Urban Trail Essen – vom Essener Hauptbahnhof zum Baldeneysee

Den Urban.Trail in Essen bin ich Ende August 2026 gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf der Webseite von RVR/RuhrTourismus noch keine ausführliche Beschreibung der Tour, und auch eine Markierung der Strecke war noch nicht vorhanden. Allerdings war der Trail bereits in der Online-Karte eingezeichnet. Den dazugehörigen GPS-Track habe ich mir von Komoot heruntergeladen und auf mein Wander-GPS übertragen – damit war die Orientierung unterwegs problemlos möglich.

Der Track weist eine Länge von 12,4 Kilometern aus. Dabei sind rund 120 Höhenmeter im Aufstieg und 155 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Anders als bei einigen anderen Urban Trails handelt es sich wieder um eine Streckenwanderung: Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Praktischerweise beginnt die Tour am Essener Hauptbahnhof und endet am Bahnhof Essen-Hügel am Baldeneysee. Beide Punkte sind über die S-Bahn miteinander verbunden, sodass man nach der Wanderung problemlos wieder zum Ausgangspunkt zurückkommt.

Ich bin die Strecke vom Essener Hauptbahnhof in Richtung Baldeneysee gelaufen – und schon der Startpunkt ist ziemlich typisch für das Ruhrgebiet.

Vom Bergarbeiterdenkmal ins grüne Essen

Los geht es an einem geradezu ikonischen Ort im Essener Zentrum: Genau hier taucht die A40, eine der Lebensadern des Ruhrgebiets, in den Essener Tunnel ein. Direkt daneben steht das eindrucksvolle Bergarbeiterdenkmal „Steile Lagerung“ von Max Kratz. Der Bronzeguss zeigt Bergleute bei der schweren Arbeit im Flöz – Hammer und Pickel inklusive.

Bergbaudenkmal - Steile Lagerung
Bergbaudenkmal – Steile Lagerung

Von hier führt der Trail in Richtung Opernplatz und zum Aalto-Theater. Dabei passieren wir auch den Evonik-Tower, den man fast übersehen könnte, weil man so nah dran ist. Mit seinen 127 Metern ist er das höchste Gebäude des Ruhrgebiets. Seit seiner Fertigstellung 1996 hat der markante Büroturm allerdings bereits mehrere Namen getragen – je nachdem, welcher Hauptmieter gerade das Sagen hatte.

Aaltotheater mit Evonik-Turm im Hintergrund
Aaltotheater mit Evonik-Turm im Hintergrund

Am Aalto-Theater erreichen wir bereits die erste grüne Überraschung der Tour: den Essener Stadtgarten, dessen Geschichte bis ins Jahr 1859 zurückreicht. Zwischen Aalto-Theater und Philharmonie geht es durch die weitläufige Parkanlage zum Stadtgartenteich. Natürlich darf auch hier eine Fontäne nicht fehlen. Zwischen den alten Bäumen und Grünflächen entdecken wir immer wieder Skulpturen, die sich fast selbstverständlich in die Parklandschaft einfügen.

Am anderen Ende verlassen wir den Stadtgarten und folgen zunächst ein Stück der Hohenzollernstraße, bevor wir erstmals auf die Rüttenscheider Straße treffen.

Rüttenscheid: Großstadt, Gastronomie und ein bisschen Verkehrspolitik

Hinter dem Glückaufhaus geht es wieder ins Grüne – zumindest angedeutet für ein kurzes Stück. Über einen Minipark und eine Fußgängerbrücke gelangen wir zum Museum Folkwang. Wer etwas Zeit mitbringt, sollte einen Abstecher einplanen: Der Eintritt in die ständige Sammlung ist sogar kostenlos.

Der eigentliche Trail führt allerdings am Museum vorbei und über die Kahrstraße bald wieder auf Essens bekannte Ausgehmeile: die , wie die Rüttenscheider Straße von den Einheimischen genannt wird.

