf, der 1993 nach einem Entwurf des renommierten Londoner Architekten Norman Foster fertiggestellt wurde.

Forster Bau
Das Glashaus von Sir Norman Forster

Über die Moltkestraße mit kleinen Geschäften und sogar einem Vinylplatten-Laden erreichen wir anschließend wieder die parkähnliche Königsberger Allee, die uns in Richtung Kaiserberg führt. Unterwegs können wir bei der Überquerung der Zieglerstrasse noch rechterhand die ungewöhnlich sicher Bunkerbude (=Kiosk) erspähen.

Bunkerbude
Die gut getarnte Bunkerbude

Auf den Kaiserberg

Die Bebauung wird zunehmend großzügiger, schöne Villen und größere Grundstücke säumen den Weg. Und tatsächlich: Duisburg kann auch bergig! Dann verschwindet die Straße und der Trail führt in das Waldgebiet. Besonders spannend ist hier eine etwas verwittert wirkende künstliche Grotte. Sie war einst Teil eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals mit künstlichem Wasserfall und wirkt heute wie ein kleines, vergessenes Relikt aus einer anderen Zeit.

Grotte
Die geheimnisvolle Grotte

Weiter geht es vorbei an einem kleinen Teich und anschließend weiter zum Ehrenfriedhof und der Kriegsgräberstätte Kaiserberg des ersten Weltkrieges. Danach führt der Weg am Rand des Duisburger Zoos entlang zu einer weiten Wiese und dann wieder in den Wald.

Foto Ehrenfriedhof
Blick auf den Ehrenfriedhof

Ganz verschwunden ist die Stadt allerdings nicht: Aus der Entfernung ist ständig das Rauschen der Autobahnen A3 und A40 zu hören. Schließlich liegt der Kaiserberg genau am berühmten Autobahnkreuz, dessen früherer „Spaghetti-Knoten“ derzeit umgebaut wird. Natur und die „Lebensadern“ des Ruhrgebietes liegen hier buchstäblich direkt nebeneinander.

Kartenausschnitt Autobahnkreuz Kaiserberg
Der Spaghetti-Knoten – Quelle: openstreetmap.org

Ein schöner Höhepunkt ist der Aussichtspunkt Schnabelhuck. Der Name soll daher kommen, dass der nördliche Ausläufer des Kaiserbergs an einen Entenschnabel erinnert. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Landschaftspark Duisburg-Nord und zu den dahinter liegenden Hochöfen von Thyssenkrupp. Ein guter Platz für eine kleine Verschnaufpause!

Ausblick vom Schnabelhuck
Ausblick vom Schnabelhuck

Schrebergärten und ein überraschender Weg zum Innenhafen

Nach dem Abstieg wird es wieder deutlich urbaner. Vorbei an der Duisburger Hauptfeuerwache – offenbar ein wiederkehrendes Motiv bei den Urban Trails – geht es durch ein Wohngebiet. Hier lohnt es sich, die Augen offen zu halten: kleine Kunstwerke, ein Windspiel und sogar ein öffentlicher Bücherschrank tauchen am Wegesrand auf.

Anschließend wechseln wir erneut ins Grüne und laufen durch eine lange Verbindung zwischen Kleingartenanlagen und Sportplätzen. Das eigentliche Schrebergartenleben bekommt man hier zwar nur am Rande mit, dafür gibt es eine kleine Kuriosität zu entdecken: eine Wanderhütte des Sauerländischen Gebirgsvereins mitten in Duisburg.

Dann geht es durch ein kleines Brachland – und plötzlich liegt der Duisburger Innenhafen vor uns.

Industriekultur am Wasser

Schon von weitem fällt die große Autobahnbrücke ins Auge, dahinter die markante Küppersmühle. Die Brücke überspannt den Hafen auf einer Länge von 1.824 Metern und gehört damit zu den längsten Straßenbrücken Deutschlands. Gleichzeitig befindet sie sich inzwischen im Neubau.

Unter der Brücke gibt es noch eine kleine Überraschung: Auf ihren Pfeilern befinden sich zahlreiche Graffiti, die im Rahmen eines Projekts der Bürgerstiftung Duisburg zum Thema „Heimat“ entstanden sind. Die dazugehörigen QR-Codes funktionieren inzwischen allerdings offenbar nicht mehr.

Heimat = Currywurst, by @foxy_lair76

Und dann sind wir endgültig am Innenhafen angekommen. Die Küppersmühle ist dabei kaum zu übersehen. Aus einem ehemaligen Mühlen- und Speichergebäude entstand nach den Plänen der Baseler Architekten Herzog & de Meuron ein beeindruckendes Museum für moderne Kunst. Schon allein die Architektur ist einen genaueren Blick wert.

