Urban Trail Herten – Herne: Von Wasserschlössern, Zechen und der Halde Hoheward

Der Urban Trail von Herten nach Herne ist – wie schon die Wanderung in durch Oberhausen – eine Punkt-zu-Punkt-Wanderung. Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Dafür sind beide Endpunkte gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Bei meiner Wanderung in der ersten Augustwoche 2026 gab es allerdings noch eine Besonderheit: Der Trail war vor Ort noch nicht markiert. Wer die Tour derzeit nachwandern möchte, sollte sich deshalb unbedingt den GPS-Track herunterladen oder beispielsweise eine Navigations-App wie komoot verwenden (Links gibt auf der RVR-Seite)

Die offizielle Streckenlänge beträgt 13,7 Kilometer. Auf meiner Aufzeichnung standen am Ende rund 14,5 Kilometer auf dem GPS – vermutlich eine Mischung aus GPS-Ungenauigkeit und meinen diversen kleinen Abstechern zu interessanten Orten entlang der Strecke.

Überraschender Auftakt in Herten

Obwohl ich im Ruhrgebiet aufgewachsen bin, war ich tatsächlich zum ersten Mal in Herten. Die Anreise mit der S-Bahn-Linie 9 aus Richtung Essen verlief problemlos. Vom Bahnhof Herten (Westfalen) sind es nur wenige Schritte bis zum Busbahnhof in der Hertener Innenstadt, wo die Tour beginnt.

Mein erster Eindruck von Herten war überraschend positiv. Obwohl die Stadt nur etwa ein Drittel der Einwohnerzahl Mülheims hat, wirkte die Innenstadt auf mich erstaunlich lebendig. Auch die Auswahl und Qualität der Geschäfte machte einen guten Eindruck.

Ich dachte zunächst: Das wird wohl erst einmal eine Wanderung durch dicht bebautes Stadtgebiet.

Doch damit sollte ich mich gründlich täuschen.

Vom Rathaus direkt ins Grüne

Von der Einkaufsstraße sind es nur wenige Meter bis zum Hertener Rathaus. Eine Verbindungsbrücke zwischen den Rathausgebäuden bildet gleichzeitig eine Art Tor zum Schlosspark.

Und plötzlich ist die Stadt weitgehend verschwunden.

Ich fühlte mich unmittelbar wie in einem Wald und folgte den Wegen durch den überraschend weitläufigen Schlosspark. Schon bald erreicht man die Orangerie, ein kleines denkmalgeschütztes Gebäude, das heute für Veranstaltungen genutzt wird.

Schloss Herten

Auf der anderen Seite des Parks fällt bereits das Wasserschloss Herten ins Auge. Es wurde erstmals 1376 urkundlich erwähnt; die heute erhaltenen Gebäude entstanden im 16. und 17. Jahrhundert nach Entwürfen des Coesfelder Baumeisters Henric de Suer.

Der Weg führt am Schlossteich entlang, vorbei an der LWL-Klinik Herten und zur Festwiese. Hier lohnt sich unbedingt ein kurzer Abstecher zur eigentlichen Schlossanlage.

Eine ungewöhnliche Kunstachse

Anschließend geht es auf eine lange Gerade durch den Schlosspark und -wald. Hier befindet sich die Kunstachse „Burgenland“.

Mini-Zeche auf Hügel

Auf einer Strecke von rund zwei Kilometern wurden am Wegesrand 15 künstliche Erdhügel aufgeschüttet. Auf acht davon sollenkleine, erstaunlich detailgetreue Miniatur-Zechengebäude stehen, ich habe bei meiner Wanderung nur zwei entdeckt.

Grüne Achse

Das Konzept verbindet auf ungewöhnliche Weise die beiden Welten, die diese Wanderung prägen werden: Schloss und Bergbau, Adel und Industriegeschichte. Die erhöht auf den Hügeln platzierten Zechenmodelle sollen dabei die einstige Machtposition der Industriellen symbolisieren.

Noch etwas Waldluft genießen – und schon ist es mit der Ruhe wieder vorbei.

Von der Straße zur Zeche Ewald

Der Weg trifft auf eine Landesstraße und führt zunächst ein kurzes Stück entlang stärker befahrener Straßen. Praktisch: Unterwegs kommt man jetzt auch an einem Discounter vorbei. Wer Getränke oder Proviant nachfüllen möchte, hat hier noch einmal Gelegenheit dazu.

Denn bald wird die Wanderung körperlich anspruchsvoller.

Nach der Autobahnunterführung taucht vor uns die ehemalige Zeche Ewald auf. Die ersten Gebäude und Fördergerüste kündigen das weitläufige Zechengelände schon von weitem an.

Fördergerüste Zeche Ewald

Die Zeche Ewald entstand ab den 1870er Jahren und wurde im April 2000 endgültig stillgelegt. Heute ist das Gelände ein gelungenes Beispiel für den Strukturwandel: In den historischen Gebäuden haben sich Unternehmen und Gastronomiebetriebe angesiedelt, außerdem wird das Areal als Veranstaltungsort genutzt.

Ich würde hier nicht einfach nur dem Trail folgen, sondern ein wenig kreuz und quer über das Gelände laufen. Es gibt viel zu entdecken.

Besonders markant sind der gemauerte Malakowturm über Schacht 1 sowie die Stahlfördergerüste über den Schächten 2 und 7. Hier lässt sich noch einmal sehr unmittelbar nachvollziehen, welche Dimensionen der Bergbau im Ruhrgebiet einst hatte.

Jetzt wird es anstrengend: Aufstieg zur Halde Hoheward

Hinter der Zeche beginnt der anspruchsvollste Abschnitt der Wanderung: Treppensteigen.

Vor uns liegt die Halde Hoheward. Mit 152,5 Metern über Normalhöhennull gehört sie zu den markantesten Landmarken des Ruhrgebiets. Aufgeschüttet wurde sie aus Material der Zechen Recklinghausen II, Ewald und General Blumenthal/Haard.

Die Treppe zur Halde Hoheward

Der erste Treppenabschnitt hat es durchaus in sich: 132 Stufen führen hinauf zu einem ersten Aussichtsbalkon. Der Blick zurück auf das Zechengelände mit seinen Fördergerüsten ist bereits beeindruckend.

Aber wir sind noch lange nicht oben.

Weitere 77 Stufen und ein serpentinenartig verlaufender Weg bringen uns zur Ewald-Empore. Auch von hier bietet sich noch einmal ein leicht erhöhter Blick über die Umgebung.

Und spätestens jetzt verändert sich das Wandergefühl vollkommen.

Ruhrgebiet wie aus dem Gebirge

Oben auf der Halde habe ich tatsächlich fast das Gefühl, in einer Mittelgebirgslandschaft unterwegs zu sein. Die Baumgrenze wird durchbrochen, die Vegetation niedriger, die Wege verlaufen durch offene Landschaft und die Hitze der Augustsonne hat die Wiesen bereits goldgelb verfärbt.

Blick auf Halde Hoheward

Und dann dieser Blick.

Bei klarer Sicht reicht er über weite Teile des Ruhrgebiets – von Duisburg bis Dortmund und mit etwas Glück kann man sogar den Düsseldorfer Rheinturm erkennen. Unter einem liegt eine der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands, und trotzdem wirkt die Landschaft von hier oben erstaunlich grün, weit und offen.

Das ist für mich einer der schönsten Momente dieser Tour: Man vergisst für einen Augenblick, dass man sich mitten im Ballungsraum Ruhrgebiet befindet.

Über die teilweise recht steile Haldenstraße geht es weiter zum höchsten Punkt.

Horizontobservatorium und Sonnenuhr

Auf dem Haldengipfel steht das weithin sichtbare Horizontobservatorium. Leider ist die Anlage noch immer abgesperrt.

Das hat einen guten Grund: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurden Risse im Äquatorbogen festgestellt. In der Folge wurden schon zusätzliche Stützpfeiler installiert. Bis heute ist das Observatorium deshalb nicht regulär zugänglich.