Hier lässt sich durchaus beobachten, wie schwierig sich eine Verkehrswende in einer Großstadt gestalten kann. Zwar wurde ein Teil der Straße als Fahrradstraße ausgewiesen, trotzdem dominieren weiterhin Autos das Straßenbild. Fahrende und parkende Fahrzeuge beanspruchen einen erheblichen Teil des öffentlichen Raums. Dabei wäre das Potenzial dieser Straße enorm: Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte reihen sich dicht aneinander. Mit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer könnte die Rü vermutlich noch wesentlich stärker von ihrer urbanen Atmosphäre profitieren.

Wir laufen mitten durch dieses quirlige Treiben und biegen nach der U-Bahnhaltestelle Martinstrasse wieder ab. Schon wenige Meter später wird es deutlich ruhiger.

Ein alter Friedhof mitten im Viertel

Der kleine Christinenpark wurde ursprünglich als Friedhof angelegt. Im Jahr 1880 entstand hier der Alte Friedhof Rüttenscheid. Noch heute erinnern einige erhaltene Grabmäler an diese frühere Nutzung.

Inzwischen ist daraus ein kleiner grüner Treffpunkt mit Spielplatz und Biergärten der umliegenden Gastronomie geworden. Ein ziemlich bemerkenswerter Wandel – vom Friedhof zum beliebten Aufenthaltsort mitten im Stadtviertel.

Am Ausgang des Parks wartet noch ein kleiner Street-Art-Stopp: die Hall of Fame Villa Rü. Hier gibt es zahlreiche Graffiti zu entdecken, wobei die Qualität der Werke durchaus unterschiedlich ist. Mit viel Glück findet man aber auch interessante Arbeiten.

Danach führt uns der Trail noch einmal auf die Rüttenscheider Straße, allerdings nur für ein kurzes Stück, bevor wir über die Wegenerstraße weiterziehen.

Street Art und der Abschied von der Großstadt

An der stark befahrenen Alfredstraße wartet mit „Ever Green“ ein echter Hingucker. Das rund 800 Quadratmeter große Mural entstand anlässlich der Grünen Hauptstadt Europas 2017. Gabor Doleviczenyi schuf das Werk gemeinsam mit acht weiteren Künstlern und verwendete dafür rund 1.400 Spraydosen.

Mural - Ever Green
Ein Teil des Murals – Ever Green

Direkt daneben fällt eine ungewöhnliche Fußgängerbrücke auf. Sie hat zwar schon deutlich bessere Zeiten gesehen, erfüllt aber weiterhin ihren Zweck und bringt uns sicher über die Alfredstraße.

Brücke
Bang Bang – Brücke

Und genau hier verändert sich der Charakter der Wanderung spürbar. Die extrem urbane Umgebung bleibt hinter uns. Statt dicht bebauter Straßen erwarten uns nun Altbauten, kleine Grünflächen und schließlich der Zugang zum Grugapark.

Altbau
Altbau

Am Nebeneingang an der Orangerie gehen wir jedoch nicht in den Park,  sondern wechseln wir auf eine Fahrradtrasse. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Die Strecke wird von Radfahrern intensiv genutzt, daher sollte man möglichst am Rand laufen.

Nach etwa 200 Metern gibt es auf der linken Seite etwas Besonderes zu entdecken – zumindest, wenn man zwischen den Bäumen hindurchschaut.

Hundertwasser und der Weg zur Margarethenhöhe

Dort steht das Ronald McDonald Haus Essen, das 2005 nach einem der letzten Architekturentwürfe von Friedensreich Hundertwasser eröffnet wurde. Das ungewöhnliche Gebäude ist ein Zuhause auf Zeit für Familien, deren schwer kranke Kinder im benachbarten Universitätsklinikum behandelt werden.

Hundertwasserhaus in Essen
Hundertwasserhaus in Essen

Kurz darauf verlassen wir die Fahrradtrasse und tauchen auf einem ruhigeren Waldweg endgültig in eine deutlich grünere Umgebung ein. Der Weg führt zunächst ins Tal und anschließend wieder ein Stück bergauf.