Blick auf den Innenhafen
Blick auf den Innenhafen

Entlang des Hafenbeckens treffen historische Kräne auf Restaurants, moderne Architektur und die sorgfältig restaurierten Zeugnisse der industriellen Vergangenheit. Besonders interessant ist der Garten der Erinnerung, in dem Relikte der früheren Hafennutzung in eine begehbare Park- und Kunstlandschaft integriert wurden.

Ausblick Innenhafen
A room with a view – im Innenhafen

Durch die Duisburger Innenstadt

Vom Innenhafen führt der Trail anschließend mitten hinein in die Stadtgeschichte. Wir passieren Teile der alten Stadtmauer, das Kultur- und Stadthistorische Museum mit seinen auffälligen weißen Kokillen und schließlich die imposante Salvatorkirche.

Steinmann am Rathaus Duisburg
Steinmann am Rathaus Duisburg

Auch das Rathaus und die archäologischen Überreste des Alten Marktes liegen direkt am Weg. Bei meiner Wanderung war allerdings der Durchgang durch den reich verzierten Rathausbogen gesperrt. Also ging es außen herum und dann wieder nach links zum Burgplatz.

Danach wird es richtig städtisch. Durch die Fußgängerzone führt der Trail vorbei an zahlreichen Cafés und Restaurants. Hier verlor ich allerdings zeitweise die gelben Markierungen und orientierte mich wieder am GPS-Track.

Kögalerie - Duisburg
Shopping-Zone

Für eine Pause bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten an – darunter das vegetarisch-vegane Zora oder das Traditionscafé Dobbelstein. Letzteres hat für mich sogar eine persönliche Geschichte: Schon meine Großmutter machte bei ihren Stadtbesuchen hier früher gerne eine kleine Pause.

Kunst zum Abschluss

Über den Dellplatz, einen wichtigen kulturellen Treffpunkt Duisburgs, geht es weiter zum Lehmbruck Museum. Das renommierte Museum für moderne und internationale Skulptur liegt mitten im Immanuel-Kant-Park. Auch außerhalb des Museumsgebäudes gibt es zahlreiche Skulpturen frei zugänglich im Park zu entdecken – ein kleiner zusätzlicher Rundgang lohnt sich daher unbedingt.

Dellplatz
Dellplatz

Direkt gegenüber beziehungsweise am Weg liegt außerdem die Cubus Kunsthalle, die zeitgenössische und häufig auch lokale Kunst zeigt. Der Eintritt ist kostenlos, allerdings sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten informieren.

Kurz vor dem Ziel wartet noch ein weiteres Museum, das ich bei dieser Wanderung selbst zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe: das Museum DKM mit seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst. Vielleicht ein guter Grund, noch einmal nach Duisburg zurückzukehren.

Und dann ist der Hauptbahnhof schon wieder erreicht. Gegenüber steht mit dem Goldenen Anker noch ein passender Abschluss: Der 9,5 Meter hohe Brunnen von Zoltan Szekessy symbolisiert die Verbindung Duisburgs zur Schifffahrt und zum Hafen.

Mein Fazit

Der Duisburger Urban Trail hat mich positiv überrascht. Auf der Karte hatte ich zunächst eine ziemlich städtische Wanderung erwartet. Tatsächlich führt die Route aber erstaunlich geschickt durch Parks, Grünstreifen und den Wald des Kaiserbergs, bevor sie wieder mitten in die Stadt und anschließend zum Innenhafen führt.

Gerade dieser Wechsel macht für mich den Reiz aus: Natur, Stadt, Industriekultur, Hafen und Kunst liegen hier teilweise nur wenige Minuten voneinander entfernt. Besonders der Innenhafen macht Spaß – am Wasser entlangzulaufen und dabei die erhaltenen und restaurierten Spuren der industriellen Vergangenheit zu entdecken, ist immer wieder reizvoll.

Für die angegebenen 11,8 Kilometer habe ich ohne längere Pausen ziemlich genau drei Stunden benötigt. Wer die Tour mit einem kleinen Duisburg-Städtetrip verbinden möchte, kann problemlos zwei oder drei längere Besichtigungsstopps einplanen.

Mein Fazit: eine sehr abwechslungsreiche Urban-Trail-Runde und aus meiner Sicht definitiv eine Empfehlung für alle, die das Ruhrgebiet einmal abseits der klassischen Industriemotive entdecken möchten.

Link: Urban.Trail – Duisburgs Kunst.Weg bei der RuhrTourismus GmbH