Obelisk und Himmelsobservatorium Halde Hoheward

Etwas unterhalb befindet sich ein weiteres beeindruckendes Bauwerk: die Sonnenuhr mit Obelisk. Die Anlage liegt auf rund 140 Metern Höhe und umfasst etwa 3.000 Quadratmeter. Der Edelstahl-Obelisk ist 8,5 Meter hoch.

Hier oben lohnt sich eine Verschnaufpause. Und dann beginnt der Abstieg.

Auf schmalen Pfaden zur nächsten Zeche

Der Abstieg ist fast das Gegenstück zum vorherigen Aufstieg. Statt breiter Wege und Treppen geht es nun über verschlungene, teilweise leicht bewachsene Singletrails wieder hinunter.

Fast am Fuß der Halde taucht plötzlich ein weiteres ungewöhnliches Objekt auf: ein stilisierter, asiatisch anmutender Drachenkopf.

Über die Drachenbrücke geht es anschließend zur ehemaligen Zeche Recklinghausen II. Hier sind noch das Fördergerüst und die Maschinenhalle erhalten.

Nach der langen Naturpassage bietet sich noch einmal die Gelegenheit, Industriekultur aus nächster Nähe zu erleben.

Vom Zechengelände an die Emscher

Anschließend führt der Urban Trail zunächst durch die Dreieck-Siedlung Hochlarmark. Hier stehen noch zahlreiche typische alte Zechenhäuser – Ruhrgebiet wie aus dem Bilderbuch.

Danach wird die Umgebung wieder deutlich städtischer. Besonders ins Auge fällt die Reformationskirche, eine asymmetrisch gestaltete, zweischiffige Backsteinkirche mit einem seitlichen, pyramidenbekrönten Turm.

Schließlich erreichen wir die Emscher.

Kaum ein anderer Fluss steht so exemplarisch für den Wandel des Ruhrgebiets. Einst als stark belastete „Köttelbecke“ bekannt, wurde die Emscher in einem jahrzehntelangen Großprojekt renaturiert und entwickelt sich heute wieder zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Landschaft.

Emscher - gradlinieg

Zeitreise Strom – ein echter Geheimtipp

Nach einem kurzen Stück entlang der Emscher geht es über eine Brücke in Richtung Stadthafen Recklinghausen. Zuvor muss allerdings noch die Bochumer Straße überquert werden.

Direkt auf der anderen Seite steht das imposante ehemalige VEW-Umspannwerk Recklinghausen.

Mein Tipp: Hier unbedingt einen Abstecher in das Museum „Zeitreise Strom“ einplanen.

Das denkmalgeschützte Umspannwerk beherbergt eine beeindruckende Sammlung zur Geschichte der Elektrizität und Energieversorgung. Besonders die Ausstellung in der ersten Etage fand ich sehenswert.

Umspannwerk Recklinghausen

Und das Schöne daran: Man muss dafür gar kein Technikfan sein. Beim Anblick vieler ausgestellter Geräte fühlt man sich unweigerlich in die eigene Kindheit oder Jugend zurückversetzt. Für mich war das einer der überraschendsten Stopps der gesamten Tour.

Stadthafen und Rhein-Herne-Kanal

Nach dem kurzen Abschnitt entlang der Emscher führt der Weg über eine Brücke zum Stadthafen Recklinghausen. Das Wasser sorgt für einen erneuten atmosphärischen Wechsel.

Von hier geht es weiter am Rhein-Herne-Kanal entlang. Der Urban Trail nutzt dabei geschickt einen grünen Korridor zwischen verschiedenen Kleingartenanlagen oder Schrebergärten, wie man hier im Pott dazu sagt.

Wieder einmal zeigt sich die besondere Qualität dieser Tour: Man bewegt sich durch eine dicht besiedelte Region und hat trotzdem immer wieder das Gefühl, durch überraschend grüne Landschaften zu laufen.

Schloss Strünkede – ein herrschaftliches Finale

Nach dem Kanalabschnitt geht es noch einmal durch bebautes Gebiet, bevor das nächste Highlight auftaucht: der Schlosspark Strünkede.

Der Weg führt direkt in die Parkanlage und macht anschließend einen Schlenker entlang des Burggrabens.

Das kastellartige Wasserschloss Strünkede bildet einen geradezu herrschaftlichen Kontrast zu den Zechenanlagen und Halden, die uns zuvor begleitet haben. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Schloss Sitz der freiherrlichen Familie von Strünkede. Seit 1938 beherbergt es die kultur- und stadtgeschichtlichen Sammlungen des Emschertal-Museums.

Und genau hier endet der Urban Trail.

Fazit: Ruhrgebiet in einer einzigen Wanderung

Die rund 14,5 Kilometer haben mir wieder ausgesprochen gut gefallen.

Was diese Tour für mich besonders macht, ist der ständige Wechsel der Landschaften und Themen. Sie beginnt an einem Wasserschloss, führt durch einen überraschend grünen Schlosspark, vorbei an Miniaturzechen und mitten durch die beeindruckende Industriekulisse der Zeche Ewald. Danach geht es hinauf auf eine riesige Halde, über deren Gipfel man einen fantastischen Blick über das gesamte Ruhrgebiet genießt.

Dann folgt der Abstieg durch naturnahe Wege, vorbei an einer ehemaligen Zeche, durch eine typische Bergarbeitersiedlung und entlang der renaturierten Emscher. Mit dem Umspannwerk und dem Stadthafen kommen weitere völlig unterschiedliche Facetten hinzu, bevor mit Schloss Strünkede noch einmal eine ganz andere Epoche der regionalen Geschichte auf dem Programm steht.

Industriekultur, Natur, Bergbau, Stadt, Wasser und Schlösser – diese Wanderung hat eigentlich alles, was das Ruhrgebiet ausmacht. Zudem ging es auf der relativ kurzen Strecke durch drei Städte, wo sonst ist das möglich?

Und genau deshalb kann ich den Urban Trail von Herten nach Herne uneingeschränkt empfehlen!

Neben den Fotos oben habe ich eine Eindrücke (ohne Kommentierung) auch als Video festgehalten:

Links:
Ruhr-Tourismus – Urban.Trail – Überraschender Drei.Städtetrip

Einige Eindrücke der Wanderung habe ich auch ohne Kommentare in diesem Video festgehalten:

Leidende Pflanzen August 2026

Bei Spaziergängen am 10. und 11. August im Umkreis der Rolandshalde in Oberhausen sowie auf der Halde Haniel in Bottrop macht es schon traurig zu sehen, wie die Vegetation in diesem Hitzesommer ohne nennenswerten Regen in den letzten beiden Monaten leidet. Pflanzen gehen sichtbar ein und die Böden sind staubtrocken und pulverisieren. Zur Dokumentation habe ich ein paar beispielhafte Bilder hochgeladen.

Welke Blätter
10.8.2026 Welke Pflanzen an der Halde Haniel
10.8.26 – Halde Haniel – Blätter trocken an den Bäumen ab. Der Boden liegt voller Blätter, man könnte meinen, es sei schon Herbst.
10.8.2026 – Halde Haniel – bodennahe Pflanzen trocken einfach so weg
10.8.2026 – Halde Haniel – Boden ist staubtrocken
10.8.2026 – Halde Haniel – Abfluss am ehemaligen Amphitheater
9.8.2026 – Busch in der Nähe der Rolandshalde, Oberhausen, lässt die Blätter hängen
9.8.2026 – Holunderstrauch in der Nähe der Rolandshalde, Oberhausen, wirft Blätter ab, Beeren hängen schlaff
9.8.2026 – Bodennahe Pflanzen hängen sichtbar, gehen ein. Nähe Rolandshalde, Oberhausen

Rhein trocknet weiter aus – Pegel Ruhrort bei 141cm

Da der Wasserstand des Rheins weiter abnimmt, habe ich noch einmal eine kleine Tour an verschiedene Stellen des Duisburger Hafen unternommen. Es ist schon ein bißchen schockierend, wenn man die Stellen bei Normalwasserstand kennt und jetzt sieht, wie weit das Wasser schon zurückgegangen ist. Zu Dokumentation habe ich einige Perspektiven kommentarlos in diesem Video zusammengestellt.