Dann liegt plötzlich die Margarethenhöhe vor uns.

Die historische Gartenstadt wirkt wie ein kleines eigenes Universum. Die 115 Hektar große Siedlung wird von der Margarethe Krupp-Stiftung verwaltet und gilt als bedeutendes Beispiel für menschenfreundlichen Wohnungsbau. Insgesamt entstanden hier 935 Gebäude mit 3.092 Wohneinheiten.

Das Gasthaus zur Margarethenhöhe
Das Gasthaus zur Margarethenhöhe

Besonders schön ist der Kleine Markt mit seinem Gasthaus und den umliegenden historischen Häusern. Die romantischen Straßennamen und liebevoll gestalteten Fassaden vermitteln tatsächlich das Gefühl, ein Stück weit durch eine andere Zeit zu laufen.

Nur die modernen Autos passen nicht ganz ins Bild. Sie stehen heute in fast jeder Straße und beanspruchen mit ihrem enormen Platzbedarf einen erheblichen Teil der historischen Idylle.

Der Trail führt geschickt durch die Gartenstadt und anschließend wieder in ein kleines Waldgebiet. Schon am Eingang weist ein großer, aufgemalter Wegweiser auf unser nächstes Ziel hin.

Ein Hammer aus dem Siegerland mitten im Essener Wald

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Halbachhammer.

Halbachhammer
Halbachhammer

Dabei handelt es sich um eine sogenannte Hammerhütte. Hier wurden auf der Grundlage von Wasserkraft und Holzkohle verschiedene Arbeitsschritte der Eisenverarbeitung unter einem Dach miteinander verbunden. Ursprünglich stand die Anlage rund 500 Jahre lang im Siegerland. Um 1900 wurde sie dort stillgelegt und in den 1930er-Jahren nach Essen umgesetzt.

Gelegentlich finden hier noch Schmiedevorführungen statt – ein durchaus ungewöhnlicher Ort, den man mitten auf dieser Wanderung wahrscheinlich nicht erwarten würde.

Waldweg
Waldweg

Wir wandern anschließend weiter durch den Wald und verlassen diesen fast auf Höhe der A52 wieder.

Wenn Verkehrspolitik auf Realität trifft

Beim Überqueren der Norbertstraße wartet dann ein weniger erfreulicher Anblick: ein sehr schmaler Radstreifen entlang einer Straße, die eher wie eine Autobahn wirkt – und auch entsprechend stark befahren wird.

Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, braucht zumindest eine gewisse Portion Mut und Gottvertrauen. Für eine wirklich angenehme und sichere Radinfrastruktur sieht das anders aus.

Wir überqueren anschließend auch die A52 und sehen auf der rechten Seite einen riesigen Bürokomplex: die ehemalige Konzernzentrale von Karstadt. Die wechselvolle Geschichte des Kaufhauskonzerns hat inzwischen auch hier ihre Spuren hinterlassen. Das Gebäude wird heute von anderen Nutzern verwendet; der Nachfolger Galeria hat seinen Sitz mittlerweile in Düsseldorf.

Danach wird es wieder ruhiger.

Vom Kruppwald zum Baldeneysee

Wir biegen in eine ruhige Wohnstraße ein und merken schnell, dass wir inzwischen in einer der eher wohlhabenden Gegenden Essens angekommen sind. Die Häuser werden größer, die Grundstücke weitläufiger, die Einfahrten repräsentativer und auch die Autos passen zum Umfeld.

Kranich am Toreinfahrt
Kranich am Toreinfahrt

Immer wieder lassen sich dabei kleine Kunstwerke und ungewöhnliche Details in den Vorgärten entdecken.

An einem markanten Kriegerdenkmal treffen wir erneut auf die Alfredstraße. Hier wirkt sie bereits deutlich ruhiger als zuvor in Rüttenscheid. Nach einem kurzen Stück biegen wir in den Hügelweg ein.

