Urban Trail Dortmund – Street Art, Industriekultur und die vielen Gesichter der Ruhrmetropole

Für den Urban Trail Dortmund habe ich mich wieder auf den GPS-Track von der offiziellen Webseite verlassen. Nach meinen Erfahrungen mit den teilweise noch fehlenden Markierungen bei den Trails in Gelsenkirchen und Hagen erschien mir das sinnvoll. Und tatsächlich: Auch in Dortmund waren die gelben Markierungszeichen nicht durchgehend vorhanden. Auf einigen Abschnitten waren sie gut zu erkennen, auf anderen fehlten sie jedoch. Ob die Markierung noch nicht komplett angebracht war oder der GPS-Track teilweise leicht von der ausgeschilderten Route abweicht, konnte ich nicht feststellen. Mit dem GPS-Track war die Orientierung jedenfalls problemlos.

Ich bin am Dortmunder Hauptbahnhof gestartet und die Runde im Uhrzeigersinn gelaufen. Höhenmeter spielen bei dieser Tour praktisch keine Rolle. Dafür bekommt man einen ziemlich intensiven Eindruck von der Stadt – und insbesondere von den Veränderungen, die der Strukturwandel in Dortmund hinterlassen hat.

Auftakt am Dortmunder U

Vom Hauptbahnhof führt der Trail zunächst in Richtung des Dortmunder U, das sich längst zu einer der bekanntesten Landmarken der Stadt entwickelt hat.

Direkt an der Rückseite des markanten Gebäudes wartet bereits ein erstes Highlight für Street-Art-Fans: eine große Hall of Fame, an der Graffiti- und Street-Art-Künstler legal ihre Werke anbringen können. Der große Vorteil gegenüber illegalem Sprühen: Hier haben die Künstler Zeit, ihre Motive sorgfältig und aufwendig umzusetzen. Entsprechend beeindruckend sind viele der entstandenen Werke.

Ein kleiner Tipp am Rande: Wer am Ende der Hall of Fame kurz nach links schaut, entdeckt auch an den gegenüberliegenden Häusern einige große Murals. Sie liegen allerdings nicht direkt auf der offiziellen Trailroute.

Durch das Unionviertel

Nach dem Überqueren der Unionstraße geht es zunächst entlang eines längeren Wohnblocks, durch einige Höfe und einen kleinen Grünstreifen mitten im Stadtgebiet.

Dann erreichen wir das Unionviertel.

Das Quartier war lange Zeit stark vom Strukturwandel und damit verbundenem Leerstand geprägt. Inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt. Wo früher Leerstände dominierten, findet man heute ein lebendiges und kreatives Stadtviertel.

Mural by Alice von 2016
Mural by Alice von 2016

Auch Street Art gehört inzwischen ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt immer wieder interessante Wandbilder und kleinere künstlerische Interventionen.

Der Westpark – grüne Oase mitten in der Stadt

Nach dem ersten urbanen Abschnitt geht es plötzlich ins Grüne.

Der Westpark ist trotz seiner Lage mitten in Dortmund eine erstaunlich ruhige Oase. Große Rasenflächen, alte Bäume und viel Platz machen ihn zu einem beliebten Erholungs- und Freizeitort.

Im Sommer finden hier regelmäßig Veranstaltungen statt. Besonders bekannt sind die Flohmärkte, die noch angenehm „old school“ daherkommen: wenig Neuwaren, dafür jede Menge Gebrauchtes, Kurioses und Überraschungen. Auch die Zahl der klassischen Imbissstände hält sich erfreulich in Grenzen.

Mein Tipp: Vor der Wanderung lohnt sich ein Blick in den Veranstaltungskalender des Westparks. Vielleicht lässt sich die Tour ja mit einer Veranstaltung verbinden.

Nach einem kurzen Abstecher in das angrenzende Stadtgebiet mit seinen Cafés und Restaurants führt der Trail noch einmal durch den Westpark und anschließend wieder mitten hinein ins Unionviertel.

Hier wartet auch eine kleine Überraschung: Der Weg führt durch einen unscheinbaren Hinterhof, in dem sich zahlreiche gesprühte Bilder entdecken lassen. Ein schönes Beispiel dafür, dass man bei einem Urban Trail immer wieder den Blick in Nebenstraßen und Hinterhöfe richten sollte.

Wenn Dortmund plötzlich rau wird

Nach der Überquerung der vielbefahrenen Rheinischen Straße verändert sich die Atmosphäre erneut.

Jetzt geht es in Richtung der industriellen Relikte Dortmunds – oder, etwas moderner ausgedrückt: Lost Places.

Direkt hinter den Bahngleisen führt der Weg rechts hinunter auf die Alte Radstraße. Alte, verwitterte Industriegebäude, rostige Unterführungen und überwucherte Flächen bestimmen nun das Bild.

Lost place
Lost place – überwucherte Industriehallen

Ich bin die Strecke an einem Samstagnachmittag gelaufen – und auf den nächsten Kilometern ist mir tatsächlich kein einziger anderer Mensch begegnet.

Inmitten dieser Kulisse kann dadurch durchaus ein etwas beklemmendes Gefühl entstehen. Obwohl überall Grün wächst, ist deutlich zu spüren, dass man sich hier in einem sich transformierenden Industrie- und Gewerbegebiet bewegt.

Licht am Ende des Tunnels
Licht am Ende des Tunnels

Lange Geraden führen uns schließlich in Richtung Hafen.

Dortmunds Hafen – Industrie trifft Moderne

Nach der Unterquerung der Mallinckrodtstraße fällt zunächst eine ungewöhnlich schwungvoll gestaltete Fahrradrampe ins Auge. Wir müssen sie allerdings nicht hinaufgehen, sondern bleiben auf dem unteren Weg.