Urban Trail Oberhausen – Industriekultur, Halden und grüne Oasen

Der Urban Trail Oberhausen erzählt auf gut elf Kilometern, was das Ruhrgebiet ausmacht – Schwerindustrie und urbane Oasen, Trümmer und Blütenpracht, Geschichte und Gegenwart.

Der UrbnTrl. Oberhausen unterscheidet sich von vielen klassischen Rundwanderungen: Es handelt sich um eine Punkt-zu-Punkt-Tour. Der Start liegt am Oberhausener Hauptbahnhof, das Ziel in der historischen Arbeitersiedlung Eisenheim. Das ist jedoch überhaupt kein Nachteil – im Gegenteil. Beide Punkte sind hervorragend mit Bus und Bahn verbunden (Haltestellen Oberhausen Hauptbahnhof und Oberhausen Eisenheim), sodass man nach der Wanderung bequem wieder zum Ausgangspunkt oder zum eigenen Fahrzeug zurückkehren kann.

Markierung UrbnTrls. als Beilspiel

Ein ungewöhnlicher Start am Hauptbahnhof

Schon der Beginn der Tour hält eine kleine Überraschung bereit. Bevor es überhaupt richtig losgeht, lohnt sich ein Abstecher zu den Gleisen 4 und 5. Hier befand sich einst der Postbahnanschluss des Hauptbahnhofs. Nach dem Rückbau entstand an dieser Stelle ein frei zugänglicher Museumsbahnsteig des LVR-Industriemuseums. Zwischen alten Schienenfahrzeugen und Relikten der Schwerindustrie bekommt man bereits einen ersten Eindruck von der industriellen Vergangenheit Oberhausens.

Durch den Haupteingang des Bahnhofs führt der Weg zunächst vorbei am Berliner Park in den blütenreichen Grillo Park. Von hier eröffnet sich einer der schönsten Blicke auf das Oberhausener Rathaus. Das markante Gebäude verbindet Elemente des Backsteinexpressionismus mit dem Stil des Neuen Bauens. Gemeinsam mit den großzügigen Freitreppen, Terrassen und dem Park bildet es eines der eindrucksvollsten städtebaulichen Ensembles der Stadt.

Vom Stadtzentrum ins Grüne

Vorbei am denkmalgeschützten Ebertbad und dem Theater Oberhausen nähert sich die Route zunächst der vielbefahrenen Mülheimer Straße (B223). Kaum ist diese überquert, verändert sich die Atmosphäre schlagartig. Der urbane Charakter weicht immer mehr grünen Wegen, kleinen Parks und Kleingartenanlagen.

Unterwegs passiert man die Oberhausener Feuerwache und erreicht den Brücktorpark. Dort stößt man auf ein Stück fast vergessener Industriegeschichte: die Henkelmannbrücke. Zur Mittagszeit ließen hier früher die Frauen der Stahlarbeiter das Essen in sogenannten Henkelmännern – typischen Blechbehältern – an Seilen zu ihren Männern hinab. Eine einfache, aber eindrucksvolle Geschichte aus der Zeit der Hochindustrie.

Monte Schlacko – der höchste Punkt Oberhausens

Durch eine typisch ruhrgebietliche Schrebergarten erreicht man schließlich die Knappenhalde. Im Volksmund trägt sie den treffenden Spitznamen „Monte Schlacko“. Mit 102 Metern über NHN und rund 55 Metern über dem umliegenden Gelände ist sie die höchste Erhebung Oberhausens.

Profi-Tipp: Der ausgeschilderte Urban Trail führt nicht bis ganz auf den Gipfel. Ich würde den kleinen Umweg jedoch unbedingt empfehlen. Die Halde wird von ein 15 Meter hohen Aussichtsturm gekrönt, von dem sich ein großartiger Rundumblick über das westliche Ruhrgebiet eröffnet. Bei klarer Sicht erkennt man unter anderem den Gasometer, das CentrO und zahlreiche weitere Halden. Man weiß ja, wie man später wieder auf den Trail zurückfindet.

Blick von Knappenhalde zum Gasometer Oberhausen

Auch die Entstehung der Halde erzählt Ruhrgebietsgeschichte: Sie besteht aus Abraum der ehemaligen Zeche Oberhausen, Hochofenschlacke der Gutehoffnungshütte und Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Fuß der Halde lohnt außerdem ein Blick auf einige ungewöhnliche Kunstwerke, die unter Namen wie Industrietempel oder Eisenschaffende Industrie bekannt sind.

Auf den Spuren der Zeche Oberhausen

Von der Halde führt der Weg über das Gelände der ehemaligen Zeche Oberhausen. Das heutige Resonanzwerk war einst eine Werkstatt der Zeche, während das Hostel Veritas im früheren Pförtnerhaus untergebracht ist.

Anschließend folgt die Route der ehemaligen HOAG-Bahntrasse. Wo früher Güterzüge unterwegs waren, verläuft heute ein ruhiger Rad- und Wanderweg durch überraschend viel Grün. Entlang des renaturierten Läppkes Mühlenbachs erreicht man schließlich das Besucherzentrum Haus Ripshorst.

Das RVR-Besucherzentrum Haus Ripshorst ist der ideale Ort für eine Pause. Im historischen Gutshof, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, gibt es nicht nur Kaffee und Snacks, sondern auch eine Ausstellung zum Emscher Landschaftspark. Im Außenbereich locken Bauerngarten und ein Lehrbienenstand – perfekt um durchzuatmen, bevor die Tour weitergeht.

Zauberlehrling, Marina und Rhein-Herne-Kanal

Nur wenige Minuten später wartet eines der bekanntesten Fotomotive der Region: der tanzende Strommast „Zauberlehrling“ der Berliner Künstlergruppe inges idee. Der scheinbar zum Leben erwachte Hochspannungsstrommast gehört zu den ungewöhnlichsten Kunstwerken des Ruhrgebiets.

Der tanzende Strommast - Zauberlehrling von inges idee.

Von dort folgt der Urban Trail dem Rhein-Herne-Kanal bis zur Marina Oberhausen, dem gut frequentierten Yachthafen direkt am CentrO. Vorbei am Sea Life führt die markante Tausendfüßlerbrücke auf die andere Kanal- und Autobahnseite. Mit Blick auf den Gasometer gehört dieser Abschnitt zweifellos zu den schönsten der gesamten Wanderung.

OLGA-Park – Wo Klärbecken zu Fotomotiven werden

Anschließend gelangt man über das ehemalige Klärbecken der Zeche Osterfeld in den OLGA-Park. Der Weg mitten durch das riesige Becken bietet eine außergewöhnliche Perspektive und ist ein beliebtes Fotomotiv.

Ein schmaler Pfad mitten durch das ehemalige Klärbecken, Oberhausen

Der Park selbst entstand auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Osterfeld und verbindet Industriekultur mit großzügigen Grünflächen. Am gegenüberliegenden Eingang ist noch das Fördergerüst erhalten geblieben.

Profi-Tipp: Wer einen kleinen Umweg zum Fördergerüst investiert, wird mit einer einzigartigen Sichtachse auf den Gasometer belohnt. Zudem kann man die ehemalige Kohlenmischhalle mit ihrem markanten achteckigen Pyramidendach aus der Nähe betrachten.

Auch der 16 Meter hohe Aussichtsturm des Parks bietet noch einmal einen weiten Blick über Oberhausen.

Ziel: Die historische Siedlung Eisenheim

Nach dem Verlassen des OLGA-Parks führt der Weg zurück in bewohntes Stadtgebiet. Vorbei am Katholischen Jugendwerk und einer benachbarten Moschee erreicht man schließlich die Siedlung Eisenheim.

Sie gilt als älteste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets und war zugleich die erste Arbeitersiedlung Deutschlands, die vollständig unter Denkmalschutz gestellt wurde. Zahlreiche Informationstafeln erzählen ihre Geschichte. Zwischen den liebevoll restaurierten Häusern fühlt man sich fast wie auf einer kleinen Zeitreise in die Anfänge der Industrialisierung.