Dabei passieren wir das Markuskreuz – für mich persönlich ein besonders interessanter Punkt der Strecke.

Je weiter wir dem Hügelweg folgen, desto deutlicher wird der Charakter der Umgebung. Die Häuser werden zunehmend großzügiger und schließlich führt der Weg wieder in den Kruppwald.

Und dann gibt es einen kurzen Fernblick auf das größte Einfamilienhaus dieser Wanderung: die Villa Hügel, den ehemaligen palastartig gestalteten Wohnsitz der Familie Krupp.

Fernblick auf die Krupp Villa Hügel
Fernblick auf die Krupp Villa Hügel mit Pferd 😉

Der Trail führt nun bergab in Richtung Baldeneysee. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Bahnhof Essen-Hügel und damit das offizielle Ende des Urban Trails.

Der Lago Maggiore des Ruhrpotts - Baldeneysee

Wer noch Zeit und Lust hat, sollte die Wanderung hier allerdings nicht unbedingt beenden. Folgt man der Straße weiter, erreicht man einen Eingang zur Villa Hügel und ihrem weitläufigen Park. Noch schöner wäre es aus meiner Sicht sogar, die Tour leicht abzuwandeln und direkt den oberen Haupteingang zu nutzen und dann durch den Hügel Park herunter zum Baldeneysee bzw. S-Bahnhaltestelle.

Für den Besuch der Villa Hügel wird Eintritt verlangt – dafür bekommt man allerdings noch einmal ein ganz anderes Kapitel Essener Stadt- und Industriegeschichte geboten.

Fazit

Der Urban Trail Essen hat mich vor allem durch seine enorme Vielfalt überrascht. Innerhalb von gut zwölf Kilometern verändert sich die Umgebung mehrfach grundlegend: vom dichten Stadtzentrum über Rüttenscheid, Parks und Street Art geht es durch die Gartenstadt Margarethenhöhe, Wälder und historische Metallverarbeitungsstätten bis in die vornehmen Wohnlagen rund um den Kruppwald und schließlich an den Baldeneysee.

Besonders spannend fand ich, wie deutlich sich dabei unterschiedliche Facetten Essens beobachten lassen. Hier die dicht bebaute Großstadt mit Verkehr und urbanem Leben, dort plötzlich Wald, historische Siedlungen und fast ländlich wirkende Wege.

Und genau dieser Wechsel macht für mich den Reiz der Urban Trails aus: Man bleibt zwar immer in der Stadt, bekommt aber trotzdem das Gefühl, auf einer kleinen Entdeckungsreise unterwegs zu sein.

Für mich ist der Urban Trail Essen daher eine sehr abwechslungsreiche und empfehlenswerte Tour, insbesondere für alle, die Essen einmal abseits der bekannten Industriekultur neu entdecken möchten.

Urban Trail Bochum – Bergbau, Street Art und echtes Ruhrgebiet

Der Urban Trail Bochum ist diesmal keine Punkt-zu-Punkt-Wanderung, sondern ein klassischer Rundweg. Im Prinzip kann man an jeder beliebigen Stelle einsteigen. Da die Route auch den Bochumer Hauptbahnhof berührt, ist sie zudem hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Ich bin den Trail Anfang August 2026 vom Hauptbahnhof aus gegen den Uhrzeigersinn gelaufen. Den GPS-Track hatte ich auf mein Wander-GPS geladen und bin der vorgegebenen Strecke ziemlich genau gefolgt.

Die gelben Markierungszeichen waren bei meiner Wanderung bereits an vielen Stellen vorhanden, allerdings offenbar noch nicht vollständig. Ich würde deshalb auch hier empfehlen, zur Sicherheit mit GPS-Gerät oder einer Navigations-App wie komoot unterwegs zu sein. Den Track und die Route kann man über die unten verlinkte Seite von Ruhr Tourismus herunterladen.