Gewundene Rampe
Gewundene Rampe

Nach einer weiteren langen Gerade erreichen wir bald die Speicherstraße. Zunächst geht es jedoch noch über eine Brücke geht über die Bahngleise. Dabei bietet sich ein besonders schöner Blick auf das Alte Hafenamt.

Das alte Hafenamt
Das alte Hafenamt

Anschließend geht es über eine Treppe hinunter zur kleinen Promenade am Stadthafen.

Hier zeigt sich Dortmund wieder von einer ganz anderen Seite: Wasser, alte Speichergebäude, moderne Nutzungen und industrielle Relikte bilden ein ziemlich interessantes Stadtbild.

Entlang der Speicherstraße wechseln sich historische Gebäude mit neueren Nutzungen ab. Auch die hier ansässigen Unternehmen sind entsprechend vielfältig. Am Ende der Straße wartet erneut ein kleines Street-Art-Highlight.

Ein kleiner Umweg für Street-Art-Fans

Nach dem ehemaligen Kranbahngelände würde die offizielle Route über die Bülowstraße in eine Kleingartenanlage führen.

Ich bin an dieser Stelle allerdings von der offiziellen Wegführung abgewichen und stattdessen über das damals offenbar problemlos zugängliche, verlassene Gelände weitergelaufen.

Graffiti Wall auf dem verlassenen Hafengelände
Graffiti Wall auf dem verlassenen Hafengelände

Wichtig: Das war mein persönlicher Eindruck zum Zeitpunkt meiner Wanderung und ist keine Empfehlung, ggf. abgesperrte oder nicht öffentlich zugängliche Flächen zu betreten.

Der Grund für meinen kleinen Umweg war eine weitere lange legale Graffiti-Wand entlang der östlichen Seite des Geländes. Hier finden sich zahlreiche aufwendig gestaltete Werke von Sprayern aus der regionalen Street-Art-Szene.

Für mich hat sich der kleine Umweg definitiv gelohnt. Wer sich für Graffiti interessiert, sollte diesen Bereich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.

Endlich wieder Natur: der Fredenbaumpark

Nach dem industriell geprägten Abschnitt tut das Grün des Fredenbaumparks richtig gut.

Durch den dichten Baumbestand fühlt es sich stellenweise fast so an, als würde man durch einen Wald laufen. Der Trail führt auf verschlungenen Wegen rund um den Fredenbaumteich, an dem unter anderem Tret- und Ruderboote ausgeliehen werden können.

Blick auf den Teich im Fredenbergpark
Blick auf den Teich im Fredenbergpark

Anschließend geht es in Richtung Naturmuseum Dortmund.

Ein praktischer Hinweis für Kulturinteressierte: Der Eintritt in die Dauerausstellung war bei meiner Wanderung im Juni 2026 kostenlos. Das kann sich natürlich ändern, daher lohnt sich vor einem geplanten Besuch ein kurzer Blick auf die aktuellen Informationen.

Nach dem Museum führt der Trail noch ein Stück durch den Park, bevor wir am Fredenbaumplatz wieder auf stärker bebautes Gebiet treffen. Der Platz wird regelmäßig für Veranstaltungen genutzt und gelegentlich macht auch ein Zirkus hier Station.

Durch die Nordstadt zurück zum Hauptbahnhof

Ab jetzt wird die Umgebung wieder deutlich urbaner.

Der Trail führt geschickt durch verschiedene Grünbereiche und über quirlige Straßen mit Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften zurück in Richtung Innenstadt.

Gerade dieser letzte Abschnitt macht noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Dortmunder Stadtteile sind. Von der Industriebrache über kreative Quartiere und den Hafen bis hin zu dicht besiedelten Straßen liegen auf dieser Wanderung teilweise nur wenige Kilometer.

Schließlich schließt sich die Runde wieder am Dortmunder Hauptbahnhof.

Fazit: Dortmund im Schnelldurchlauf

Der Urban Trail Dortmund hat für mich unter den bisherigen Ruhrgebiets-Trails eindeutig einen der höchsten Stadtanteile.

Wer eine Wanderung durch möglichst viel Natur sucht, ist hier eher falsch. Wer dagegen erleben möchte, wie vielfältig eine Ruhrgebietsstadt sein kann, bekommt eine ausgesprochen interessante Tour.

Man bekommt einen guten Eindruck von unterschiedlichen Dortmunder Vierteln und erlebt den Strukturwandel direkt vor Ort: aufwendig sanierte und neu genutzte Industriegebäude stehen neben verfallenen Brachen, kreative Quartiere neben traditionellen Wohnvierteln und moderne Entwicklungen neben den Relikten der industriellen Vergangenheit.

Mit dem Dortmunder U, dem Alten Hafenamt, dem Unionviertel, dem Westpark, Teilen der Nordstadt und dem Fredenbaumpark liegen außerdem einige Orte auf der Route, die für die unterschiedlichen Facetten Dortmunds geradezu exemplarisch sind.

Dazu kommen jede Menge Street Art und Graffiti. Wer aufmerksam unterwegs ist, kann dabei noch deutlich mehr entdecken, als die eigentliche Trailroute verspricht.

Höhenmeter? Praktisch keine. Abwechslung? Dafür jede Menge.

Für mich ist der Dortmunder Urban Trail deshalb vor allem eine gute Möglichkeit, Dortmund einmal nicht nur als Ausgangspunkt für eine Wanderung, sondern selbst als Wanderziel zu entdecken.

Link: Beschreibung der Tour mit GPS-Track und komoot-Link der RuhrTourismus GmbH.