Ein besonderer Abschluss

Bevor die Wanderung an der Haltestelle Eisenheim endet, lohnt sich noch ein letzter kurzer Abstecher zur Ecke Eisenheimer Straße/Wesselkampstraße. Dort befindet sich der Blaue Turm der vielen Bücher mit dem Garten der Dichter, auch Tonino-Guerra-Park genannt.
Das außergewöhnliche Gebäude beherbergt die Bibliothek und Arbeitsräume des Autorenehepaars Roland und Janne Günter. Der Garten wurde vom Künstler Herman Prigann gestaltet und bildet einen ebenso ungewöhnlichen wie stimmungsvollen Abschluss dieser abwechslungsreichen Wanderung.

Blick auf die Siedlung Eisenheim Oberhausen auf dem Urbn.Trl

Fazit

Der Urban Trail Oberhausen ist keine Wanderung für Bergsteiger, sondern für Entdecker. Er zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das Ruhrgebiet sein kann. Auf kaum einer anderen Wanderung wechseln sich Industriekultur, Halden, historische Arbeitersiedlungen, Parks, Bahntrassen, Kanäle und moderne Freizeitlandschaften so harmonisch ab. Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz der Tour aus. Im Vergleich zu den anderen Trails führt der Weg an wenigen Einkehrmöglichkeiten vorbei, es sei denn man baut noch einen kleinen Umweg zum Oberhausener CentrO ein, wo es wirklich alles gibt, was man sich wünschen könnte. Die gut 11 km haben wir sehr gut, inklusiver kleiner Umwege und einer Pause, in etwa 3 Stunden absolviert.

Wer Oberhausen einmal abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten entdecken möchte, findet hier eine Wanderung, die Geschichte, Natur und Strukturwandel auf besonders abwechslungsreiche Weise miteinander verbindet.

Links: Offizielle Beschreibung bei Ruhr Tourismus

Rekord-Niedrigwasser im Rhein – Eindrücke aus Duisburg

Der Hitzesommer 2026 mit zudem sehr geringen Niederschlägen lässt die Wasserstände in den Flüssen auf neue Extremwerte fallen. Es ist schon sehr trauig anzusehen, wie auch die Natur drumherum offensichtlich leidet. Und was machen unsere Politiker? Sie fördern noch weiterhin die Gasindustrie, anstatt schnellstens die regenerativen Energiequellen in Kombination mit Stromspeichern konsequent auszubauen.

Am 1. August 2026 wurde der niedrigste bekannte Wasserstand des Rheins am Pegel Ruhrort von 153cm am 23.10.2018 unterschritten.

Daher habe ich mir den Rhein in Duisburg am 4.8.2026 bei ein Pegelstand von 149cm am Pegel Ruhrort angesehen und bin dafür verschiedenste zugängliche Stellen mit dem Fahrrad angefahren. Dazu gehören das Hafengebiet in Ruhrort, das Rheinorange, die Brücke der Solidarität, der Eisenbahnhafen, das Schulschiff Rhein, der Hafen Mevissen, der Rheinpark und der Duisburger Innenhafen. Die Eindrücke habe ich diesem Video (ohne Stimme) mit dem Rohmaterial zusammengestellt:

UrbnTrls. im Ruhrgebiet

Auf meiner üblichen Radtour von Mülheim in Richtung Rhein-Herne-Kanal entdeckte ich irgendwann Anfang März 2026 ein auffälliges gelbes und ein bißchen kryptisch wirkendes Schildchen mit einem stilisiert geschwungenem UT und dem Hinweis URBN TRLS.

Markierung UrbnTrls.

Es war schnell zu erkennen, dass hier die Vokale weggelassen wurden und es sich dann zu Urban Trails erweitern sollte. Zuhause habe ich etwas recherchiert und recht schnell die Seite des Regionalverbands Ruhr bzw. Tourismus Ruhr ausfindig gemacht.

Dort werden die Wanderungen in städtischen Gebiet also beschrieben, inklusive herunterladbaren GPS-Daten, Links zu Komoot und einigen Fotos. Da sich die Tourenvorschläge recht interessant anhörten und auch zu vielen sehenswerten Attraktionen im Ruhrgebiet führen, habe ich dann kurzerhand beschlossen, diese Wanderungen ebenfalls in den bevorstehenden Wochen eine nach der anderen nachzulaufen.

Zeche Holland

Ich folgenden bzw. auf den detaillierten Tourenseiten stelle ich daher meine Eindrücke dar, so wie ich die Wanderungen im dicht besiedelten Ruhrgebiet erlebt habe. Vorweg: es sind wirklich sehr schöne Routen, die eine herrliche Kombination aus städtischen Ruhrgebietscharme, Industriekultur und den grünen und hügeligen Seite des Region zeigen. Die ruhrgebietstypischen Halden und Fördertürme dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen.

Hier meine detaillierten Tourenberichte:

Die erste Tour war dann Anfang Mai 2026 der UrbnTrl. in Oberhausen.

Gefolgt von dem Urban Trail in Mülheim Ende Mai.

Den Urbn.Trl in Gelsenkirchen bin ich Anfang Juni gelaufen.

Nur wenige Tage bin ich dann in Dortmunds Sub.KulTour eingetaucht.

Anfang Juli 2026 wanderte ich den Urban Trail in Hagen.

Anfang August wurden dann die Wanderung von Herne nach Herten veröffentlicht, den ich auch unmittelbar angegangen bin, jedoch in umgekehrter Laufrichtung.

Der Urban Trail in Bochum sollte nur ein paar Tage später folgen.

Mitte August habe ich dann mit dem Duisburger Kunst.Weg den letzten der bis dahin veröffentlichten Trails absolviert.

Ich hatte mir dazu jeweils die GPS-Tracks heruntergeladen und auf mein Wandernavi übertragen, was sich als sehr nützlich herausgestellt hat, da die Markierungen nicht überall gleich zuverlässig bzw. in Mülheim zu meinem Wanderzeitpunkt noch gar nicht vorhanden waren. Daher würde ich sehr empfehlen eine elektronische Möglichkeit zur Routenüberprüfung in der Hinterhand zu haben, also entweder GPS-Track, Komoot oder einfach nur Google-Maps über die Webseite des RVR.

Generell kann man die Wege wohl in beide Richtungen gehen, jedenfalls ist mir bei meinen Wanderungen aufgefallen, dass – bei vorhandener Markierung – diese in beide Richtungen vorhanden war. Man kann sich also frei entscheiden,wo und in welche Richtung man sich vom startet.

Wer eine unabhängige Zweitmeinung zu den Trails haben möchte, kann ja auch einmal Wanderrattes Blog weiterlesen, sie haben auch bereits zu vielen der Urban Trails im Ruhrgebiet geschrieben.

Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen eröffnet: Das erwartet Besucher im neuen Freizeitpark am CentrO

Dieser Artikel ist keine bezahlte Werbung – sondern beschreibt die Eindrücke meines ersten Besuches des Eröffnungstag am 22.7.26.

Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen hat am 22. Juli 2026 offiziell eröffnet. Nach einer kurzfristigen Verschiebung des ursprünglich geplanten Eröffnungstermins konnten die ersten Besucher heute endlich das neue Freizeit- und Ausflugsziel direkt am Westfield CentrO Oberhausen erkunden.

Eingang Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen

Das neue Erlebnis-Dorf ist das achte Karls Erlebnis-Dorf in Deutschland und gleichzeitig der erste Standort in einer Großstadt. Mit seiner Mischung aus Fahrgeschäften, Restaurants, Schaumanufakturen und einer großen Markthalle dürfte es sich schnell zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien im Ruhrgebiet entwickeln.

Große Besucherzahlen bereits am Eröffnungstag

Schon lange vor der offiziellen Öffnung der neuen Karls Manufakturen-Markthalle um 11:00 Uhr bildete sich eine mehrere hundert Meter lange Warteschlange. Zahlreiche Familien mit Kindern warteten geduldig auf den Startschuss, um das neue Erlebnis-Dorf als Erste zu entdecken.