Was mir auf dieser Tour besonders gefallen hat: Bochum zeigt sich hier nicht als perfekt herausgeputzte Sehenswürdigkeitenstadt, sondern als ziemlich authentische Mischung aus Bergbau- undd Stahlgeschichte, Stadtleben, Street Art, Parks, Arbeitersiedlungen und ganz normalem Ruhrpott-Alltag.

Vom Hauptbahnhof mitten hinein ins Stadtleben

Direkt nach dem Verlassen des Hauptbahnhofs geht es zunächst mitten hinein in die Bochumer Innenstadt. Die Fußgängerzone bietet dabei gleich eine große Auswahl an Cafés und Bäckereien. Wer vor der Wanderung noch ein Frühstück oder einen Kaffee benötigt, hat hier also die Qual der Wahl.

Am Dr.-Ruer-Platz biegt die Route ab und führt vorbei an der Pauluskirche zum Platz am Kuhhirten. Schon hier begegnet einem ein Thema, das mich auf der gesamten Tour immer wieder begleitet: Street Art.

Am Treppenabgang befindet sich ein Mural der Kölner Künstlerin metraeder, deren charakteristische Gitterstruktur man hier sehr gut erkennen kann.

Weiter geht es vorbei an St. Peter und Paul und am Gerberviertel in Richtung Nordring. Nach der Unterquerung der Bahnstrecke geht es über einige Stufen hinauf – und plötzlich steht man vor einem der markantesten Gebäude Bochums.

Planetarium: Eine Reise zu den Sternen

Das Bochumer Planetarium ist schon von außen beeindruckend. Der markante Kuppelbau wurde als Big Beautiful Building ausgezeichnet und beherbergt eines der meistbesuchten Sternentheater Europas.

Wer Zeit mitbringt, sollte die Gelegenheit nutzen und eine Vorstellung besuchen. Während einer Wanderung lässt sich zwar nur ein kurzer Blick auf das Gebäude werfen, aber der Gedanke, mitten in Bochum in fremde Galaxien reisen zu können, passt irgendwie perfekt zu diesem ungewöhnlichen Bau.

Die Route führt anschließend an der Bochumer Synagoge vorbei in den großen Stadtpark.

Stadtpark und Bismarckturm

Der Bochumer Stadtpark ist eine angenehme Überraschung. Die weitläufige Anlage mit alten Bäumen, Teich, Fontäne und kleinem Wasserfall vermittelt fast den Eindruck, die Großstadt sei plötzlich weit entfernt.

Bei meiner Wanderung im August 2026 wurde allerdings an mehreren Stellen gerade kräftig renoviert. Teilweise war nicht ganz klar, ob man die neu angelegten Wege bereits betreten durfte. Absperrungen oder ausdrückliche Verbotsschilder waren allerdings nicht zu sehen.

Ein markanter Punkt im Park ist der alte Bismarckturm. Mit seinen 33 Metern ist er der höchste Bismarckturm in Nordrhein-Westfalen.

Von dort führt der Weg am idyllischen Teich entlang und anschließend wieder hinaus in Richtung Freiligrathstraße.

Durch Schrebergärten zum Bergbau-Museum

Nach einigen sehenswerten alten Stadthäusern biegt die Route in eine typische Ruhrgebiets-Kleingartenanlage ab.

Ich mag solche Passagen bei Urban Trails besonders. Die Kleingärten sind eben nicht nur ordentlich angelegte Beete, sondern häufig kleine persönliche Welten. Zwischen Blumen, Gemüsebeeten und Gartenlauben entdeckt man immer wieder skurrile Dekorationen und witzig kreative Ideen der Besitzer.

Am anderen Ende der Anlage zeichnet sich bereits das nächste große Ziel ab: das markante Fördergerüst des Deutschen Bergbau-Museums.

Das Museum gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bochums und ist das größte Bergbaumuseum der Welt. Besonders das Anschauungsbergwerk ist ein Erlebnis. Nach wenigen Minuten unter Tage entsteht tatsächlich das Gefühl, sich in einem echten Bergwerkstollen zu befinden.

Wer den Urban Trail mit einem Museumsbesuch verbinden möchte, sollte dafür allerdings entsprechend Zeit einplanen.

Bochum wird alternativ

Hinter dem Bergbau-Museum verändert sich die Umgebung erneut. Die Route führt in ein städtisches Viertel mit deutlich alternativem Einschlag.

Wir passieren unter anderem die Quartiershalle in der KoFabrik, die als offener Ort für die Nachbarschaft gedacht ist. An der Ecke zur Windmühlenstraße fällt ein gut besuchtes Café auf. Für eine Pause scheint mir das eine interessante Möglichkeit zu sein.

Anschließend geht es durch den Apollonia-Pfaus-Park und über kleinere Stadtwege vorbei am Gesundheitsamt und der Christuskirche zum Platz des Europäischen Versprechens.

Und wieder lohnt es sich, aufmerksam zu sein.

An der Fassade des Restaurants DeFermo befindet sich eine inzwischen etwas verwitterte Erinnerungstafel, die an eine frühe Braustätte Bochums erinnert.

Ein Manta-Rochen an der Schlegel-Brauerei

Nur wenige Meter weiter wartet ein besonders ungewöhnliches Bochumer Motiv: ein riesiger Manta-Rochen von Denis Klatt.

Das Gebäude gehörte einst zur Schlegelbrauerei. Der Manta ist dabei mehr als nur ein schönes Wandbild. Er spielt auch auf den legendären Opel Manta an – jenes Kultauto, das im Bochumer Opelwerk produziert wurde und durch den Film Manta, Manta! endgültig zum Ruhrgebiets-Klischee avancierte.

Hier treffen auf wenigen Quadratmetern gleich mehrere Bochumer Geschichten aufeinander: Bier, Autos, Industrie und Popkultur.

Street Art auf dem Weg zum Westpark

Die Route verlässt nun langsam das unmittelbare Stadtzentrum. An der Ecke Diekampstraße/Schmidtstraße befindet sich ein weiteres sehenswertes Mural von Martin Bender.

An der Alleestraße gibt es noch einmal Gelegenheit, Getränke oder Proviant einzukaufen. Außerdem finden sich entlang dieses Abschnitts einige Cafés.

Nach der Überquerung der Straße geht es leicht bergauf in den Westpark.

Industriekultur im Westpark

Der Westpark liegt auf dem Gelände des ehemaligen Bochumer Vereins, und hier ist nicht der Vfl gemeint, sondern ein ehemals bedeutender Montankonzern. Heute ist daraus ein großzügiger Landschafts- und Erholungspark geworden.

Im Mittelpunkt steht die Jahrhunderthalle Bochum.

Der Kontrast ist beeindruckend: Wo früher schwere Industriearbeit stattfand, finden heute Konzerte, Festivals und andere Kulturveranstaltungen statt. Der Urban Trail führt praktisch einmal um den Gebäudekomplex herum.

Man muss allerdings gar nicht viel Fantasie aufbringen, um sich vorzustellen, wie anders dieser Ort früher ausgesehen und angefühlt haben muss. Die erhaltenen Industriegebäude sind die sichtbaren Überreste einer Zeit, in der Bochum noch wesentlich stärker von Stahl und Schwerindustrie geprägt war.

Am Josef-Anton-Gera-Platz wartet dann schon wieder ein völlig anderes Motiv: ein riesiges Mural an einer Hauswand.

Arbeitersiedlung Stahlhausen

Nach einer weiteren Überquerung der Alleestraße führt der Weg in die ehemalige Arbeitersiedlung Stahlhausen.

Die roten Backsteinhäuser mit ihren teilweise auffälligen Fliesenverzierungen vermitteln einen guten Eindruck davon, wie die Wohnwelt der Arbeiter früher aussah.