Menschenschlange am Eröffnungstag von Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen

Trotz der offiziellen Eröffnung waren auf dem Gelände noch letzte Arbeiten zu beobachten. Im Hintergrund standen weiterhin Handwerkerfahrzeuge, vereinzelt fuhren noch Bagger über das hintere Gelände und einige Bereiche waren auch noch nicht vollständig in Betrieb. So waren beispielsweise das Curryversum mit der Erdbeer-Bratwurst sowie das Kuddel-Muddel-Café am Eröffnungsvormittag noch nicht vollständig geöffnet.

Bagger im Hintergrund immernoch aktiv

Erster Bauabschnitt für rund 45 Millionen Euro

Nach Angaben des Betreibers umfasst der erste Bauabschnitt rund 46.000 Quadratmeter. Dafür wurden etwa 45 Millionen Euro investiert.

Die unmittelbare Anbindung an das Westfield CentrO Oberhausen, eines der größten Einkaufs- und Freizeitzentren Deutschlands, macht den neuen Standort besonders attraktiv. Shopping und Freizeit lassen sich hier künftig ideal miteinander verbinden.

Liebevoll gestaltete Erlebniswelt rund um Erdbeeren, Bauernhof und Handwerk

Schon beim Betreten des Geländes fällt die aufwendige Gestaltung auf. Das gesamte Erlebnis-Dorf ist mit viel Liebe zum Detail dekoriert und verbindet die Themen Erdbeeren, Bauernhof, Landwirtschaft und traditionelles Handwerk.

Erdbeer-Marmeladen Küche

Ein echter Blickfang befindet sich in der großen Manufakturen-Markthalle. Dort steht nach Angaben von Karls vermutlich die größte Kaffeekannen-Sammlung der Welt. Laut Informationstafel umfasst die Ausstellung inzwischen mehr als 23.000 Kaffeekannen und dürfte damit einzigartig sein.

Kaffeekannen Sammlung - Weltrekord

Diese Attraktionen bietet Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen

Vor allem Familien mit Kindern finden zahlreiche Attraktionen. Zu den Highlights gehören unter anderem:

  • Erdbeer-Wendelrutsche
  • Stabmixer-Freifallturm
  • Pipi-Kaka-Land
  • Go-Karts
  • Bumper Cars
  • Wasserspielplatz
  • kostenfreies Indoor-Tobeland
  • Erdbeer-Döner

Eine besondere Idee ist die Maisscheune. Statt eines klassischen Bällebades können Kinder hier durch unzählige Maiskörner wühlen und spielen – ein außergewöhnliches Erlebnis, das man so nur selten findet.

Maisscheune in Karls Erlebnis-Dorf Oberhausen

Schaumanufakturen bieten spannende Einblicke

Zu den beliebtesten Bereichen dürften die gläsernen Schaumanufakturen gehören. Besucher können hier live beobachten, wie bunte Bonbons, frisches Popcorn und weitere Leckereien hergestellt werden. Ebenso gibt es eine Kreativwerkstatt, in der man selbst aktiv werden kann. Ich habe zum Beispiel zu bemalende Keramik entdeckt.

Besonders beliebt ist außerdem die Marmeladenküche. Dort wird täglich frische Erdbeermarmelade aus originalen Karls-Erdbeeren direkt vor den Augen der Besucher gekocht.

Karlchen sorgt täglich für Unterhaltung

Das Karls-Maskottchen Karlchen gehört selbstverständlich ebenfalls zum neuen Standort. Mehrmals täglich finden Shows und Mitmachaktionen statt, bei denen insbesondere Kinder auf ihre Kosten kommen.

Eintritt kostenlos – Fahrgeschäfte separat buchbar

Der Eintritt in das Erlebnis-Dorf ist derzeit kostenlos. Für die Fahrgeschäfte und Erlebnisse ist jedoch zu zahlen. Dafür stehen überall auf dem Gelände Zahlautomaten bereit. Es gibt jedoch auch Tageskarten und Jahreskarten wählen, welche aus meiner Sicht den meisten Nutzen bringen und angemessen bepreist sind.

Ein Vorteil der Jahreskarten: Sie gelten nicht nur in Oberhausen, sondern können auch in allen anderen Karls Erlebnis-Dörfern genutzt werden.

Preise in den Restaurants

Auch gastronomisch setzt Karls auf eine Mischung aus klassischen Gerichten und kreativen Erdbeer-Spezialitäten.

Erdbeer Döner Bude

Die Preise bewegen sich auf einem Niveau, das mittlerweile in vielen Freizeitparks oder Ausflugslokalen üblich ist. Beispiele (Stand: Juli 2026):

  • Erdbeer-Döner: 9,50 Euro
  • Currywurst-Menü: 8,40 Euro
  • Kringelpommes: 3,90 Euro
  • Cappuccino: 3,50 Euro
Currywurst & Erdbeer Bratwurst Bude

Fazit: Eine Bereicherung für Oberhausen

Auch wenn am Eröffnungstag noch kleinere Restarbeiten liefen und einzelne Bereiche noch nicht vollständig geöffnet waren, hinterlässt Karls Erlebnis-Dorf bereits einen sehr positiven Eindruck.

Die Mischung aus Fahrgeschäften, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten, Schaumanufakturen und der liebevoll gestalteten Themenwelt macht das Erlebnis-Dorf zu einem attraktiven Ausflugsziel für das gesamte Ruhrgebiet. Familien mit Kindern finden hier zahlreiche Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, während Erwachsene gemütlich durch die große Markthalle schlendern, regionale Spezialitäten entdecken oder den Handwerkern in den Schaumanufakturen bei der Arbeit zusehen können.

Mein Eindruck: Mit Karls Erlebnis-Dorf hat Oberhausen eine außergewöhnliche neue Attraktion erhalten, die das Freizeitangebot der Stadt sinnvoll erweitert. Das Konzept aus Freizeitpark, Bauernhof-Atmosphäre, Manufakturen und Gastronomie ist stimmig umgesetzt und dürfte Besucher weit über das Ruhrgebiet hinaus anziehen.

Link: Karls Erlebnis-Dorf

Urban Trail Hagen – zwischen Street Art, Wald und überraschenden Höhenmetern

Den Urban Trail Hagen bin ich Anfang Juli 2026 gelaufen. Wie einige der anderen Urban Trails handelt es sich auch hier um einen klassischen Rundweg. Man kann theoretisch an jeder Stelle einsteigen, besonders praktisch ist aber der offizielle Start direkt am Hagener Hauptbahnhof. Damit war die Anreise mit der S-Bahn für mich völlig unkompliziert.

Glasbild - Willkommen in Hagen - Bahnhof
Glasbild – Willkommen in Hagen – Bahnhof

Bei meiner Wanderung waren die gelben Trail-Markierungen zumindest am Start offenbar noch nicht vollständig vorhanden. Zwar begegneten mir unterwegs immer wieder einzelne Markierungen, allerdings hatte ich den Eindruck, dass diese teilweise noch nicht vollständig waren oder möglicherweise nicht exakt dem GPS-Track entsprachen. Ich hatte deshalb vorsorglich den offiziellen Track auf mein Wander-GPS geladen und bin damit sehr gut zurechtgekommen.

Der Trail hat sich für mich gefühlt ziemlich klar in drei Abschnitte geteilt: etwa 25 Prozent Stadt, 50 Prozent grüne Natur und anschließend wieder 25 Prozent urbanes Hagen. Ich bin die Runde im Uhrzeigersinn gelaufen.

Und genau dieser Wechsel ist für mich einer der größten Reize dieser Tour.

Vom Hauptbahnhof in die Hagener Innenstadt

Los geht es am Hauptbahnhof. Zunächst führt die Route über den lebendigen Berliner Platz und anschließend in die Bahnhofstraße. Wer samstags unterwegs ist, kann hier vormittags noch über den Wochenmarkt schlendern.

Schon auf den ersten Metern bekommt man einen Eindruck vom heutigen Hagen. Interessant fand ich dabei auch den innerstädtischen Radweg entlang der Bahnhofstraße – ein Beispiel dafür, wie ein Radweg im städtischen Umfeld durchaus attraktiv und gut in den Straßenraum integriert werden kann.

Über die Neumarktstraße geht es weiter bis zum Theaterplatz.

Das Theater Hagen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1911 mit einer Aufführung von Schillers Wallenstein eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Theater stark beschädigt und anschließend wiederaufgebaut. 1949 konnte der Spielbetrieb erneut aufgenommen werden.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht, um sich mit der Theatergeschichte zu beschäftigen, denn der Urban Trail macht nur einen kurzen Schlenker und führt anschließend in die Humboldtstraße.

Street Art als wiederkehrendes Thema

Hier wartet bereits das erste große Wandbild auf uns: ein imposantes Mural von Martin Bender.

Mural von Martin Bender
Mural von Martin Bender – man beachte die stürmische See!

Leider konnte ich keine näheren Informationen zu diesem konkreten Werk finden. Besonders ins Auge fällt mir aber das Schiff, das sich durch die abstrakt dargestellten Wellen kämpft. Wie bei vielen Murals lohnt es sich auch hier, nicht einfach nur daran vorbeizulaufen, sondern sich das Bild einen Moment genauer anzusehen.

Über die Humboldtstraße geht es weiter in die Bergstraße und vorbei am Bunker Hagen.

Der massive Bau ist ein Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Untergeschoss befindet sich eine private Ausstellung zum zivilen Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Ein interessanter zusätzlicher Blick auf eine Epoche, die auch im Stadtbild Hagens ihre Spuren hinterlassen hat.

Urban Trail Marker am Bunker Hagen
Urban Trail Marker am Bunker Hagen

Und plötzlich wird es grün

Über die Konkordiastraße und eine kreativ gestaltete Unterführung geht es weiter – und dann verändert sich die Atmosphäre ziemlich abrupt.

Graffiti Regel mit Urban Trail Markierung
Wann wird der Marker übersprüht sein?

Wir erreichen den Stadtpark Hagen.

Spätestens jetzt wird klar, warum Hagen gerne als „Tor zum Sauerland“ bezeichnet wird. Der Weg beginnt anzusteigen, und aus der gemütlichen Stadtwanderung wird langsam eine Wanderung mit durchaus ernst zu nehmenden Höhenmetern.

An einem warmen Julitag macht sich das dann auch körperlich bemerkbar.

Durch den schönen Park geht es weiter vorbei an den ruhrgebietstypischen Schrebergärten. Zwischendurch öffnen sich immer wieder Ausblicke über Hagen. Gerade diese Kombination aus sorgfältig angelegten Gärten, Stadtpanorama und den ersten ansteigenden Wegen gefällt mir sehr gut.

Und dann geht es endgültig hinein in die Natur.

Der Bismarckturm – und der Beginn der Höhenwanderung

Nach den ersten Anstiegen erreichen wir den Wald. Nur wenige Minuten später taucht zwischen den Bäumen der rustikal wirkende Bismarckturm Hagen auf.

Bismarckturm Hagen
Bismarckturm Hagen mit Rastmöglichkeiten

Der Turm wurde 1900/1901 errichtet und ist insgesamt 24 Meter hoch. An Wochenenden besteht dank des Fördervereins die Möglichkeit, den Turm zu besteigen. Wer das einplanen möchte, sollte vorher die aktuellen Öffnungszeiten beachten.

Ich war allerdings schon mit dem Blick von außen zufrieden. Viel interessanter war für mich ohnehin, was danach kam.

Denn jetzt geht es wieder zurück in den Wald.

Mitten in Hagen und doch mitten im Wald

Für eine ganze Weile ist von der Stadt kaum noch etwas zu sehen.

Die Wege führen durch den Wald, und plötzlich fühlt sich der Urban Trail überhaupt nicht mehr urban an. Wenn man wenige Minuten zuvor noch durch die Innenstadt gelaufen ist, ist es schon erstaunlich, wie schnell man sich in dieser völlig anderen Umgebung wiederfindet.

Kreative Bank mit Turmskulpturen
Kreative Bank mit Turmskulpturen

Hagen zeigt hier seine besondere geografische Lage: Die Stadt liegt am Übergang zwischen Ruhrgebiet und Sauerland – und das macht sich auf dieser Wanderung ziemlich deutlich bemerkbar.

Allerdings zeigt sich im Wald auch eine weniger schöne Seite.

Kahle Baumstämme ragen in den Himmel
Kahle Baumstämme ragen in den Himmel

Immer wieder stehen kahle, abgestorbene Bäume zwischen den noch grünen Bereichen. Die Folgen von Trockenheit, Hitze und anderen Auswirkungen des Klimawandels sind auch hier nicht zu übersehen. Die abgestorbenen Stämme wirken fast wie stille Mahnmale dafür, dass diese scheinbare Idylle keineswegs mehr selbstverständlich ist.

Eugen-Richter-Turm und Volkssternwarte

Nach einiger Zeit erreichen wir den zweiten Aussichtspunkt der Tour: den Eugen-Richter-Turm.

Der 1911 errichtete Turm ist 23 Meter hoch und steht direkt neben der Volkssternwarte Hagen. Auch dieser Turm kann zu den Öffnungszeiten der ehrenamtlich betriebenen Sternwarte bestiegen werden.

Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte sie nutzen. Von oben bietet sich erneut ein weiter Blick über Hagen und die umliegende Landschaft.

Foto Spot im Wald
Auch im Wald trifft man auf Buntes

Damit hat die Wanderung gleich zwei Aussichtstürme zu bieten – und dazwischen jede Menge Wald.

Ein Lost Place mitten im Grünen

Nach dem Eugen-Richter-Turm geht es wieder hinein in den Wald und anschließend langsam bergab.

Verwilderte Klutert Kampfbahn Hagen
Lost Place – die verwilderte Klutert Kampfbahn Hagen

Allmählich tauchen vereinzelt wieder erste Häuser auf. Doch dann stehe ich plötzlich vor etwas, das auf den ersten Blick fast wie ein vergessenes Eingangstor zu einem Lost Place wirkt.

Und genau das ist es auch.

Hinter dem Tor liegt die mittlerweile stark überwucherte Kampfbahn Klutert.

Früher befand sich hier ein Sportplatz mit klassischem Aschebelag und Laufbahn. Bis zu 4.000 Zuschauer konnten die Sportveranstaltungen verfolgen. Heute hat sich die Natur einen großen Teil des Geländes zurückgeholt.

Zwischen Bäumen und Wildwuchs lassen sich noch die Reste der ehemaligen Sportanlage erkennen.

Ein ziemlich faszinierender Ort – gerade weil man sich angesichts der überwucherten Anlage nur schwer vorstellen kann, dass hier früher einmal tausende Menschen auf den Tribünen saßen.

Willkommen in Wehringhausen

Nach einem weiteren kurzen Abstieg ist es dann endgültig vorbei mit Wald und Höhenwanderung.

Über die Rehstraße geht es in die Lange Straße und damit in den Stadtteil Wehringhausen.

Und auch hier verändert sich die Atmosphäre wieder.

Wehringhausen wirkt lebendig, kreativ und ein wenig alternativ. Zahlreiche Cafés, kleine Geschäfte und gastronomische Angebote machen den Stadtteil zu einem angenehmen Ort für eine längere Pause.

Wer aufmerksam in die Seitenstraßen schaut, entdeckt zudem immer wieder Street Art. Besonders in der Bachstraße und Bleichstraße finden sich interessante Wandbilder – darunter erneut Werke von Martin Bender.

Mural von Martin Bender - Kinderkopf
Mural von Martin Bender – Kinderkopf

Die Street-Art-Galerie im Hinterhof

Ein besonderes Highlight wartet in der Moltkestraße.

Kurz vor dem oberen Ende befindet sich ein Garagenhof, dessen Wände mit großflächigen Murals gestaltet sind.

Mein Tipp: Einfach hineingehen und einmal umschauen.

Die Werke wirken in ihrer Gesamtheit fast wie eine kleine Open-Air-Galerie. Und genau solche versteckten Orte machen für mich den Reiz eines Urban Trails aus. Man muss nicht immer nur den offiziellen Sehenswürdigkeiten folgen. Manchmal lohnt es sich, ein wenig genauer hinzusehen oder einen kleinen Schritt abseits des eigentlichen Weges zu machen.

Mural von Martin Bender - Frauenkopf
Mural von Martin Bender – Frauenkopf

Auch auf dem weiteren Weg zurück Richtung Innenstadt begegnen einem immer wieder kleinere Kunstwerke und interessante Details.

Mural von Martin Bender - spielende Kinder
Mural von Martin Bender – spielende Kinder

Fazit: Eine überraschende Wanderung

Der Urban Trail Hagen hat mich vor allem durch seine ungewöhnliche Mischung aus Stadt und Natur überrascht.

Am Anfang läuft man durch die Innenstadt, vorbei an Theater, Bunker und Street Art. Dann geht es plötzlich bergauf und immer weiter in die Natur. Mit Stadtpark, Kleingärten, Bismarckturm, Waldwegen und Eugen-Richter-Turm fühlt sich dieser Abschnitt irgendwann tatsächlich eher wie eine kleine Mittelgebirgswanderung als wie ein Urban Trail an.

Und genau das fand ich großartig.

Es ist erstaunlich, wie schnell man sich in Hagen aus der städtischen Umgebung herausbewegen und mitten im Wald wiederfinden kann. Die beiden Aussichtstürme sorgen zusätzlich für schöne Panoramablicke, während die Kampfbahn Klutert noch eine ganz andere, geheimnisvolle Facette der Tour hinzufügt.

Auf dem Rückweg verändert sich die Atmosphäre erneut. Mit Wehringhausen, seinen Cafés, kleinen Läden und zahlreichen Street-Art-Werken wird es wieder urban, bunt und lebendig.

Damit bietet der Trail eigentlich alles, was ich an diesen Urban Trails so interessant finde:

Stadtgeschichte, Street Art, Natur, Aussicht, ein Lost Place und ein lebendiges Viertel – und das alles auf einer einzigen Runde.

Wer Hagen einmal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, dem kann ich diese Wanderung daher sehr empfehlen. Besonders schön fand ich den überraschenden Moment, an dem aus einer Stadtwanderung plötzlich eine richtige kleine Höhenwanderung wird.

Und genau diese Mischung aus Großstadt und Grünraum macht für mich den besonderen Reiz des Ruhrgebiets aus.

Link: Tourbescheibung der RuhrTourismus GmbH mit GPS-Track und komoot-Link

Urban Trail Gelsenkirchen – von der Zeche durch Industrienatur und Ückendorf

Der Urban Trail Gelsenkirchen ist wieder eine Punkt-zu-Punkt-Wanderung. Start und Ziel liegen also nicht am selben Ort. Das ist aber überhaupt kein Problem, denn beide Endpunkte sind gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Wer mit dem Auto anreist, kann dadurch ebenfalls relativ unkompliziert wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Bei meiner Wanderung Anfang Juni 2026 waren die gelben Markierungen allerdings noch gar nicht vorhanden. Ich habe deshalb den auf der Webseite angebotenen GPS-Track auf meinem Wander-GPS verwendet. Für meine Tour war das die richtige Entscheidung – und solange die Beschilderung noch nicht vollständig ist, würde ich das auch anderen Nachwanderern empfehlen.

Schon am Anfang: Zeche und Sport

Der Startpunkt lässt sich mit der Straßenbahn gut erreichen. Von Bochum beziehungsweise Gelsenkirchen führt die Linie 302 in Richtung Lohrheidestraße.

Von der Haltestelle geht es zunächst über einen schmalen Fuß- und Radweg. Schon nach wenigen Minuten taucht das erste Relikt der industriellen Vergangenheit auf: das eindrucksvolle Fördergerüst der ehemaligen Zeche Holland.

Zeche Holland
Zeche Holland

Viel Zeit zum Einlaufen bleibt allerdings nicht, denn schon bald geht es weiter durch einen schmalen Grünstreifen zum Lohrheidestadion. Das Stadion ist ein bedeutendes Leichtathletikzentrum und damit ein ziemlich interessanter Kontrast zum gerade passierten Fördergerüst.

Grüne Wege führen zur Halde
Grüne Wege führen zur Halde

Zeche und Leistungssport – zwei Dinge, die man auf einer Gelsenkirchener Wanderung vielleicht nicht unbedingt direkt hintereinander erwartet.

Und dann ist sie auch schon zu sehen: die Halde Rheinelbe.

Halde Rheinelbe - Himmelstreppe
Halde Rheinelbe – Himmelstreppe

Auf zur Himmelstreppe

Die Halde Rheinelbe gehört zu den Orten, die man im Ruhrgebiet einfach einmal selbst erlebt haben sollte. Der Aufstieg ist gut machbar, und während man langsam an Höhe gewinnt, verändert sich die Umgebung zunehmend.

Halde Rheinelbe - Himmelstreppe - Detail
Die Steinblöcke auf Rheinelbe

Oben angekommen wartet das eigentliche Highlight: die Himmelstreppe von Herman Prigann. Die 1999 entstandene Landmarke besteht aus großen Betonquadern und greift damit unmittelbar die industrielle Vergangenheit des Ortes auf.

Natürlich führt der Urban Trail bis nach oben – und natürlich sollte man auch die letzten Stufen bis zur eigentlichen Skulptur hinaufsteigen.

Der zusätzliche kleine Aufstieg lohnt sich gleich doppelt: Zum einen steht man unmittelbar vor diesem ungewöhnlichen Kunstwerk, zum anderen öffnet sich von hier ein beeindruckendes Panorama über das Ruhrgebiet.

Und genau hier wird wieder einmal ein altes Ruhrgebiets-Klischee eindrucksvoll widerlegt.

Von oben sieht man nämlich erstaunlich viel Grün. Wälder, Parks, Kleingärten und andere Freiflächen ziehen sich zwischen den dicht bebauten Stadtteilen hindurch. Wer immer noch das Bild vom ausschließlich grauen, qualmenden Ruhrgebiet im Kopf hat, bekommt hier ziemlich eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Bild längst überholt ist.

Die Halde Rheinelbe selbst ist dabei ein schönes Beispiel für den Wandel des Reviers: Aus einer industriell geprägten Fläche ist eine Landschaft geworden, in der sich Natur und Kunst miteinander verbinden.

Durch den Skulpturenwald

Der Abstieg führt zunächst durch den bewaldeten Bereich am Fuß der Halde. Und auch hier ist die Wanderung noch weit davon entfernt, wie eine klassische Stadtwanderung zu wirken.

Im Skulpturenwald Rheinelbe verstecken sich zwischen Bäumen und Wegen zahlreiche Arbeiten von Herman Prigann. Alte Beton- und Stahlteile, Baumstämme und andere Materialien wurden hier zu Kunstwerken, die teilweise fast so wirken, als seien sie einfach aus der Landschaft herausgewachsen.

Das Spannende daran: Man läuft nicht durch einen klassischen Skulpturenpark, in dem die Kunstwerke sauber auf einer Wiese nebeneinander aufgestellt sind. Stattdessen muss man aufmerksam sein. Manchmal taucht zwischen den Bäumen plötzlich ein ungewöhnliches Objekt auf.

Damit bleibt auch nach dem Abstieg von der Halde der Eindruck erhalten, mitten in einer Mischung aus Wald, Industriebrachen und Kunst unterwegs zu sein.

Eine überraschende Begegnung im Wald

Unten angekommen, überquere ich zunächst die Fahrradtrasse. Nebenbei bemerkt: Diese Strecke führt von hier aus erstaunlich weitgehend autofrei in Richtung Zeche Zollverein – für Radfahrer also durchaus eine interessante Verbindung.

Der Urban Trail bleibt jedoch zunächst in der Natur.

Durch ein kleines Waldgebiet geht es weiter, und hier wartet für mich eine der überraschendsten Entdeckungen der Tour: die Forststation Rheinelbe.

Sie befindet sich in einem ehemaligen Zechengebäude beziehungsweise einer früheren Umspannstation und passt damit wunderbar in die Geschichte dieses Ortes. Aus einem technischen Relikt der Industriezeit ist ein Ort geworden, der sich heute mit Wald, Natur und Landschaft beschäftigt.

Genau solche Übergänge machen für mich den Reiz der Urban Trails aus.

Langsam wird es städtisch

Nach einer weiteren Querung der Fahrradtrasse verändert sich die Umgebung allmählich. Wir verlassen die größeren Grünbereiche und bewegen uns nun immer stärker durch das Stadtgebiet.

Zunächst fallen die teilweise sehr schönen Altbauten auf. Einige Fassaden sind ausgesprochen kunstvoll gestaltet und erinnern an die Gründerzeit, als das Ruhrgebiet durch den rasanten Ausbau von Bergbau und Industrie stark wuchs.

Dann treffen wir auf eine größere Verkehrsstraße – und spätestens jetzt ist klar: Der grüne Teil der Wanderung liegt hinter uns.

Rechts neben einem Lidl-Markt fällt ein großes Mural ins Auge. Es handelt sich hierbei um den „Schmetterlingsjäger“ von Case Maclaim. Auch nach dem „Kreuzen“ der Radtrasse befindet sich links in der Seitenstraße (Bühlweg) ein eindrucksvolles Mural von Nina Valkhoff lohnt sich ein Blick: Dort versteckt sich ein weiteres, eindrucksvolles Wandbild mit Waldmotiv.

Ausschnitt des Mural Schmetterlingsfänger 4.0
Schmetterlingsfänger 4.0 von Case Maclaim

Man sollte bei dieser Wanderung ohnehin ein wenig Zeit für solche Entdeckungen einplanen. Die Route ist nicht nur eine Wanderung von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, sondern führt mitten durch den Stadtteil und damit auch an vielen kleineren Kunstwerken vorbei.

Auch die weniger schönen Seiten gehören dazu

Die nächsten Meter sind dann allerdings weniger spektakulär.

Man kommt durch Bereiche, in denen leerstehende oder verfallende Häuser das Bild bestimmen. Gerade das empfinde ich aber nicht unbedingt als Nachteil. Schließlich gehört auch das zur Realität des Ruhrgebiets.

Urban Trails sollen für mich nicht nur die herausgeputzten Vorzeigeorte zeigen. Interessant wird es gerade dann, wenn man auch die Übergänge und Brüche einer Stadt erlebt.

Und dann kommt wieder etwas, das wahrscheinlich kaum irgendwo so typisch ist wie im Ruhrgebiet: ein kleiner Kiosk.

Ruhrpott-Bude
Ruhrpott-Bude

Vielleicht wäre jetzt eine gemischte Tüte genau das Richtige?

Plötzlich scheint die Zeit stehen geblieben zu sein

Nach dem Kiosk biegt die Route wieder in einen Park ab – und wenig später stehe ich plötzlich der ausgesprochen pittoresken alten Zechenkolonie Flöz Dickebank.

Siedlung Flöz Dickebank
Die Siedlung Flöz Dickebank

Die kleinen Häuser und ihre Anordnung vermitteln einen sehr guten Eindruck davon, wie die Wohnwelt im historischen Ruhrgebiet ausgesehen hat.

Mit etwas Fantasie und ohne die modernen Autos könnte man hier tatsächlich meinen, die Zeit sei ein gutes Stück zurückgedreht worden.

Und genau diese Kontraste machen den Trail interessant: Vor wenigen Minuten noch Leerstände und Stadtverkehr, dann wieder Park und historische Siedlung.

Ückendorf verändert sich

An der nächsten größeren Straße wartet bereits das nächste große Wandbild. Ein haushohes Mural gesponsort von Viva con Agua ARTS setzt einen weiteren farbigen Akzent.

Mural von Lidia Cao
Mural von Lidia Cao

Von hier geht es weiter durch Ückendorf.

Und hier verändert sich die Atmosphäre erneut. Das Viertel wirkt zunehmend lebendiger und kreativer. Alternative Läden, kleine Cafés und Street Art prägen das Straßenbild.

Fassadenkunst
Hier: Fassadenkunst

Man merkt, dass sich dieser Teil Gelsenkirchens verändert. Die Spuren der alten Industriestadt sind weiterhin überall sichtbar, gleichzeitig entsteht aber eine neue, kreative Stadtkultur.

Paste-ups
Paste-ups

Genau diese Mischung gefällt mir.

Vom Kreativviertel zum Wissenschaftspark

Schließlich erreicht der Urban Trail die parkähnliche Umgebung des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen.

Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen steht sinnbildlich für einen anderen Teil der Geschichte des Ruhrgebiets: Hier geht es nicht mehr um Kohle und Stahl, sondern um Wissen, Innovation und Zukunft.

Wissenschaftspark Gelsenkirchen
Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Damit schließt sich für mich ein schöner Kreis. Die Wanderung begann mit einem alten Fördergerüst und Industrienatur und führt nun zu einem Ort, der für den Strukturwandel und die Zukunft des Ruhrgebiets steht.

Durch die Innenstadt zum Ziel

Von hier geht es weiter Richtung Gelsenkirchener Hauptbahnhof.

Eine besonders interessante Passage ist eine künstlerisch gestaltete Unterführung unter den Bahngleisen. Statt einer langweiligen Unterführung wartet hier noch einmal Urban Art auf die Wanderer.

Danach wird es endgültig städtisch.

Postamt
Postamt – Baukunst

Durch die Fußgängerzone geht es in Richtung Innenstadt. Auch hier lohnt sich weiterhin der Blick nach links und rechts. Zwischen den großen Straßen und Häusern finden sich immer wieder kleinere Kunstwerke und interessante architektonische Details.

Kunst in der Fußgängerzone GE
Kunst in der Fußgängerzone Gelsenkirchen

Schließlich ist das Ziel erreicht: das Musiktheater im Revier, kurz MiR.

Und auch hier zeigt sich noch einmal, dass Gelsenkirchen weit mehr zu bieten hat als seine klassische Bergbaugeschichte.

Hans-Sachs-Haus
Das Hans-Sachs-Haus

Direkt am Ziel befindet sich eine Haltestelle. Von dort kommt man problemlos wieder zum Gelsenkirchener Hauptbahnhof und damit auch zurück zum Ausgangspunkt beziehungsweise zu weiteren Bahnverbindungen.

Mein Fazit: Genau das ist für mich Ruhrgebiet

Auch dieser Urban Trail hat mir richtig Spaß gemacht.

Was mir besonders gefallen hat, ist die deutliche Zweiteilung der Strecke.

Am Anfang wandert man überraschend viel durch Grün: Halde, Wald, Skulpturen, Industrienatur. Dann wird die Umgebung Schritt für Schritt städtischer. Es folgen Wohnviertel, alte Arbeitersiedlungen, Leerstände, Kioske, Street Art, Kreativszene und schließlich die Innenstadt.

Gerade dieser Wandel macht die Tour für mich so interessant.

Das Ruhrgebiet ist eben weder reine Industriekulisse noch idyllische Landschaft. Es ist beides – und meistens liegt beides erstaunlich dicht nebeneinander.

Wer das Ruhrgebiet einmal jenseits der großen Industriedenkmäler erleben möchte, bekommt auf dem Urban Trail Gelsenkirchen eine ziemlich gute Gelegenheit dazu. Zechenrelikte, Industrienatur, Kunst, alte Arbeitersiedlungen, Kiosk-Kultur und ein sich wandelndes Stadtviertel ergeben eine abwechslungsreiche Mischung.

Und spätestens oben auf der Himmelstreppe wird klar: Das Ruhrgebiet ist längst nicht mehr nur grau. Es ist überraschend grün, ziemlich bunt und vor allem ständig im Wandel.

Link: Tourbeschreibung mit GPS-Track und komoot Link bei der RuhrTourismus GmbH.