Durch die Siedlung geht es über einen ungewöhnlich gestalteten Spielplatz weiter in Richtung Springerplatz. Besonders die Spielgeräte sind hier einen genaueren Blick wert.

Wer an einem Freitagnachmittag unterwegs ist, hat am Springerplatz zudem eine weitere attraktive Pausenmöglichkeit: Dann findet dort der Moltkemarkt statt, auf dem neben klassischen Marktangeboten auch zahlreiche Streetfood-Stände zu finden sind.

Ein Haus voller Street Art

An der Ecke Annastraße/Springerplatz wartet ein weiteres meiner persönlichen Highlights der Tour.

Ein komplettes Haus ist mit unterschiedlichen Murals gestaltet, die von verschiedenen Street-Art-Künstlern stammen. Ich würde hier nicht einfach vorbeilaufen, sondern das Gebäude einmal umrunden. Die unterschiedlichen Stilrichtungen und Techniken kommen erst richtig zur Geltung, wenn man die verschiedenen Seiten betrachtet.

Überhaupt entwickelt sich Street Art auf diesem Urban Trail zu einer Art rotem Faden. Fast hinter jeder nächsten Ecke scheint wieder ein neues Wandbild aufzutauchen.

Bermudadreieck: Bochums berühmtes Nachtleben

Im weiteren Verlauf geht es wieder Richtung Innenstadt. Vor uns taucht die ehemalige St.-Marien-Kirche auf, deren ungewöhnliche Form auf Fotos fast ein wenig an eine Rakete erinnert.

Direkt daneben liegt das Anneliese Brost Musikforum Ruhr.

Die Route führt anschließend über den Kerkweg direkt ins Bermuda3Eck.

Das berühmte Bochumer Ausgehviertel ist ein ziemlicher Kontrast zu den vorherigen Abschnitten. Statt Schrebergärten, Arbeitersiedlungen und Industrieanlagen gibt es hier Kneipen, Restaurants, Bars und jede Menge Menschen.

Wer eine Pause braucht, findet hier natürlich unzählige Möglichkeiten.

Und selbstverständlich darf auch ein Stück Ruhrgebietskultur nicht fehlen: die Currywurst – nicht zuletzt durch Herbert Grönemeyers musikalisch verewigt.

Mein Street-Art-Profi-Tipp

Wer etwas Zeit hat, sollte das Bermuda3Eck nicht einfach nur oberirdisch durchqueren. Ein Abstecher in die U-Bahn-Station Bermuda3Eck/Musikforum lohnt sich.

Die Station ist fast eine unterirdische Street-Art-Galerie. Die Arbeiten von Denis Klatt verwandeln den Bahnhof in eine bizarre Unterwasserwelt der Bermuda Islands. Für mich ist das eine der ungewöhnlichsten Stellen der gesamten Tour.

Ehrenfeld: authentisches Bochum

Nach dem Bermudadreieck geht es wieder unter der Bahnüberführung hindurch. Dahinter liegt die Königsallee, die spätestens seit Herbert Grönemeyers Bochum ebenfalls einen festen Platz in der Stadtkultur besitzt.

Die Route biegt allerdings in die Alte Hattinger Straße ab und führt in das lebendige Viertel Ehrenfeld.

Hier zeigt sich Bochum noch einmal von seiner sehr eigenen Seite. Große Wandbilder, kleine Läden, Gastronomie und eine teilweise etwas schräge Nachbarschaftskultur sorgen für eine Atmosphäre, die schwer zu beschreiben ist.

Manchmal grüßt sogar ein Skelett mit Frosch als Fensterstopper die vorbeilaufenden Passanten.

Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine Pause oder einen spontanen Abstecher.

Noch einmal Street Art – wieder unter Tage

In Richtung Schauspielhaus kann man sich wieder entscheiden: oberirdisch weitergehen oder einen Teil des Weges durch die U-Bahn-Station nehmen.

Ich würde die zweite Variante zumindest einmal ausprobieren.

An den zur Königsallee gelegenen Abgängen zur U-Bahnstation Schauspielhaus befinden sich weitere große Sprühkunstwerke von Denis Klatt, diesmal thematisch passend zum Schauspielhaus.

Das Schauspielhaus Bochum selbst war während meiner Wanderung im August 2026 eingerüstet. Die Sanierung soll bald abgeschlossen sein. Momentan erinnerte das Gebäude deshalb eher an eine temporäre Christo-Installation – die ursprüngliche Architektur lässt sich aber erahnen.

Ein Pottwal zum Abschluss

Über die Taubenstraße geht es weiter durch Wohngebiet. Unterwegs wartet noch ein riesiges Rotkehlchen auf einer Hauswand.

Danach führt die Route durch einen neu angelegten Pocket-Park mit einigen Sitzgelegenheiten.

Und dann kommt das große Finale.

An einer Hauswand erscheint ein riesiger (Ruhr)Pottwal, unter dem eine Landschaft mit untergehenden Zechen dargestellt ist.

Ein riesiger Pottwal ziert die Hauswand

Das Mural greift damit noch einmal eines der zentralen Themen dieser Wanderung auf: die Verbindung von Natur, Stadt und industrieller Vergangenheit.

Von hier sind es nur noch wenige Schritte und eine letzte Unterquerung der Bahnstrecke – und schon steht man wieder am Bochumer Hauptbahnhof.

Fazit: Bochum einmal quer durch die Stadt

Der Bochumer Urban Trail hat mir ausgesprochen gut gefallen – allerdings aus einem etwas anderen Grund als beispielsweise die Tour von Herten nach Herne.

Hier steht weniger die große Landschaft im Vordergrund. Stattdessen entdeckt man die Stadt selbst.

Bergbau-Museum und Jahrhunderthalle erzählen von der industriellen Vergangenheit. Arbeitersiedlungen erinnern an das Leben der Menschen, die diese Industrie getragen haben. Das Bermuda3Eck und Ehrenfeld zeigen das heutige Bochum. Und dazwischen tauchen immer wieder überraschende Parks, Kleingärten, Cafés und vor allem jede Menge Street Art auf.

Gerade diese vielen kleinen Entdeckungen machen den Reiz der Strecke aus. Man sollte deshalb nicht versuchen, die gut 12 Kilometer möglichst schnell abzuwandern. Es lohnt sich, langsam zu gehen, nach links und rechts zu schauen und auch einmal einen kleinen Umweg zu machen.

Wer Bochum nicht nur über die großen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, sondern Lust auf ein authentisches, buntes und manchmal durchaus etwas schräges Ruhrgebiet hat, für den ist dieser Urban Trail eine sehr gute Gelegenheit.

Bergbau, Bier, Bermuda3Eck, Street Art, Arbeitersiedlungen, Industriekultur und ganz normaler Ruhrpott-Alltag – Bochum kann man auf dieser Runde tatsächlich ziemlich gut „erlaufen“.

Praktische Informationen

  • Streckenart: Rundwanderung
  • Start/Ziel: Bochum Hauptbahnhof
  • Streckenlänge: entsprechend der offiziellen Route, GPS-Track empfohlen
  • Anreise: sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Navigation: Markierungen waren bei meiner Wanderung weitgehend vorhanden, aber noch nicht vollständig
  • Empfehlung: GPS-Gerät oder Navigations-App mit geladenem Track
  • Besondere Highlights: Planetarium, Stadtpark, Deutsches Bergbau-Museum, Jahrhunderthalle, Westpark, Bermudadreieck, Ehrenfeld und zahlreiche Street-Art-Werke
  • Pausen: zahlreiche Cafés, Gastronomie und am Springerplatz freitags der Moltkemarkt

Link: Offizielle Routenbeschreibung bei RuhrTourismus

In diesem Video habe ich einige Eindrücke dieses Urban Trails im Bewegtbild festgehalten, ohne Kommentierung/Erläuterung: